Politik

US-Waffen für die Ukraine?: "Der Krieg würde in Europa ausgetragen"

Es ist eine Nachricht, die die deutsche Presse aufschreckt: Die USA erwägen nach einem Bericht der "New York Times" nun doch, Waffen an die Ukraine zu liefern. Sie sollen Kiew bei ihrem Kampf gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes unterstützen. Die Rebellen stellen sich indes auf schwere Kämpfe ein und kündigen eine Massen-Mobilmachung an. Sie setzen dabei weiter auf die Rückendeckung Moskaus. Steht Europa damit vor einem großen Krieg?

Eine junge Frau steht in Donezk in ihrem zerstörten Haus.
Eine junge Frau steht in Donezk in ihrem zerstörten Haus.(Foto: REUTERS)

Die Landeszeitung aus Lüneburg malt ein düsteres Szenario: "Waffenlieferungen an Kiew würden die großrussischen Ambitionen des Kremls nicht einhegen. Aber die Gefahr eines Krieges zwischen der Nato und Russland wüchse. Eines Krieges, den der Westen nicht gewinnen könnte. Denn was immer Washington den ukrainischen Streitkräften mühselig auf dem Luftweg liefern würde, Moskau könnte es mühelos über die kürzeren Versorgungslinien über Land übertrumpfen. So moralisch fragwürdig es ist, Kiew die Waffenbrüderschaft zu verweigern, so weise ist es doch. Zu intensiv hat Putin in den vergangenen Monaten die nationalistischen Leidenschaften seiner Landsleute angeheizt, als dass er es sich leisten könnte, zurückzuzucken, weil der Westen seine militärischen Muskeln spielen lässt".

Von einer Kriegsgefahr für ganz Europa warnen die Nürnberger Nachrichten: "Niemand wird glauben, dass US-Waffenlieferungen von Moskau unbeantwortet blieben. Die Separatisten haben schon angekündigt, 100.000 neue Kämpfer zu bewaffnen. Und dann? Der Krieg würde in Europa ausgetragen. Die EU-Staaten müssen Tacheles reden und auch Washington stoppen."

Alarmiert ist auch die Märkische Allgemeine aus Potsdam: "Bisher spielte die Bundesregierung eine führende Rolle in den Vermittlungsgesprächen zwischen Kiew, Moskau und den Separatisten. Sollten aber erste Waffen aus US-Beständen ukrainischen Boden erreichen, wäre dieses Verhandlungsmandat verspielt. Schlimmer noch: Wladimir Putin dürfte sich bestätigt fühlen. Sein Traum, wieder auf Augenhöhe mit Amerika zu verhandeln, ginge in Erfüllung. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die Eskalation des Konfliktes auszumalen. Stünden sich russische und amerikanische Hochtechnologiewaffen gegenüber, wird es düster".

"Waffenlieferungen sind in keinem Konflikt die beste Lösung", schreibt der Tagesspiegel. Doch solche Hilfe für die Ukraine kategorisch auszuschließen, ist nach Ansicht der in Berlin herausgegebenen Zeitung "derzeit das falsche Signal Richtung Moskau. Denn dann könnte dieser Krieg so lange weitergehen, bis aus russischer Sicht dessen Ziel erreicht wurde. Welches das ist - der Landweg zur Krim oder ein Korridor bis nach Transnistrien -, weiß im Westen niemand. Erst wenn für Russland der Preis dieses Krieges höher ist als sein Nutzen, könnte Moskau einlenken".

Der Mannheimer Morgen konstatiert: "Mit der Lieferung von Defensivwaffen und Ausrüstungsgegenständen würden die Amerikaner den Separatisten das Leben deutlich erschweren. Den Diplomaten aber auch. Deren ohnehin kleine Spielräume würden weiter eingeschränkt. Aber auch wenn Angela Merkel deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine weiter ausschließt: Das Credo der Bundeskanzlerin, wonach der Konflikt nur mit diplomatischen Mitteln gelöst werden kann, beginnt zu bröckeln".

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

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Quelle: n-tv.de

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