Politik

Facebook übernimmt WhatsApp: "Wer sich informiert, kann sich schützen"

Für umgerechnet 14 Milliarden Euro kauft Facebook den Messenger-Dienst Whatsapp. Und damit auch die Daten von fast 450 Millionen Whatsapp-Nutzern. Datenschützer schlagen Alarm und auch die deutsche Presse steht dem Deal skeptisch gegenüber. Allerdings ist man sich auch einig, dass vor allem die Nutzer selbst dafür verantwortlich sind, wie viel sie preisgeben wollen.

"14 Milliarden Euro für eine Firma mit 55 Mitarbeitern? Dieser Wahnsinn hat Methode.", meinen die Nürnberger Nachrichten: "Facebook-Chef Mark Zuckerberg kauft sich mit dem boomenden Kurzmitteilungsdienst nicht bloß jüngere Kunden, sondern vor allem massenweise Daten. Nun bündelt Facebook die Informationen über 1,2 Milliarden eigene und fast 500 Millionen WhatsApp-Nutzer: eine geballte ökonomische und auch politische Macht. Netz-Experte Jaron Lanier beschreibt das Geschäftsmodell der Datenkraken so: 'Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt.' Das sollte wissen, wer sich dennoch auf sie einlässt."

Auch die Eisenacher Zeitung ist der Meinung: "Auf der Hut sein müssten Nutzer eigentlich bei beiden Anbietern. Sie bieten bequeme Dienstleistungen, die scheinbar keine Gegenleistung erfordern. Doch natürlich gibt man eine Menge von sich preis. Facebook sammelt die Daten eifrig, um personalisierte Werbung schalten zu können. Das muss man weder verachten noch gut finden - aber man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man den Dienst nutzt."

Video

"Umgerechnet 14 Milliarden Euro für eine - nach Expertenmeinung - ziemlich schlampig programmierte Netzwerk-App! Das ist der Preis, den Facebook für den fehlenden Erfolg seines eigenen mobilen Messengers zu zahlen bereit ist.", stellt die Magdeburger Volksstimme fest: "450 Millionen WhatsApp-Kunden scheinen Facebook Recht zu geben. Eine Sicherheit sind sie nicht, wie das nachlassende Interesse der jüngeren Generation an Facebook eindrucksvoll zeigt. Der Wind dreht sich schnell im mobilen Internet. WhatsApp - eine schlanke Netzwerk-App, die alles andere als datensicher sein soll. Dafür ist sie schnell und kontaktfreudig, weil ihr die meisten Nutzer den vollen Zugriff auf alle Kontaktdaten erlauben. Die Vorstellung, dass nun bald Mark Zuckerberg diese Telefonnummernlisten 'durchblättern' darf, kann schon Angst machen. Auf der anderen Seite: Hat er die nicht schon längst?"

Das Delmenhorster Kreisblatt ist der Ansicht: "Brisant wird die Sache vor allem dadurch, dass Facebook nun in den Besitz all jener Gespräche kommt, die die Nutzer aufgrund ihres intimen Inhalts ganz bewusst nicht über Facebook geführt haben. Konversationen, die nicht für öffentliche Pinnwände bestimmt sind. Für Nutzer soll sich nichts ändern. Außer das mulmige Gefühl, dass Zuckerberg jetzt auch hier mitliest."

Für die Schwäbische Zeitung aus Ravensburg "geht der Aufschrei von Datenschützern am Thema vorbei". Das Blatt meint: "Natürlich schluckt hier eine Datenkrake die andere. Und natürlich ist es Zuckerbergs Intention, Profit zu machen. Das ist ihm aber nun wirklich nicht vorzuwerfen. Facebook ist mit oder ohne WhatsApp nur so gut oder schlecht, wie es die Menschen nutzen: Wer sich informiert, kann seine Daten schützen. Der WhatsApp-Deal sollte Anlass dazu sein, konsequent über Medienerziehung zu diskutieren. Wie können wir den richtigen Umgang mit diesen Plattformen lernen? Bildungspolitiker sind hier in der Pflicht. Und auch Eltern sollten sich interessieren und sich mit den Möglichkeiten der Kommunikation beschäftigen."

Zusammengestellt von Laura Kleiner

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen