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Granaten auf Südkorea"Der Diktator handelt schlau und rational"

23.11.2010, 21:53 Uhr

Die Feuergefechte auf der koreanischen Halbinsel haben die Angst vor einem bewaffneten Konflikt in Asien geschürt. Doch Nordkoreas Diktator Kim Jong Il verbindet mit der jüngsten Eskalation klare politische Ziele, da ist sich die Presse sicher.

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea ist eskaliert, als der Norden eine südkoreanische Insel mit Dutzenden Artilleriegeschossen bombardierte. Die Feuergefechte auf der koreanischen Halbinsel haben die Angst vor einen bewaffneten Konflikt in Asien geschürt. Doch Nordkoreas Diktator Kim Jong Il verbindet mit der jüngsten Eskalation klare politische Ziele, da ist sich die Presse sicher.

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(Foto: dpa)

Die Gefahr eines Krieges zwischen den beiden Koreas sei hoch, schätzt die "Süddeutsche Zeitung" ein. Es lohne sich jedoch, auf die Motive hinter den Provokationen hinzuweisen. Zunächst führe Pjöngjang seine neueste Nuklearanlage vor, "dann fliegen die Granaten, das Diktatoren-Reich zeigt seine Kraft und will seinen Gegnern offenbar Zugeständnisse abtrotzen: mehr Lebensmittel, mehr Treibstoff, weniger nervtötende Verhandlungen über das Nuklearprogramm, eine ungestörte Machtübergabe im Kim-Clan." Nordkoreas Aggression diene dem Eigenschutz. "Das Land will nicht erobern, es will seinen Kollaps verhindern."

Die "Leipziger Volkszeitung" sieht in dem Angriff zwei "ebenso simple, wie dramatische Botschaften". Botschaft Nummer eins richte sich an Südkorea und laute: "wir sind gefährlich, also verhandelt gefälligst mit uns!". Botschaft Nummer zwei sei jedoch an die eigene Militär-Elite gerichtet und besage: "Die Macht bleibt in der Kim-Dynastie." Kim sei deshalb nicht der "Irre mit der Bombe", sondern "ein zynischer Despot, dessen Handeln den Machterhalt des Regimes sichern soll."

Für "n-tv.de" ist der jüngste Zwischenfall ein klares Zeichen, dass die dynastische Nachfolge in Nordkorea offenbar nicht so glatt verläuft, wie zunächst angenommen. Insbesondere in der Armee gebe es Generäle, die den militärisch völlig unerfahrenen Kim-Sohn ablehnen. "In diesem Zusammenhang wäre der Überfall auf Yeonpyeong durchaus als Versuch des jüngst zum Vizechef der Militärkommission der herrschenden Partei Berufenen zu bewerten, Führungs'qualitäten' unter Beweis zu stellen."

"Der im Westen oft als bizarr und exzentrisch belächelte Diktator handelt durchaus schlau und rational", urteilen die "Nürnberger Nachrichten". Mit jeder neuen Erpressung schraube Kim den Preis in die Höhe, "den die USA und ihre Verbündeten zahlen müssen, um ihm wenigstens kleine Zugeständnisse abzuhandeln." Die in der Regel dabei herausspringenden Lebensmittel- und Energielieferungen "helfen Kim, sein unruhig werdendes Volk wieder für ein paar Monate zu besänftigen."

Auch die "Neue Presse" nimmt Bezug auf die immer wieder ausgehandelten Hilfslieferungen. Mit seinen Provokationen haben die Stalinisten in Pjöngjang immer wieder erreicht, dass " ihrem hochgerüsteten, aber total heruntergewirtschafteten Land geholfen wurde." Der jetzige Beschuss habe allerdings eine neue Dimension, urteilt das Blatt aus Hannover. Solange jedoch China nicht mitspiele, seien alle Versuche, das Land zur Räson zu bringen, zum Scheitern verurteilt. "Der Schlüssel liegt in Peking."

Die besondere Rolle Chinas betont auch der "Münchner Merkur". Es sei zweitrangig, ob Kim Jong Il mit seinen wahnwitzigen Aktionen "vom katastrophalen Versagen seines Regimes und den furchtbaren wirtschaftlichen sowie humanitären Zuständen in seinem ausgebluteten Land ablenken oder nur seinen Größenwahn befriedigen will". Die besondere Brisanz des Konfliktes liege im Aufeinanderprallen von Weltmächten und Ideologien. "Kim Jong Il und sein Regime wären schon lange Geschichte und die Menschen seines Landes freie Menschen, würde der Tropf Pekings nicht auch diese Diktatur am Leben erhalten."

"Zwar ist Nordkorea mit seiner ineffizienten Kommandowirtschaft ein Anachronismus", konstatiert die "Märkische Oderzeitung". Doch dieser scheine Peking immer noch lieber zu sein, "als dessen Überwindung in einem vereinigten Staat, der das Gesellschaftsmodell des hoch entwickelten Südens übernehmen würde. Das hätte nämlich zur Folge, dass die USA ihren Einfluss ausbauen könnten", urteilt die Frankfurt/Oder erscheinende Zeitung.

Den Kollaps des Systems in Nordkorea wolle niemand, gibt die "Berliner Zeitung" zu bedenken und führt dafür einige geopolitische Überlegungen an. "Die Südkoreaner fürchten sich vor einer teuren Wiedervereinigung, die Chinesen wollen Nordkorea als exklusive wirtschaftliche Einflusszone behalten und sowohl die USA, China als auch Russland sehen das Land als willkommenen Pufferstaat zwischen ihren Einflusszonen."

Was in Kim Jong Ils Kopf vorgeht, dürften nicht einmal die Chinesen wissen, vermuten die "Badischen Neuesten Nachrichten". Doch nun müsse China eingreifen, "Nordkorea zügeln und den Machthabern endlich die Daumenschrauben anlegen. Es ist der einzige Ausweg aus einem Konflikt, dessen Eskalation kaum absehbare Folgen hätte."

Quelle: zusammengestellt von Solveig Bach