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Neue Flugobjekte: Was dürfen private Drohnen?

Kleine unbemannte Flugroboter sind inzwischen in vielen militärischen Einsätzen an der Tagesordnung. Doch mehr und mehr rücken sie auch ins Interesse der Privatnutzer. Zusammen mit den Drohnen lassen sich Mini-Kameras in den Himmel schicken und gestochen scharfe Bilder schießen. Die neuen Flugobjekte können technisch also bereits sehr viel, aber dürfen sie das rechtlich auch?

Das ist die Angst der Drohnen-Gegner: kleine ferngesteuerte Flugobjekte, die mit Kameras ausgestattet in die Privatsphäre der Nachbarn eindringen. Unbemerkt und ohne Zustimmung ermöglichen diese nur wenige 100 Euro teuren Drohnen Einblicke über den Gartenzaun hinweg, wenn es der Nutzer darauf anlegt…

Dennis Tölle/Rechtsexperte: "Im Bereich von Feuerwehreinsätzen oder bei der Kontrolle von Windkraftanlagen macht das Sinn und das verletze ich keine Rechte. Sobald ich das beim Nachbarn machen, der das eben nicht möchte, habe ich ein Problem."

Aber nur, wenn Drohnen-Spielzeug missbräuchlich verwendet wird. Die technischen Möglichkeiten begeistern jedenfalls immer mehr Fans, die Steuerung über Videobrille, Tablet oder i-Phone ist längst Standard.

Der Zusammenbau und die Bedienung sind denkbar einfach. Und neben den Kameras liefern einige Hersteller die nötige Software gleich mit, um die Videos umgehend im Internet hochzuladen. Was jedoch teuer werden kann, wenn hier Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

Persönlichkeitsrechte beachten

Dennis Tölle, recht-am-bild.de: "Ich muss damit rechnen, dass ich abgemahnt werde und dass mir Kosten entstehen und ich u.U. auch dazu verurteilt werden, Schmerzensgeld an den Nachbarn zu zahlen, wenn ich ihn dabei aufnehme."

Wer sich ein Bild über die enormen Fortschritte der Drohnentechnologie machen will, muss die Firma Microdrones im beschaulichen Siegen unweit von Köln besuchen: der nach eigenen Angaben "Weltmarktführer" bei den "Drohnen bis 5 kg" hat dort seinen Firmensitz bezogen und baut in Eigenregie wahre High-End-Drohnen, die aber einfach zu beherrschen sind.

Daniel Knoche/Sales Manager microdrones GmbH, Siegen: "Ich habe jetzt die Knüppel losgelassen, sie ist im sog. Position hold und bleibt jetzt genau an der Position."

Zu den Kunden von Microdrones zählen ausschließlich gewerbliche Nutzer wie Polizei und Feuerwehren, deren Arbeit durch die neue Technik wesentlich erleichtert wird. Selbst für die professionelle Drohnennutzung sind die Genehmigungsauflagen in Deutschland überraschend übersichtlich.

Daniel Knoche/Sales Manager microdrones GmbH, Siegen: "Sie dürfen in Deutschland in allen Bundesländern grundsätzlich auch gewerblich ein solches Produkt einsetzen. Sie müssen sich für das jeweilige Bundesland eine Aufstiegsgenehmigung beschaffen, die Sie – sinnvollerweise – bei Höhe und Entfernung ein wenig einschränkt, aber nicht wirklich beschneidet. D.h., Sie können überall in Deutschland fliegen."

Genehmigung für Drohnennutzung

Das gilt auch für die private Drohnennutzung. Wichtig ist jedoch auch hier, sich über die Notwendigkeit einer "Aufstiegsgenehmigung" zu informieren.

Henrik Gerlach/Rechtsanwalt: "Das Fliegenlassen von Luftfahrzeugen ohne Erlaubnis ist zum einen natürlich bußgeldbewährt, möglicherweise sogar strafbar. Und eventuell kann dann die Versicherung im Schadensfall die Regulierung verweigern."

Auch an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ist man fasziniert von den Drohnen und benutzt sie für die Forschungen zur intelligenten Steuerung.

Wie beeindruckend diese Forschungsergebnisse sind, zeigt die Drohne, die mit einem Badmintonschläger ausgerüstet ist und sich mithilfe modernster Kameratechnik als perfekter Spielpartner entpuppt.

Versuche wie diese lassen erahnen, welche neuen Möglichkeiten auch außerhalb des Labors schon bald Realität werden könnten…

Prof. Raffaello D’Andrea/Professor "Dynamic Systems and Control" am Swiss Federal Institute of Technology, ETH Zürich: "Der Weg vom Labor zu Produktlösungen wird immer kürzer. Auch, weil die Hardware auch für Drohnen immer preiswerter wird. Und dank unserer Software-Fortschritte halte ich es für möglich, dass diese Anwendungen schon in zwei drei Jahren in einem Spielzeugladen zu kaufen sind."

Bis es soweit ist, müssen sich die Drohnenfans mit der aktuellen Technik begnügen und dabei auch für den Fall vorbeugen, dass ihre Flugkünste einmal nicht ausreichen und es zu einem Unfall kommt.

Henrik Gerlach/Rechtsanwalt: "Alle Luftfahrzeuge in Deutschland, die im Luftraum betrieben werden, sind versicherungspflichtig, sie brauchen eine Haftpflichtversicherung. Private Haftpflichtversicherungen decken dieses Risiko meist nicht ab, auch wenn viele Versicherungsbedingungen da etwas missverständlich sind. So dass man sich auch in diesem Punkt vorher absichern sollte, um Schäden, die evt. entstehen, hier abdecken zu können."

Dabei geht die Firma Microdrones heute schon einen Schritt weiter: sie kann ihre Drohnen vollautomatisch fliegen lassen: Die Flugroute ist programmiert und die Drohne fliegt ganz ohne Fernsteuerung eines Piloten am Boden.

Schöne neue Drohnenwelt. Vorausgesetzt, es halten sich auch alle an die Spielregeln…

 

Quelle: n-tv.de