Montag, 05. Oktober 2009
Erlebnistour im Alten Land: Fürs Apfeldiplom büffeln
Was ist ein Apfelwickler? Wie zieht man eine Pflückerschürze richtig an? Welche Apfelsorten gibt es im Alten Land? Wer die Antworten auf diese Fragen weiß, hat gute Chancen auf ein Abitur oder sogar Diplom.
Obstbäuerin Ulrike Schuback unterrichtet, führt vor und prüft die Teilnehmer am "Altenländer Apfeldiplom".
Ganz ohne jahrelanges Büffeln in der Schule oder den Besuch von Vorlesungen an der Universität. Gerade einmal zwei unterhaltsame Stunden dauert es, das "Altländer Apfeldiplom" in Jork oder das "Kleine Obsthofabitur" in Hollern zu ergattern. "Ob Betriebsausflüge oder Kegelclubs - das Angebot ist vor allem bei Gruppen sehr beliebt", sagt Birte Bolduan vom Tourismusverband Landkreis Stade/Elbe. Die Besucher kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.
So wie die Mitglieder des Norderstedter Amateur-Theaters aus Schleswig-Holstein. Sie sind angereist, um in einer liebevoll dekorierten früheren Maschinenhalle bei Obstbäuerin Ulrike Schuback das Apfeldiplom zu bestehen. "Wir wollen heute etwas über Äpfel lernen", sagt die Organisatorin des Ausflugs, Marina Mello, während zwei Mitarbeiterinnen des Hofs kleine Obststücke zum Testen verteilen. Was sie nun erfahren, werden die Prüflinge wenig später beim Ausfüllen der Fragebögen brauchen. "Wer nachher zu wenige Punkte hat, den werde ich bei der nächsten Apfelernte zur Nachschulung wiedersehen", sagt Schuback scherzend.
Zucker bitte!
Mitglieder des Norderstedter Amateur-Theaters aus Schleswig-Holstein ...
(Foto: dpa)
Die 45 Amateur-Schauspieler kosten nun gemeinsam die erste Apfelsorte. Rolf Gravemeyer verzieht das Gesicht, springt spontan auf. "Kann ich ein bisschen Zucker bekommen?", ruft der 73-Jährige. Das Gelächter ist groß, die Stimmung steigt. Erst jetzt verrät Schuback den Namen der Apfelsorte: Elstar. Danach kommen noch die Sorten Delbar Estivale und Gala auf den Teller.
Währenddessen erzählt Schuback viel über den Obstbau im Alten Land, beantwortet geduldig zahlreiche Fragen. Dabei geht sie auch auf die Probleme im größten geschlossenen Obstanbaugebiet Nordeuropas ein, erzählt vom Kampf der Obstbauern gegen die Elbvertiefung oder vom harten Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Schuback will mit zahlreichen Tipps zudem erreichen, dass ihre Gäste sich bewusster ernähren und auf die Herkunft der Produkte achten. "Ich werde Äpfel jetzt mit einem ganz anderen Genuss essen", ist sich Prüfling Mello sicher.
... In typischen Pflückerschürzen.
(Foto: dpa)
Kraft brauchen die Schleswig-Holsteiner bei der nächsten Aufgabe: Sie sollen einen großen Obstkorb hochheben und schätzen, wie viele Äpfel darin liegen. 117: Mit diesem Ergebnis liegt die 18-jährige Ann-Kathrin Düßler goldrichtig und wird von ihren Mitstreitern mit großem Jubel bedacht. Gar nicht so einfach ist es danach für vier Freiwillige, eine speziell für das Pflücken von Äpfeln gefertigte Schürze richtig umzubinden, weil sie mehrere Träger hat. Die nicht immer geschickten Versuche sorgen für Heiterkeit, Schuback muss mehrmals helfen.
Wie in der Schule
Dann wird es Ernst, die Prüfungsbögen werden verteilt. "Ich komme mir vor wie in der Schule", sagt die Vorsitzende der Amateur-Theatergruppe, Angy Wermke, lachend. Meist findet sie zwischen den jeweils drei Antwortmöglichkeiten pro Frage schnell die richtige Lösung. Die Bestandteile des Apfels aufzuzählen - das bringt jedoch nicht nur sie ins Grübeln.
Am Ende aber haben es alle geschafft und halten stolz die Urkunde über ihr "Altländer Apfeldiplom" in den Händen. Mit einem Augenzwinkern berechtigt es "zum jederzeitigen Essen von Äpfeln und Trinken von Apfelsaft" sowie zum "Eintritt in das Paradies". Wer besonders gut abgeschnitten hat, bekommt zudem einen Korb voller Äpfel. So auch Gravemeyer. "Ich habe eben gut aufgepasst", sagt er grinsend, nimmt seinen Korb und macht sich auf den Weg zurück zum Reisebus.
dpa
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