Panorama

Alpinist mit LeidenschaftIsraelischer Bergführer im Allgäu

16.03.2011, 12:55 Uhr

Klettern, Bergsteigen und Skifahren beherrschen das Leben von Tal Niv. Für einen angehenden Bergführer ist das nichts Ungewöhnliches. Doch Tal Niv hat lange gebraucht, bis er sich seinen Traum von einem Leben als Alpinist erfüllen konnte.

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Mit geschultertem Kletterseil sitzt Tal Niv inmitten der Allgäuer Landschaft bei Sulzberg. (Foto: dpa)

Der 35-Jährige stammt aus Israel. Seit zwei Jahren lebt er im Allgäu und macht als erster Israeli in Deutschland die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer. "Ich kann nicht erklären warum, aber ich hatte schon immer das Gefühl, in die Berge zu gehören. Jetzt bin ich angekommen, wo ich unbedingt hin wollte."

Tal Niv ist in einem Kibbuz in der Nähe des Gazastreifens geboren und aufgewachsen, bevor er mit seiner Familie nach Galiläa im Norden des Landes zog. Nach dem Wehrdienst zog es den jungen Mann nach Jerusalem, wo er an der Universität internationale Beziehungen studierte. Schon zu dieser Zeit sei er von Bergen, die er auf Reisen etwa nach Neuseeland kennenlernte, fasziniert gewesen. "Ich finde Berggipfel unglaublich attraktiv. Und das Besondere am Bergsport ist die sowohl psychische als auch körperliche Herausforderung." Sein Studium habe ihm erlaubt, viermal pro Woche klettern zu gehen. Möglichkeiten dazu boten Kalkwände in der Nähe von Jerusalem.

Hobby zum Beruf gemacht

Nach dem Studium suchte Niv nach einer Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. In Israel, wo es nur eine sehr kleine Bergsteigergemeinde gibt, sei dies nicht möglich gewesen. Zwar gebe es einen israelischen Alpinclub, doch der zähle lediglich 400 Mitglieder. Im Vergleich dazu: Der Deutsche Alpenverein als größter Bergsteigerverband der Welt hat fast 900.000 Mitglieder. Viele mehrmonatige Reisen führten den Alpinisten in Länder wie Kanada, USA und Frankreich, wo er Erfahrungen in Fels, Eis und Schnee sammelte.

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Seit zwei Jahren lebt er im Allgäu und absolviert als erster Israeli in Deutschland die Ausbildung zum Bergführer. (Foto: dpa)

Eine entscheidende Wende nahm sein Leben, als er in Wales einen Bergführer aus Rosenheim kennenlernte. "Obwohl wir uns nur flüchtig kannten, hat er mich eingeladen, nach Bayern zu kommen, um mit ihm ein paar Touren zu machen." Als Niv voller Enthusiasmus diese Einladung annahm und eines Tages mit 70 Kilogramm Ski- und Kletterausrüstung im Gepäck in München am Flughafen stand, sei ihm jedoch etwas mulmig geworden. "Ich habe kein Wort Deutsch gesprochen und war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob er wirklich kommt."

Doch der Freund kam. Und durch ihn fand Niv in Bayern ein zweites Zuhause. "Rosenheim wurde mein Basislager für viele gemeinsame Touren in den Alpen." Zweimal im Jahr hielt sich Niv für jeweils drei Monate in Deutschland auf. Die übrige Zeit lebte er in Israel, um als Sicherheitsberater für die Regierung Geld zu verdienen.

Erst ein bisschen Deutsch lernen

Durch die Empfehlung seines Rosenheimer Freundes kam schließlich der Kontakt zum Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) zustande. Niv wurde zum Eignungstest zugelassen und bestand sowohl die Winter- als auch die Sommerprüfung für Bergführeranwärter. Dennoch musste er ein Jahr warten, bevor er 2009 mit der Ausbildung begann. "Ich sollte erst ein bisschen Deutsch lernen", erzählt Niv. Der Besuch einer Sprachschule in München und fleißiges Üben zahlten sich aus. Inzwischen kann sich der 35-Jährige in seiner neuen Heimat gut verständigen.

"Die Fortschritte waren enorm", erinnert sich Peter Geyer, Ausbildungsleiter des VDBS, an die Bemühungen des jungen Israeli, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. "Tal war hoch motiviert und hat das Können und die richtige Einstellung für den Beruf des Bergführers mitgebracht." Weil jedoch die dreieinhalbjährige Ausbildung in deutscher Sprache erfolgt, habe man ihn zunächst vertrösten müssen. Seit zwei Jahren gehört Niv nun zum Team der Bergführeranwärter. Nicht nur, weil er der erste Israeli ist, sei es etwas Besonderes, ihn dabei zu haben, sagt Geyer. "Ich bin überzeugt, dass Tal ein guter Bergführer wird. Er kann gut mit Menschen umgehen. Und man merkt, dass er mit vollem Herzen bei der Sache ist."

"Schwierig, neue Freunde zu finden"

Niv lebte zunächst in München und zog vor etwa zwei Jahren ins Oberallgäu. Eine Bergführeranwärterin, die er während der Ausbildung kennenlernte, war der Grund für den Ortswechsel. "Durch meine Freundin habe ich hier viele nette Menschen kennengelernt", sagt Niv. Hin und wieder mache ihm jedoch die zurückhaltende Mentalität der Allgäuer etwas zu schaffen. "Es ist schwierig, neue Freunde zu finden." Die Leute würden ihm zwar freundlich und neugierig begegnen, wenn sie hören, dass er aus Israel stammt und Jude ist. "Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie durch die Geschichte ein bisschen vorsichtig sind." Tal Niv ist trotzdem guter Dinge und freut sich auf ein Leben in und mit den Bergen: "Ich bin ein Kämpfer. Und ich bin glücklich, hier zu sein."

Quelle: dpa