Der Ressortwechsel"Bereit, sich unbeliebt zu machen"
Was für eine Überraschung: Schäuble wird der neue Finanzminister. Auch zu Guttenberg wechselt das Ressort. Beide werden sich in ihren neuen Ämtern keine Freunde machen.
Wolfgang Schäuble und Karl-Theodor zu Guttenberg wechseln das Ressort. Während zu Guttenberg zu seinem eigentlichen Metier, dem außenpolitischen Feld, zurückkehrt und Verteidigungsminister wird, übernimmt Schäuble überraschender Weise das Finanzministerium. Beide werden sich in ihren neuen Ämtern keine Freunde machen.
"Davon muss man sich erst einmal erholen: Wolfgang Schäuble wird Finanzminister", schreibt die Volksstimme. Unter Kohl hätte er als Innenminister die deutsche Einheit mit gestaltet. Unter Merkel sei er für Recht und Ordnung sowie für die Zusammenführung der Menschen aus Ost und West eingestanden. Deshalb hätte niemand den Ressortwechsel erwartet. Die Volksstimme meint daher, dass mit Schäuble "ein sehr erfahrener Politiker Herr über die Haushaltslöcher" werde. Deutschland aus dem "Schulden-Dilemma" zu führen, sei jedoch "eine fast unlösbare Aufgabe angesichts der angekündigten Steuersenkungspolitik und der Erwartung jeder Interessengruppe (…)". Schäuble kann aushalten, denn "was immer (er) in seinem politischen Herbst tun wird, er wird viel Protest und wenig Dank ernten selbst dann, wenn er das Unmögliche, die Sanierung der Haushalte, schaffen sollte."
Die Abendzeitung erinnert an die "Außenseiterchancen", welche Schäuble in letzter Zeit auf einen Ministerposten höchstens zugeschrieben wurden. Angela Merkel sei sich ihrer Sache jedoch sicher: "Schäuble ist loyal und gerne bereit, sich unbeliebt zu machen. Nützliche Eigenschaften in einem Amt, in dem er all die irrlichternden Fantasten von Westerwelle über Brüderle bis zu Seehofer bändigen muss. Mit deren fiskalischen Flausen wird sich der unterkühlte Intellektuelle beschäftigen müssen."
"Karl-Theodor zu Guttenberg wird erst mal durchatmen", konstatiert der Nordbayerischer Kurier. Das neue Kabinett steht und er darf zurück in sein eigentliches Metier. Denn das Verteidigungsministerium gelte als Guttenbergs Leidenschaft. Als "Meister der diplomatischen Verklausulierung" werde er "sein rhetorisches Repertoire ausreizen müssen". Auch er wird wie Schäuble in seinem neuen Ressort einen langen Atem brauchen. "In Afghanistan werden neue Truppen gebraucht. Der Druck auf Deutschland wird wachsen, mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken. Viele Freunde macht man sich damit nicht."
Der neue Tag sieht aber eines, was zu Guttenberg als neuer Verteidigungsminister leicht fallen werde: "als Nebenaußenminister dem neuen Hausherrn im Auswärtigen Amt, Guido Westerwelle, das Leben schwer zu machen". Immerhin pflege zu Guttenberg seit Jahren beste Kontakte in der internationalen Politik. Außerdem sei der Verteidigungsminister einer der wenigen, der aus dem Stehgreif eine Dinner-Rede in Englisch halten könne. "Von FDP-Chef Westerwelle wird dies bislang nicht berichtet."
Zusammengestellt von Julia Kreutziger