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"Ratgeber Hightech" vom 19.01.2013 (Wdh. 21.01.): Faszination "3D Druck"

Flugzeug-Modelle, Ersatzteile oder ganze Büsten: aus dem Drucker kommen heutzutage nicht mehr nur Blätter, sondern ganze Modelle: Das 3D-Drucken ist auf dem Weg zum Massenphänomen.

Das hatte die Medizin-Welt bislang noch nicht gesehen: die exakte Kopie des Unterkiefers einer 83-Jährigen Belgierin, produziert in einem 3D-Drucker. Wenig später gelingt es den belgischen Ärzten, diese Titankonstruktion erstmals weltweit erfolgreich einzupflanzen. Das belgische Fernsehen berichtete exklusiv über die erfolgreiche Zusammenarbeit von Ärzten und den 3D-Drucker-Spezialisten von LayerWise.

3D Drucker auch für Heimgebrauch

Ein weiterer Meilenstein beim Vormarsch der 3D-Drucker, die scheinbar beliebig Computervorlagen in konkrete Objekte aus Kunststoff, Gips oder Metall verwandeln, ganz egal, wie komplex sie sind. Das erstaunte auch das Messepublikum bei der jüngsten Elektronikmesse CES in Las Vegas.

Hier präsentierte auch der amerikanische Hersteller MakerBot seine neue 3D-Minifabrik, die sogar Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen verwenden kann und vorrangig auf den Heimgebrauch setzt. Kostenpunkt: rund 2.800 Dollar.

Annelise Jeske, MakerBot Industries: "Sie können es definitiv zu Hause nutzen, es ist wie eine Mini-Fabrik. Ich kenne Produktentwickler, die daheim Produkte mit dem MakerBot entwickeln und sie dann ganz normal verkaufen."

Das begeistert hierzulande auch Robert Fischer aus Mülheim an der Ruhr, der mit dem 3D-Drucker originalgetreue Büsten erstellt.

Robert Fischer, Geschäftsführer EGO 3D Mülheim/Ruhr: "Wir nutzen die Technik, die jetzt im Kommen ist, das 3D-Druckverfahren, aber auch 3D-Modelling, d.h. digitale Fotos werden digital modelliert und dann mit dem 3D-Druckverfahren ausgegeben. Während man früher für eine Büste bei einem Bildhauer mehrere Monate warten musste, geht das bei uns jetzt in wenigen Stunden."

Die Arbeit des 3D-Druckers erscheint spektakulär: In über 1000 Lagen von weniger als einem Millimeter wird die Büste schichtweise aus dem speziellen Mamorgemisch aufgebaut. Hart werden die entsprechenden Stellen durch einen Binder, der millimetergenau aufgespritzt wird. Am Ende wird die Büste gereinigt und für das abschließende Aushärten vorbereitet. Wenn das die alten Bildhauer wüssten…

3D Drucker selbst gebaut

An der RWTH Aachen hat der dreitägige Workshop "Ich baue mir meinen eigenen 3D-Drucker" Teilnehmer aus ganz Deutschland angelockt. Auch hier wird schnell deutlich, dass der 3D-Drucker auf seinem Vormarsch längst auch die Privatanwender begeistert.

Rudolf H. Dittel/Selbstständiger Berater und Workshop-Teilnehmer: "Was hier so wie Spielerei aussieht, ist eigentlich die Einleitung eines neuen Verfahrens, und da muss man mehr Bescheid wissen, wenn man da mitspielen will."

Während 3D-Drucker aus der Industrie meist jenseits der 100.000 Euro-Grenze angesiedelt sind, liefern Selbstbausätze den Heimanwendern plötzlich bislang ungeahnte und bezahlbare Möglichkeiten.

René Bohne, Mitarbeiter Media Computing Group RWTH Aachen: "Es gibt aber auch im Internet fertige Bausätze für 1000 bis 1500 Euro, wo schon alles fertig ist und man nur noch ein Wochenende braucht, um alles aufzubauen."

Ein Rad greift ins andere und führt dazu, dass der fertige 3D-Drucker Schicht für Schicht die gewünschten Bauteile produziert, und zwar ganz nach den Wünschen seiner Nutzer.

Copy-Shop für 3D-Drucker

Doch nicht nur die Heimanwendung gilt als nahende Kopier-Realität: Eine Art Copy-Shop für 3D-Drucker kann man heute schon im FabLab der Aachener Uni bestaunen. Hier treffen sich Bastler, die sich Hilfe für ihre ehrgeizigen Entwicklungen erhoffen.

Prof. Dr Jan Borchers, Leiter Media Computing Group an der RWTH Aachen: "Wir hatten hier schon alles Mögliche, vom Hobbybastler, die sich Teile für ihre Modellfahrzeuge ausdrucken bis hin zu einem Kleid, das hier im FabLab digital produziert wurde und inzwischen in Cannes über den roten Teppich gelaufen ist."

Bei den immer neuen Einsatzgebieten der 3D-Drucker kann es kaum verwundern, dass Experten hier einen der Megatrends erwarten. So könnte aus dieser Branche auch der kommende Börsenliebling à la Facebook oder Apple kommen.

Prof. Dr Jan Borchers, Leiter Media Computing Group an der RWTH Aachen: "Es endet ja nicht dabei, dass wir hier heute Plastikobjekte drucken. In wenigen Jahren wird man auch leitende Materialien drucken können, vielleicht auch in elektronischen Bauteilen. Und meine persönliche Zukuftsvision ist, dass ich mir vielleicht die überübernächste Generation des iphone aus dem Drucker lassen kann."

Einsatz in der Medizin

Bereits kaum zu glaubende Gegenwart sind die Einsatzmöglichkeiten in der Medizin. So stellte das Wake Forrest Institute aus dem amerikanischen North Carolina unlängst einen Nieren-Prototypen aus Stammzellen vor, der ebenfalls im 3D-Drucker entstanden ist.

Unterdessen forscht man am Stuttgarter Fraunhofer-Institut derzeit an künstlichen Blutadern, auch sie hergestellt im 3D-Drucker. Diese künstlichen Gefäße sollen dann mit künstlicher Haut verbunden werden, damit so endlich auch größere künstliche Gewebeteile für die betroffenen Patienten zur Verfügung stehen.

Prof. Dr Jan Borchers/Leiter Media Computing Group an der RWTH Aachen: "Die Materialen, mit denen die digitale Produktion erfolgt, können natürlich auch organischer Natur sein, und die Möglichkeiten dann finden sich schon sehr nah an der Science Fiction."

Ein Blick in die Zukunft ist spannend - und die neuen 3D-Drucker werden mit Sicherheit noch für einige Überraschungen sorgen...

Quelle: n-tv.de