Steinmeiers TeamDas "Hoffnungs-Häuflein"
Das "Regierungsteam" von SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier steht. Während sich die einen über junge, unverbrauchte Gesichter freuen, fehlen den anderen charismatische Polit-Stars. Und wieder andere stellen ungeahnte Verbindungen zwischen dem Steinmeier-Team und Angela Merkel her.
Das "Regierungsteam" von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier steht. Während sich die einen über junge, unverbrauchte Gesichter freuen, fehlen den anderen charismatische Polit-Stars. Und wieder andere stellen ungeahnte Verbindungen zwischen dem Steinmeier-Team und Angela Merkel her.
"Von den meisten im Team hat man, wenn man sich für Politik interessiert, schon mal gehört, ohne viel über sie zu wissen oder sie gar zu kennen", erkennt die Süddeutsche Zeitung. Natürlich gäbe es Ausnahmen. Zum Beispiel Ulla Schmidt. Aber "von der hat man in letzter Zeit so viel gehört, dass das selbst dem braven Steinmeier zu viel war." Dann macht das Blatt eine ganz einfache Rechnung auf - mit erstaunlichem Ergebnis: "Mittelt man Steinmeiers Team vom Alter, vom Geschlecht und auch sonst, dann sieht die Zukunft der SPD ungefähr so aus: knapp 51 Jahre alt, eher weiblich, trägt Hemdbluse. Dies alles trifft auch auf Angela Merkel zu, nur dass die mit 55 vier Jahre mehr Regierungserfahrung hat."
Die Volksstimme Madgeburg begrüßt den längst fälligen Generationswechsel: "Junge, unverbrauchte Gesichter drängen an die Spitze. Das wird der SPD guttun, auch im Wahlkampf. Zu sehr steht die Partei noch im langen Schatten von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Was nicht zuletzt am Kanzlerkandidaten liegt." Aber indem er selbst den Generationswechsel herbeiführe, "löst er sich ein Stück von seinem politischen Ziehvater" und "gewinnt an Eigenständigkeit". Die neuen Gesichter hätten allerdings eine gewaltigen Nachteil: "Der SPD bleiben zwei Monate, um Politiker bekannt zu machen, deren Namen der Öffentlichkeit bisher kaum etwas sagen. Darin liegt das große Risiko von Steinmeiers Wahl. Dass er es eingeht, ist jedoch richtig. Denn bisher ist das Rennen für die SPD glücklos verlaufen."
Das Offenburger Tageblatt findet Steinmeier "sympathisch", da er "trotz katastrophaler Umfragewerte und zusätzlicher Unwetterereignisse von Tief Ulla aus Spanien wacker und zweckoptimistisch weiter ficht, als sähe er den Schlüssel zum Kanzleramt tatsächlich in Reichweite." Sein Ausspruch: "Wir spielen auf Sieg!" imponiert das Blatt, "wenn es doch nur Pfeifen im Walde ist."
Weniger beeindruckt zeigten sich die Stuttgarter Nachrichten. Obwohl Steinmeier seine Schwerpunktthemen Gesichtern geben wolle, setze er "mehr auf Masse als auf Klasse". Das Blatt ist skeptisch: "Ob dieses Team jene Unentschlossenen mobilisieren kann, die Steinmeier als rettenden Strohhalm ins Visier genommen hat, ob es ihm gelingt, dass sich das Hoffnungs-Häuflein auch inhaltlich klar vom schwarzen Koalitionspartner absetzen kann - Zweifel sind angebracht."
"Steinmeier bläst zum Angriff", kommentiert der Express Köln. Das Kompetenzteam sei aber "alles andere als eine Überraschung", abgesehen vom "Multimillionär aus dem Arbeitermilieu." Neben "altgedienten Parteirecken" sind es vor allem "Genossinnen", die "das Herz der Wähler wieder in Scharen für die SPD erwärmen" sollen. Das Gelingen dieses Plans stellt das Blatt aber in Frage, denn "es fehlen die richtigen Stars in Steinmeiers Truppe - populäre Persönlichkeiten mit Charisma, die die SPD dringend bräuchte, um verlorenes Terrain zurückzuerobern." Schon die Präsentation des Teams hätte eher "den Charme eines Klassentreffens mit Gruppenfoto" gehabt. Die Erklärung dafür sei, "dass allen noch Ulla Schmidts verpatzte Dienstfahrt nach Spanien in den Knochen steckte. Die war wahrlich keine Werbung für Kompetenz, sondern ein Musterbeispiel für Inkompetenz."
Zusammengestellt von Katja Sembritzki