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Hakenkreuze und KZ-SprücheRoms Stadion als Nazi-Bühne

30.01.2006, 14:24 Uhr

Hakenkreuze, KZ-Sprüche und Molotow-Cocktails: Roms Olympiastadion verkommt immer mehr zur Bühne rechtsradikaler Fußball-Fans.

Hakenkreuze, KZ-Sprüche und Molotow-Cocktails: Roms Olympiastadion verkommt immer mehr zur Bühne rechtsradikaler Fußball-Fans. Im Meisterschaftsspiel AS Rom - FC Livorno (3:0) sorgten Fans der Römer mit Nazi-Fahnen und Spruchbändern erneut für einen Skandal. "Lazio und Livorno - die selben Initialen, der selbe Ofen", stand in Anspielung auf die Vernichtungslager der Nazis auf einem riesigen Spruchband. Sportler, Funktionäre und Politiker verurteilten die rechtsradikalen Fan-Aktionen scharf und forderten ein hartes Durchgreifen. Dem AS Rom droht nun eine Stadionsperre.

Kurz vor dem Spiel konnte die Polizei noch einen Brandanschlag auf einen Bus mit Livorno-Fans vereiteln. Sechs Molotow-Cocktails wurden unter eine Brücke am Stadion gefunden. Auch ein Spruchband mit der Aufschrift "Wir haben Euch alle verbrannt", wurde von der Polizei sichergestellt. Drei Personen wurden verhaftet. Hätten die Rom-Fans den offensichtlich von langer Hand geplanten Brandanschlag gegen die Anhänger aus Livorno durchführen können, wäre es zur Tragödie gekommen, schrieb "La Gazzetta dello Sport" am Montag.

Während die Sicherheitskräfte vor dem Spiel rechtzeitig eingriffen, schauten sie im Stadion dem rechtsradikalen Treiben mit Hakenkreuzfahnen und Duce-Bildern auf den Rängen tatenlos zu. "Der Schiedsrichter hätte diese Spruchbänder entfernen lassen müssen", sagte AS-Profi Damiano Tommasi. Dem Gesetz nach hätte der zuständige Polizeichef im Stadion das Spiel abbrechen müssen. "So etwas darf nicht mehr geduldet werden", forderte Roms Bürgermeister. Vittorio Pavoncello vom Rat der jüdischen Gemeinde in Rom forderte ein "Einschreiten der Sportverbände".

Auch der Club verurteilte die Fan-Aktionen, fühlt sich aber nicht dafür verantwortlich. Der AS Rom sieht sich vielmehr als Opfer: "Die Politik muss raus aus den Stadien", meinte Clubchef Franco Sensi. Bisher folgten den frommen Wünschen jedoch nie Taten: Weder AS Rom noch Lokalrivale Lazio haben es in den letzten Jahren geschafft, die immer wiederkehrenden rechtsradikalen Fan-Aktionen zu unterbinden.

Von Bernhard Krieger, dpa