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CDU plant Schule neu"Ein mutiger und notwendiger Schritt"

27.06.2011, 20:43 Uhr

Die CDU-Spitze setzt sich für ein zweigliedriges Schulsystem ohne Hauptschule ein. Die deutschen Tageszeitungen fragen nach den Werten der Partei – begrüßen aber grundsätzlich die Pläne.

Die Süddeutsche Zeitung meint: "Konservative Anhänger der CDU sehen ihre Partei nach der Energiewende jetzt auch in der Schulpolitik auf linken Pfaden wandeln. Langfristig ist die Hauptschule aber schon aus demographischen Gründen nicht zu retten. Der Rückgang der Schülerzahlen zwingt zu pragmatischen Modellen. Nur so wird man in ländlichen Regionen wohnortnahe Schulen erhalten können."

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Westfälische Anzeiger sieht die Partei in einen Kampf um Werte verstrickt, wenn sie schreibt: "Wehrpflicht, Atomenergie, und jetzt die Hauptschule: Alte CDU-Bastionen fallen reihenweise. In allen drei Fällen hatte die Kanzlerin aus eigener Sicht gute Gründe, die Nase in den Wind zu halten und nach Witterung zu handeln, mal inhaltlich, mal taktisch geleitet. Das Risiko lauert dahinter. Es liegt in der noch hinter vorgehaltener Hand gestellten Frage, was unter dieser Vorsitzenden in dieser Partei Bestand hat oder Bestand bekommt, was taugen könnte zum Markenzeichen. Das wäre ein Gegenpol zur unbegrenzten Wandlungsfähigkeit. Und so ein Gegenpol könnte helfen, die CDU vor dem zu bewahren, was ein Teil ihrer Basis schon heute fürchtet: Beliebigkeit."

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Leipziger Volkszeitung: "Wieder eine Revolution oder doch nur ein Revolutiönchen? Erst die Wehrpflicht, dann die Atomkraft und nun schleift die CDU die nächste Säule ihres Wertegerüsts. Noch ist es nur ein Konzept, das auf dem Leipziger Parteitag im November als Leitantrag angenommen werden soll. Wird es umgesetzt, dann wäre es auch ein später Triumph für die Schulpolitik in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Belächelt und unter ideologischen Generalverdacht als postsozialistisches Margot-Honecker-Vermächtnis gestellt: Trotz dieser Widerstände haben die mitteldeutschen Länder auf die Zweigliedrigkeit im Schulsystem gesetzt - und sind jetzt die Gewinner. Vom Osten lernen, heißt in dem Fall siegen lernen. So weit ist es in der CDU schon gekommen."

Die Nürnberger Zeitung befasst sich kritisch mit den Inhalten des CDU-Plans: "Was der CDU-Vorstand als tiefgreifende Schulreform ausgibt, läuft auf Augenwischerei hinaus. Keine Rede von besseren Lehrplänen, von stärkerer Förderung schwacher Schüler, von intensiverer Lehrerausbildung. Die Reform erschöpft sich darin, dass Haupt- und Realschule in einen Topf geworfen werden und auf diesen Topf das großsprecherische Etikett Oberschule gepappt wird. Fertig. Aber es gibt sie nun mal, die Schüler mit notorischen Rechen- und Leseproblemen, wie immer ihre Leistungsschwächen auch zu erklären sind. Sie werden um keinen Deut besser, wenn sie nun auf einmal Oberschüler heißen."

Ein Konflikt mit der Schwesterpartei CSU zieht aus Sicht der Nürnberger Nachrichten auf: "Auch wenn die CDU ihren Reformplan nicht mit der überfälligen Abkehr vom Gesellschaftsideal des 19. Jahrhunderts begründet, sondern pragmatisch auf die demografische Entwicklung reagiert, verabschiedet sie sich doch von einer der größten Irrlehren ihrer eigenen Bildungspolitik. In ganz kühnen Momenten behaupteten Konservative nämlich gern, die schulische Dreigliedrigkeit bediene exakt die Begabungstypen junger Menschen. So viel vorkopernikanischen Dogmatismus wird es künftig nur noch in der CSU geben."

Teilweises Lob gibt es vom Handelsblatt: Die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen ist absolut sinnvoll. Das gilt vor allem, wenn unter dem Dach der Oberschulen individuell gefördert wird und die Besten dort auch Abitur machen können. Schwerer tut sich die CDU mit der Antwort auf die Frage, warum man zwar diese zwei Schularten zusammenlegen kann, das Gymnasium aber unangetastet lässt. Andere Länder zeigen, dass man ohne Gymnasium Spitzenergebnisse erreichen kann und zugleich viel mehr Kinder bildungsferner Eltern zu höheren Abschlüssen bringen kann als Deutschland."

Klare Worte findet die Fuldaer Zeitung: "Ein mutiger und notwendiger Schritt. Das dreigliedrige Schulsystem gehört zwar zum politischen Grundprofil der Christdemokraten, ist aber überholt. Nicht nur zwingt die demografische Entwicklung vor allem in ländlichen Gebieten zur Zusammenlegung von Schulen. Die Hauptschule hat als Volksschule ausgedient. Das Gymnasium ist die neue Volksschule, die Hauptschule hingegen verkommt vielerorts zur Restschule. Eine Oberschule, die Haupt- und Realschule zusammenfasst, befreit die schwachen Schüler von einem Stigma und schafft mehr Durchlässigkeit."

Quelle: Zusammengestellt von Thomas Schmitt