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Mannesmann-ProzessDer Punkt ist die Moral

27.10.2006, 10:33 Uhr

Ex-Mannesmann-Chef Esser ist mit einer Unternehmensstrategie gescheitert und streicht dafür Millionen ein. Warum gehen Entschädigungszahlungen in solcher Höhe über den Tisch, während die Beschäftigten um ihre Existenz bangen?

Von Manfred Bleskin

Nun hat also die dritte Runde im Mannesmann-Prozess begonnen. Kein Victory-Zeichen, keine siegesgewissen Minen. Dafür bescheidenes Lächeln, das die innere Anspannung der Angeklagten kaum zu verbergen mag. Der Ausgang des Verfahrens ist offener, wenn man so will, als in der ersten Instanz, als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Co. vom Amtsgericht Düsseldorf freigesprochen worden waren.

Als der BGH den Spruch kassierte, sagten die Richter, sie könnten nicht erkennen, inwiefern die Zahlungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro im Interesse von Mannesmann gelegen haben sollen. Die Angeklagten hätten sich wie Gutsherren benommen. Sie seien jedoch nur Gutsverwalter, die fremdes Vermögen betreuen müssten. Damit haben sie des Pudels Kern getroffen.

Niemand wird den Betroffenen absprechen, dass sie für mehr Verantwortung und Leistung, die weit über den Achtstundentag hinausreichen, entsprechend entschädigt werden müssen. Entsprechend.

Es leuchtet nicht ein, warum Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe über den Tisch gehen, wenn die Beschäftigten um ihre Existenz bangen müssen.

Jeder Arbeitnehmer, der eine schlechte Leistung abliefert, wird dafür in irgendeiner Form zur Rechenschaft gezogen. Manchmal sogar finanziell. Wenn nun aber ein Mann mit einer Unternehmensstrategie gescheitert ist - wie Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser - und dafür auch noch Millionen einstreicht, dann schlägt’s dem Fass den Boden aus.

Es ist vielleicht gar nicht so sehr die Frage, ob dies strafrechtlich relevant ist. Wenn Eigentum laut Grundgesetz verpflichtet, dann verpflichtet auch die Verwaltung von Eigentum. Der Punkt ist die Moral, die dahinter steht, und die Wirkungen, die davon in die Gesellschaft hineingehen.

Was wir brauchen in Deutschland, ist weder der dicke Kapitalist mit Melone und Zigarre noch der barmherzige Samariter, der sein letztes Hemd auszieht, damit es seinen Angestellten nicht friert. Wir brauchen eine gerechte Verteilung, die verhindert, dass Menschen auf der Straße schlafen, Kinder in Massen verarmen und Familien sich mit dem Dispokredit übers Wochenende retten. Das nennt man Leistungsprinzip. Einfach ein schlierenfreies Engagement. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.