Verletzte Psyche der SoldatenTraumatisierte Heimkehrer
Posttraumatisches Belastungssyndrom, kurz PTBS, heißt die Diagnose oft bei Soldaten, die mit ansehen mussten, wie ihre Kameraden sterben.
Noch viele Monate nach dem Bombenanschlag konnte sich Boris Schmuda nicht auf großen Plätzen mit vielen Menschen bewegen. "Das letzte Bild, das ich im Kopf habe, ist auf diesem Marktplatz, wo wir alle in die Luft geflogen sind", sagt der Hauptfeldwebel. Er überlebte im Mai 2007 einen Angriff auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kundus schwer verletzt. Drei seiner Kameraden und fünf afghanische Zivilisten starben.
Nachdem Schmuda aus dem künstlichen Koma erwacht war, suchte er psychiatrische Hilfe. Diesen Schritt wagt längst nicht jeder Soldat, der bei einem Auslandseinsatz ein Trauma erlitten hat. Denn in der Männergesellschaft Bundeswehr wird dies zum Teil immer noch als Schwäche gewertet. Schmuda sagt, dank der Behandlung habe er trotz des Anschlags in ein normales Leben zurückgefunden.
Posttraumatisches Belastungssyndrom, kurz PTBS, heißt die Diagnose oft bei Soldaten, die mit ansehen mussten, wie ihre Kameraden sterben. Dauernde Angstgefühle etwa auf Patrouillenfahrten werden ebenfalls als starke psychische Belastung gewertet. Solche Erfahrungen können gerade nach der Rückkehr aus dem Einsatz Stress auslösen. Wenn belastende Erinnerungen immer wieder ungewollt auftauchen, kann das ein Symptom für PTBS sein. Auch Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen und Reizbarkeit können Anzeichen sein.
Bei etwa einem Prozent soll nach Angaben der Bundeswehr die Zahl der von PTBS betroffenen Soldaten liegen, die aus einem Auslandseinsatz zurückkehren. Aber "es gibt eine Dunkelziffer", räumt Kasdorf ein. Viele Soldaten hätten "Schamgefühle", sich bei einem Psychologen zu melden, bestätigt Dr. Karl-Heinz Biesold, Leiter der Psychiatrie im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. "Gerade Soldaten, die nicht körperlich verletzt sind, denken häufig, dass sie nur eine Anpassungsstörung hätten."
Der Bundestagsabgeordnete Jörn Thießen (SPD) kümmert sich seit einigen Jahren um das Thema PTBS. Seine Fraktion und die Union fordern nun in ihrem Antrag die Einrichtung eines Kompetenz- und Forschungszentrums für PTBS bei der Bundeswehr. "Im Rahmen einer fokussierten Beobachtung werden wir sehen, dass die Dunkelziffer höher liegt", sagt auch Thießen. Gegen eine solche Initiative habe sich das Verteidigungsministerium "monatelang gewehrt". Inzwischen sei allerdings die Einsicht vorhanden, dass dies nicht zum "Negativ- Image" der Bundeswehr beitrage, sondern eher umgekehrt.