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Phantomtor bleibt gültig"Kein Tor darf nicht zum Tor werden"

28.10.2013, 20:22 Uhr

Seit zehn Tagen debattieren Fußballspieler und ihre Fans über das Phantomtor von Stefan Kießling. Nun hat das DFB-Sportgericht eine Entscheidung gefällt: Bayer Leverkusen schlägt TSG Hoffenheim offiziell 2:1. Die Presse debattiert über das Urteil und seine möglichen Konsequenzen für die Bundesliga.

Seit zehn Tagen debattieren Fußballspieler und ihre Fans über das Phantomtor von Stefan Kießling. Nun hat das DFB-Sportgericht eine Entscheidung gefällt: Bayer Leverkusen schlägt TSG Hoffenheim offiziell 2:1. Die Presse debattiert über das Urteil und seine möglichen Konsequenzen für die Bundesliga.

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Der Ball ging von außen durch ein Loch im Netz ins Tor. Der Schiedsrichter ließ den Schuss gelten. (Foto: imago sportfotodienst)

Der Schwarzwälder Bote meint: "Richter Hans E. Lorenz tat, was er tun musste: Er neigte demütig sein Haupt vor der in Stein gemeißelten Tatsachenentscheidung, die unumstößlich ist, sei sie auch noch so falsch." Der Umstand, dass bereits wenige Minuten nach der Beweisaufnahme das Urteil erging, sei der Beweis dafür, dass nicht ansatzweise an eine Wiederholung der Partie gedacht wurde, so das Blatt weiter. "Ganz im Einklang mit dem ebenfalls verkrusteten Weltverband hat der DFB eine Steinzeitregel umgesetzt, deren Modifizierung angesichts moderner technischer Hilfsmittel längst überfällig ist."

"Das Urteil ist gesprochen, das Fußballspiel zwischen der TSG Hoffenheim und Bayer 04 Leverkusen wird nicht wiederholt.", stellt die Eisenacher Presse aus Weimar fest. "Wahrscheinlich ist, dass dieser 'Netzeinlocher' der Torlinientechnologie einen kräftigen Schub verleihen wird." Das sei in der heutigen Zeit mit ihren technischen Möglichkeiten eine logische Schlussfolgerung, schreibt die Zeitung. "Auch wenn jetzt die Fußball-Traditionalisten auf die Barrikaden gehen."

Die Welt hat entschieden: "Die Entscheidung des Sportgerichts ist richtig." Stefan Kießlings 0:2 in Hoffenheim war zweifellos kein Tor, der Ball ging von außen durchs Netz. Aber es gelte die Entscheidung des Schiedsrichters, schreibt das Blatt. "Streng betrachtet werden Tore nicht zu Toren, indem sie geschossen werden, sondern indem Schiedsrichter auf den Anstoßpunkt zeigen. Dabei gehören Fehler zum System; dies ist nicht von den unmittelbaren Akteuren außer Kraft zu setzen." Der Welt zufolge spricht wenig gegen Torkameras oder Ballchips, die beim Übertreten der Torlinie fröhlich "Drin!" senden. Videobeweise führen allerdings vom Platz und vom Menschen weg. "Der Spaß am Fußball liegt aber eben in seiner Begrenzung und Unmittelbarkeit. Mit herzzerreißender Ungerechtigkeit leben sowieso alle: Spieler, Schiedsrichter, Fans. Und sie leben gut damit."

"So einfach ist Fußball nun wirklich nicht", schreiben die Westfälische Nachrichten aus Münster. "Jurist Lorenz, der den Job beim DFB ehrenamtlich bekleidet, wird sich ob seiner Urteilsfindung selbst geschämt haben. Der 62-Jährige konnte die heilige Kuh namens Tatsachenentscheidung allein nicht schlachten." Die Fifa gebe laut dem Blatt den Rahmen vor, in dem sich auch der DFB bewegen muss. Andererseits bewegt sich die Fifa nicht. "Und das ist der eigentliche Skandal. Die Bewahrerin der Fußball-Weisheit hält an der Tatsachenentscheidung fest, sei sie auch noch so unsinnig." "Kein Tor" darf nicht zum "Tor" werden, weil das die Statuten so wollen.

Im Rahmen der Fußballgesetze war kein anderes Urteil möglich, so die Heilbronner Stimme. Schön und gut. Verstehen und nachvollziehen werden das nur die wenigsten Fußballinteressierten, schreibt die Zeitung weiter. "Hier liegt der Fehler im System: Die Glaubwürdigkeit der Glitzerwelt Bundesliga geht verloren." Wie soll man als Jugendtrainer Fairplay einfordern, wenn es die Profis nicht vorleben? Das Urteil habe zudem eine Langzeitwirkung bis zum Saisonende. "Die tabellarischen und somit auch finanziellen Folgen des Phantomtors im Schlussklassement der Bundesliga sind noch gar nicht absehbar."

Zusammengestellt von Lisa Schwesig

Quelle: ntv.de