Flucht aus AfrikaTausende sterben jedes Jahr
Zehntausende Afrikaner versuchen jedes Jahr, nach Europa zu kommen. In kaum seetauglichen Booten bemühen sie sich, vor allem die südlichen Inseln Spaniens im Atlantik oder Italiens im Mittelmeer zu erreichen.
Zehntausende Afrikaner versuchen jedes Jahr, nach Europa zu kommen. In kaum seetauglichen Booten bemühen sie sich, vor allem die südlichen Inseln Spaniens im Atlantik oder Italiens im Mittelmeer zu erreichen. Schätzungen von Menschenrechtsgruppen zufolge kommen dabei jedes Jahr Tausende ums Leben. Im Folgenden einige Informationen zur Einwanderung aus Afrika:
Fluchtgründe
* Die afrikanische Bevölkerung wächst schnell und die wirtschaftliche Entwicklung hält nicht Schritt damit. 1950 lebten 221 Millionen auf dem Kontinent, heute sind es rund 800 Millionen. Dies sind 13,5 Prozent der Weltbevölkerung.
* 2001 mussten 46 Prozent der Menschen südlich der Sahara mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. In diesem Teil des Kontinents sind 44 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre.
* Der Kontinent leidet unter massiven Umweltproblemen, tödlichen Seuchen wie der Immunschwächekrankheit Aids, zahlreichen gewaltsam ausgetragenen Konflikten und Hungersnöten.
Zahlen
* In diesem Jahr haben mehr als 26.000 Afrikaner auf illegalen Wegen die Kanarischen Inseln erreicht, rund fünf Mal so viele wie im Jahr zuvor. Malta und Italien sind mit einem ähnlichen Zustrom konfrontiert. Zwischen Januar und August sind mindestens 10.000 Afrikaner auf der italienischen Insel Lampedusa gelandet. 2005 kamen fast 23.000 Flüchtlinge in Italien an, 8.000 Menschen mehr als im Jahr davor.
* Mindestens drei Afrikaner kamen im Juli ums Leben, als eine Gruppe von 70 Flüchtlingen den Stacheldraht bewehrten Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla an der Nordküste Afrikas stürmten. Elf Menschen starben im Oktober 2005 bei dem Versuch, den Zaun von Melilla und der zweiten Exklave, Ceuta, zu überklettern.
* EU-Statistiken zufolge wuchs die Bevölkerung der Europäischen Union 2004 um 2,3 Millionen Menschen. Davon waren 1,9 Millionen Immigranten.
* Zahlen der Vereinten Nationen zufolge lebten im vergangenen Jahr 35 Prozent aller Migranten in Europa, 23 Prozent in Nordamerika sowie jeweils drei Prozent in Lateinamerika und der Karibik beziehungsweise in Ozeanien.
Politische Maßnahmen
* Spanien setzt auf eine Kombination aus verschärften Patrouillen vor der westafrikanischen Küste zu Wasser und Luft und ein Programm zur Rückführung der Flüchtlinge. Dies habe zu einem deutlichen Rückgang der illegalen Einwanderung auf die Kanarischen Inseln geführt, teilte es im vergangenen Monat mit.
* Die Regierung in Madrid hat zudem dem Senegal und anderen armen westafrikanischen Staaten Millionen-Hilfen für Entwicklungsprogramme zugesagt. Damit soll Arbeit für junge Menschen geschaffen werden.
* Ende September vereinbarten die acht südlichen Grenzstaaten der EU gemeinsame Patrouillen zu Wasser, eine bessere Zusammenarbeit ihrer Küstenwachen und den Aufbau eines Alarmsystems. Es soll sich über die Mittelmeerküste der Gemeinschaft erstrecken und elektronisch Alarm schlagen, wenn Boote mit Flüchtlingen die afrikanische Küste verlassen.
* Beim EU-Gipfel im Dezember wurde zudem beschlossen, dem Zusammenhang von Migration und Entwicklung mehr Augenmerk zu geben. Bis Juni 2007 soll die EU-Kommission Vorschläge machen, wie die legale Migration zwischen der EU und Drittländern besser organisiert werden kann. Dennoch steht Abwehr weiterhin im Zentrum der europäischen Migrationspolitik.