Montag, 30. März 2009
Neue Farbe zum Geburtstag: Eiffelturm wird 120
Das Geburtstagsgeschenk für den Eiffelturm fällt diesmal ganz schön aufwändig aus - das französische Wahrzeichen bekommt 120 Jahre nach Eröffnung ab Dienstag wieder einen neuen Anstrich verpasst. Gut zwei Dutzend Maler werden über ein Jahr lang auf dem 324 Meter hohen Turm beschäftigt sein. Am Ende werden sie unter anderem 60 Tonnen Farbe, 5000 Schleifscheiben und 50 Kilometer Sicherheitsleinen verbraucht haben.
Die mächtige Stahlkonstruktion in Frankreichs Hauptstadt wurde am 31. März 1889 zur Weltausstellung eingeweiht. Seit damals wurde der Turm 17 Mal gestrichen, erst in Rotbraun, dann in Ockergelb, schließlich in dem Bronzeton, in dem er heute zu sehen ist. Nach oben hin tragen die Maler übrigens immer hellere Farbe auf, damit der Turm länger wirkt. Das wird in den ersten Jahren nicht nötig gewesen sein - damals war der Eiffelturm ohnehin das höchste Gebäude der Welt. Vier Jahrzehnte lang hielt er den Rekord, bis das Chrysler Building in New York ihm den Rang ablief.
Turm der Superlative
Für Rekorde ist das französische Wahrzeichen auch heute noch gut. Vergangenes Jahr besuchten über 6,9 Millionen Menschen aus aller Welt den Turm am Marsfeld, so viele wie noch nie. Damit nähert sich die Gesamtzahl der Besucher den 250 Millionen an. Auch sonst ist es ein Turm der Superlative: Zweieinhalb Millionen Nieten und 18.000 Eisenteile wurden seinerzeit verbaut, 1665 Stufen ist der Turm hoch, rund 20.000 Glühbirnen leuchten ihn nachts zur vollen Stunde an und lassen ihn funkeln.
Die Maler Marc Chagall und Robert Delaunay verewigten den spitz zulaufenden Turm auf Gemälden, die Liedermacherin Edith Piaf sang darauf, der Spanier Aito Sarasua Zumeta fuhr 2001 mit dem Mountainbike bis zur zweiten Plattform und brach damit den Weltrekord. Bei der Hundertjahrfeier 1989 balancierte ein Seiltänzer über ein 700 Meter langes Seil, das bis zum gegenüberliegenden Seine-Ufer gespannt war.
Das alles war nicht abzusehen, als Bauarbeiter im Sommer 1887 den Spaten in die Erde rammten und die Pläne von Ingenieur Gustave Eiffel sowie des heute fast vergessenen Schweizers Maurice Koechlin in die Tat umzusetzen begannen. Denn "der 300 Meter hohe Turm", wie das Vorhaben für die Weltausstellung seinerzeit schlicht hieß, war nur als Provisorium geplant. Nach zwanzig Jahren sollte er abgerissen werden.
"Schande von Paris"
Selbst diese kurze Zeit ging vielen namhaften Franzosen aber gegen den Strich: Schriftsteller wie Guy de Maupassant, der Komponist Charles Gounod und der Opernarchitekt Charles Garnier wetterten gegen "den monströsen Turm" und "die Schande von Paris". Eiffel ließ sich davon nicht beeindrucken und lobte die architektonische Leichtigkeit der offenen Stahlkonstruktion. Im Übrigen sei die französische Flagge die einzige weltweit, die in einem dreihundert Meter hohen Schaft stecke, sagte Eiffel, als er die blau-weiß-rote Fahne bei der Eröffnung vor 120 Jahren auf dem Turm hisste.
Die Bevölkerung nahm sein Bauwerk trotz der kritischen Diskussion im Vorfeld sofort an; gleich zu Beginn stiegen fast zwei Millionen Besucher der Weltausstellung auf den Turm. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Eiffelturm längst ein Wahrzeichen über die Landesgrenzen hinaus, von einem Abriss war keine Rede mehr.
Vor einigen Jahren drohte die berühmteste Sehenswürdigkeit des Landes in die Hände eines US-Fonds zu fallen. Die Franzosen liefen Sturm, und der damalige Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn versicherte seinen Landsleuten, dass der Eiffelturm immer französisch bleiben werde.
Kerstin Löffler, AFP
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