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Keine PropagandaGedanken zum Krieg

24.07.2006, 20:59 Uhr

Fernsehanstalten berichten täglich über "ganze zerstörte Straßenzeilen in Beirut". Wieso werden aber immer nur die gleichen Bilder aus dem einen Viertel im Süden von Beirut gezeigt?

von Ulrich W. Sahm

Land für Frieden: Seit einigen Jahren kursiert die Zauberformel "Land für Frieden" als Ultima Ratio für die Lösung des Nahostkonflikts. In den vergangenen sechs Jahren hat Israel zwei dramatische Rückzüge vorgenommen, 2000 aus dem Libanon bis zur internationalen Grenze und 2005 aus dem Gazastreifen bis zu anerkannten Grenzlinie. Eine israelische Karikatur fragt: "Krieg im Libanon? Ja. Krieg in Gaza? Ja. Krieg im Westjordanland? Nein, wir haben uns da noch nicht zurückgezogen."

Demokratie: Ein Journalist fragte Bundesaußenminister Steinmeier in einem Hintergrundgespräch: "Es heißt immer, dass Demokratie Kriege verhindere. In zwei arabischen Territorien, Libanon und in der Palästinensischen Autonomie, ist die Demokratie besser entwickelt als in jedem andern arabischen Land. Bedeutet das nun, dass die Demokratie abgeschafft werden sollte?" Der Minister antwortete, dass man nicht nur auf Demokratie allein, sondern auch auf Rechtsstaatlichkeit achten sollte.

Israels "willkürliche" Bombardements von zivilen Gebieten im Libanon: Aussage einer Frau aus Libanon: "Manchmal fallen auch Bomben, wo man sie nicht erwartet." Aussage einer Frau aus Nordisrael: "Wir können uns nicht aus dem Schutzkeller herauswagen, denn die Raketen der Hisbollah sind willkürlich auf jeden Ort im Norden Israels gezielt, auf Haifa wie Nazareth, auf jüdische wie arabische Wohngebiete. Wir müssen jederzeit an jedem Ort damit rechnen, getroffen zu werden. Die einzige Alternative ist, dass wir weit wegfahren, um nicht mehr in der Reichweite der Raketen zu sein."

Beobachtung: In Beirut, hinter der ARD-Korrespondentin, ist dichter Verkehr zu sehen, während die Menschen unbekümmert auf der Straße flanieren. Bei Korrespondentenberichten aus Naharia, Haifa und anderen Orten im Norden Israel sind die Straßen menschenleer. Man sieht nur vereinzelte Autos, meist Krankenwagen und Polizeiautos.

Die ARD-Korrespondentin berichtet von ihrem Team, das fluchtartig die südlichen Viertel von Beirut verließ, als es Kampfflugzeuge am Himmel sichtete. Könnte es sein, dass die Reporter genau wissen, wo (und sogar warum) die Israelis bombardieren, und andererseits, in welche (sicheren) Viertel von Beirut sie flüchten können? Falls dem so sein sollte, wäre der Eindruck, dass Israel "willkürlich" Zivilgebiete angreife, zu korrigieren.

Korrespondenten im Norden Israels können nicht von einem Viertel zum anderen in Haifa oder Naharia flüchten, weil sie an jedem Punkt im Norden Israels jederzeit getroffen werden könnten. Sie müssen den nächstbesten Schutzkeller aufsuchen.

Fernsehanstalten berichten täglich über "ganze zerstörte Straßenzeilen in Beirut". Wieso werden aber immer nur die gleichen Bilder aus dem einen Viertel im Süden von Beirut gezeigt, wo übrigens die gesamte Zivilbevölkerung schon zu Beginn des Krieges komplett evakuiert worden ist und es deshalb dort keine zivilen Verluste gab (gemäß Angaben aus Libanon)? Es handelt sich um die Hochburg der Hisbollah, einst ein geschlossenes Viertel, das man nur mit Sondergenehmigung betreten durfte.

Keine Propaganda: Es irrt, wer glaubt, dass die Hisbollah nur Propaganda betreibe. Ein Hisbollahchef, Al Malli, im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung", liefert eine zuverlässige Bilanz der Schäden auf beiden Seiten: "Die nachhaltige Zerstörung auf der israelischen Seite ist weit schlimmer als auf unserer Seite. Zum einen zeigen wir mit der Gefangennahme und mit dem Dauerfeuer unserer Raketen auf Israel, dass die angeblich unbesiegbare israelische Armee doch getroffen werden kann. Das ist ein moralischer Sieg. Zweitens leidet Israel wirtschaftlich viel stärker: Im Norden und der Mitte des Landes schlagen Raketen ein. Dort konzentriert sich Israels Wirtschaft, dort lebt die Bevölkerungsmehrheit, dorthin kommen die Touristen. Wer zahlt da am Ende den höheren Preis?"