Panorama

"Enttäuschend und alarmierend"Griechische Fähren oft unsicher

30.07.2009, 09:52 Uhr

Die Liste der Mängel ist lang: Mal fehlten sogar die vorgeschriebenen Querschotten im Autodeck, mal war ein Rettungsboot nicht einsatzbereit.

Ein defektes Rettungsboot, fehlende Querschotten im Autodeck und unzureichendes Notfall-Training der Besatzung - die Autofähren in Griechenland weisen zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel auf. Beim ADAC-Fährentest 2009 fielen deshalb von den 14 überprüften griechischen Schiffen vier wegen gravierender Mängel glatt durch, wie der Autoclub in München mitteilte.

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Fähre von Korfu nach Igoumenitsa. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Testleiterin Sabine Zuschrott nannte das Ergebnis der ADAC- Stichprobe "enttäuschend und alarmierend". Sie appellierte an die Reeder, mehr Geld für die Sicherheit ihrer Schiffe auszugeben. Nach früheren Auffälligkeiten hatte der Autoclub den diesjährigen Fährentest allein auf Griechenland beschränkt.

Dazu sagte ADAC-Testleiter Robert Sauter bei n-tv: "Griechenland war ja in den vielen Jahren, in denen wir mit dem Fährentest unterwegs sind in Europa, immer unser Sorgenkind gewesen. Wir sind jetzt gezielt zurückgekommen und mussten einfach feststellen, dass trotz vieler Investments, die tatsächlich spürbar und auch sichtbar waren, eben diese Seelenverkäufer immer noch nicht ausgerottet sind."

Nur einmal "sehr gut"

Von den getesteten Fähren fielen eine mit der Gesamtbewertung "sehr mangelhaft" und drei mit "mangelhaft" durch, vier Schiffe erhielten lediglich die Note "ausreichend". Fünf Fähren schnitten mit "gut" ab, aber nur für eine gab es ein "sehr gut". Als Tester waren Ende Mai und Anfang Juni unabhängige nautische Sachverständige unterwegs.

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Der Testsieger: die Fähre "Ionian King". (Foto: dpa)

Testsieger war nach ADAC-Angaben die "Ionian King" der Reederei Agoudimos Lines, die zwischen Patras auf dem Peloponnes und Igoumenitsa auf dem griechischen Festland verkehrt. Die 18 Jahre alte Fähre bekam in vier von fünf Kategorien Bestnoten, ein dickes Lob gab es auch für "die sehr gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Crew".

Testverlierer war die "Sardinia Vera" der Reederei Kallisti Ferries, die zwischen Piräus auf dem griechischen Festland und Vathi auf der Insel Samos unterwegs war. Den technischen Zustand der 34 Jahre alten Fähre, aber auch das Sicherheitsbewusstsein der Mannschaft nannte der ADAC besorgniserregend: Ein Evakuierungssystem war nicht vorhanden und ein schnelles Rettungsboot war nicht einsatzbereit. Vor allem aber fehlten die vorgeschriebenen Querschotten, die bei Wassereinbruch das Fluten des Autodecks verhindern sollen.

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Die Fähre "Sardina Vera" wurde wegen diverser Sicherheitsmängel Verlierer. (Foto: dpa)

"Die Sicherheit der Passagiere muss immer im Vordergrund stehen", betonte ADAC-Vizepräsident Max Stich. Die griechischen Behörden müssten endlich Druck machen, dass die Reedereien ältere Passagierfähren entweder nach neuesten Sicherheitsstandards nachrüsten oder diese ganz ausmustern.

Fährensicherheit für Laien kaum erkennbar

Passagiere sollten nicht versuchen, mit Laien-Kenntnissen die Sicherheit eines Schiffes zu beurteilen. Wichtiger ist es, sich vorab zu informieren und sich dann an Bord mit den Gegebenheiten vertraut zu machen, rät Sabine Zuschrott, Projektleiterin des Fährentests beim ADAC. Denn: "Auch ein altes Schiff mit etwas Rost muss nicht wirklich eine Rostlaube sein."

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Defektes Rettungsboot auf der Fähre "Sardina Vera". (Foto: dpa)

Schon lange vor der Reise können Passagiere wichtige Informationen einholen: "Man kann zum Beispiel auf den Internet-Seiten der Anbieter überprüfen, ob dort das Alter des jeweiligen Schiffes angegeben wird, ob es Angaben zu technischen Daten oder zur Sicherheits-Ausstattung gibt", erläutert Sabine Zuschrott. Das jedoch ist im Endeffekt auch nur ein Anhaltspunkt - denn nicht immer ist klar, ob das genannte Schiff an dem gebuchten Termin dann tatsächlich die Strecke fährt, oder ob es gerade anderswo im Einsatz ist.

Crew beobachten

Direkt an der Fähre sollte dann nicht in erster Linie darauf geachtet werden, ob zum Beispiel ein Feuerlöscher ordentlich in der Halterung hängt. Wichtige Informationen für den Notfall bietet beispielsweise die Beobachtung der Crew: "Dabei geht es darum, ob man bemüht ist, dem Passagier Fragen zu beantworten - oder ob es der Crew eher egal ist. Zu beachten ist auch, wie man eingewiesen wird, ob das Auto vielleicht auch extra mit einem Keil gesichert wird - und ob das Zusammenspiel der Mannschaft einen organisierten Eindruck macht."

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Durch Gegenstände verstellte Löscheinrichtungen auf der Fähre "Sardina Vera". (Foto: dpa)

Einmal an Bord, hat es dann ohnehin nicht mehr viel Sinn, sich womöglich über den Zustand der Rettungseinrichtungen zu ärgern. Zum einen, weil ein Laie die tatsächliche Sicherheit eben ohnehin nicht komplett einschätzen kann. Zum anderen ist für den Notfall anderes wichtiger: Sabine Zuschrott rät dazu, sich mit den vorhandenen Sicherheitseinrichtungen vertraut zu machen, sich die Notausgänge einzuprägen und herauszufinden wo zum Beispiel Rettungswesten zu finden sind. "Denn wenn etwas passiert, dann muss alles sehr schnell gehen."

Quelle: abe/dpa