Politik

US-Diplomatin und "Fuck the EU": "Nuland ist ein Problem für ihr Land"

Um die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der EU ist es dank NSA-Abhörskandal ohnehin nicht gut bestellt, da erschüttert Victoria Nulands "Fuck the EU" das transatlantische Verhältnis zusätzlich. Doch die Meinungen in der deutschen Presse sind zwiespältig.

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Die Schwäbische Zeitung fordert mehr Mäßigung in der hitzigen Diskussion um den diplomatischen Fauxpas: "In der Debatte um diese plumpe Aussage hilft vor allem Gelassenheit. Aus dem Gesprächsmitschnitt geht klar hervor, dass die Bemerkung nicht im offiziellen Rahmen stattfand (...)" Gleichzeitig hinterfragt das Ravensburger Blatt, ob die vermeintliche Entgleisung der US-amerikanischen Dilpomatin nicht doch ein wenig Berechtigung hatte: "Zum Fluchen über die EU haben die USA in Sachen Ukraine übrigens durchaus Grund: Die EU lässt sich auf ein unwürdiges Wer-bietet-mehr-Rennen mit Putin ein, anstatt klar mit Sanktionen für die ukrainische Führung zu drohen und die Vorzüge europäischer Rechtsstaatlichkeit zu betonen."

Auch die Leipziger Volkszeitung beschäftigt sich mit der Frage, ob Europa der Aussage Nulands nicht insgeheim auch Verständnis entgegenbringen müsste: "'Fuck the EU!' Das klingt nicht schön, ist aber für US-Politiker eine Standardformulierung, für die Kanzlerin dagegen eine Beleidigung. Warum eigentlich? Mit dem Satz 'Fuck the EU' kann man europaweit ein anerkennendes Grinsen ernten. Nicht zuletzt, weil sich Brüssel in der NSA-Affäre immer noch am Nasenring vorführen lässt. Hat die EU also wirklich mehr Respekt verdient?" Kritik an den USA äußert das sächsische Blatt aber in anderer Hinsicht. Es schreibt: "(...) das State Department hat den wahren Schuldigen an der transatlantischen Verstimmung ausgemacht: 'Dies ist ein neuer Tiefstand der russischen Spionagetaktik', heißt es dort. Jawoll, die Russen haben es mit ihrer Abhöraktion wieder mal versaut. Darauf können sich Brüssel und Washington bestimmt einigen, und die Welt ist wieder in Ordnung."

Die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung wendet ihren Blick gen Osten und eruiert die Vorteile, die Russland aus der  diplomatischen Verstimmung zwischen den USA und der EU ziehen kann: "Aus dieser Uneinigkeit erwächst Spielraum. Für Moskau. Und dessen Satelliten Janukowitsch. Washington mag es nicht, wenn Putin Spielraum hat. Nulands Klartext, von russischer Seite mit bemerkenswerter Chuzpe öffentlich gemacht (NSA - habt ihr die Abhörer nicht abgehört?), ist für den russischen Präsident vorübergehend fast so viel Wert wie eine russische Goldmedaille in Sotschi."

In eine andere Richtung denkt die Süddeutsche Zeitung. Sie sieht die Äußerung Victoria Nulands als Beweis dafür an, dass sich die USA unter Barack Obama immer mehr von der EU abwenden: "Nuland ist weniger ein Problem für Europa als vielmehr für ihr Land. Zum einen bestätigt ihr Ton Vorurteile darüber, dass sich Barack Obamas Amerika nicht nur stärker von Europa abwendet, sondern damit auch an die Politik von Obamas Vorgänger Bush anknüpft. Bushs Leute, etwa Vizepräsident Cheney oder der Wutbürger Rumsfeld, waren outspoken. Moskaus oder Kiews Spione zeigen nun, dass Obamas Leute eine ähnliche Sprache führen."

Zusammengestellt von Anika Friese

Quelle: n-tv.de

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