Mittwoch, 23. Mai 2007
150 Jahre Schweriner Schloss: Landtag und Museum streiten
Schwerin ist eine Reise wert, allein das Schloss lohnt den Besuch. Pünktlich zum 150. Geburtstag des Prachtbaus ist ein Streit um die Räume publik geworden.Das Schweriner Schloss ist vieles zugleich. Es gilt als bedeutendster Historismus-Profanbau in Europa, als Deutschlands schönster Parlamentssitz und - spätestens seit es Anfang 2007 auf die Zwei-Euro-Münze geprägt wurde - als das Wahrzeichen Mecklenburg-Vorpommerns. Am Pfingstwochenende wird sein 150-jähriges Jubiläum groß gefeiert, mit Festumzug, Sonderführungen und historisch anmutendem Fest im Burggarten.
Pünktlich zum Fest ist jetzt ein Streit öffentlich geworden, der seine Wurzel gerade in der vielfältigen Nutzung des Schlosses hat. Der Landtag als Hausherr und das Schlossmuseum streiten um wichtige Räume, unter anderem um die Wohnung des Großherzogs.
Derzeit kann die Direktorin des Staatlichen Museums Schwerin, Kornelia von Berswordt-Wallrabe, den Besuchern im Schloss 32 historische Räume präsentieren, darunter Thronsaal, Bibliothek und Ahnengalerie. Weitere 20 Räume sollen laut einer Vereinbarung von Anfang der 1990er Jahre nach der Restaurierung an das Schlossmuseum übergeben werden. Die Wohnung des Großherzogs, die Berswordt zufolge schon 1920 zu den Museumsräumen gehörte, sei ebenso unverzichtbar Museum wie die Wohnung der Großherzogin, die bisher nur in Teilen im Rundgang erlebt werden kann. Der Rest diente bisher der CDU-Landtagsfraktion als Arbeits- und Besprechungsräume. Derzeit wird umgebaut. Danach werden in jedem Fall wieder Landtagspolitiker und deren Mitarbeiter einziehen, wie Landtagsdirektor Armin Tebben sagt.
Von der Abendsonne angestrahlt steht das Schweriner Schloss während der sogenannten Blauen Stunde auf einer Insel im Burgsee.
(Foto: dpa)
"Wir haben ein Platzproblem", sagt Tebben. Nach der Landtagswahl vom September 2006 zogen fünf Fraktionen ins Schloss, in den Jahren davor waren es drei. "Alle müssen angemessen mit Räumen versorgt werden." Teile der Landtagsbibliothek lagerten derzeit in Kisten. Die Bibliothek soll Tebben zufolge in die Wohnung des Großherzogs einziehen. Ausnahme seien zwei Zimmer mit wertvollen Ledertapeten. Diese würden dem Museum nach der Restaurierung zur Verfügung gestellt. Auch über den noch nicht restaurierten, so genannten Weinlaubsaal im Erdgeschoss gibt es offenbar keinen Dissens. Allerdings betont Tebben, dass zur Verfügung stehende Gelder auch in den kommenden Jahren noch vorrangig in die Erhaltung der Bausubstanz des Schlosses fließen müssten. Derzeit werde über Finanzen zur Restaurierung der Innenhof-Fassade verhandelt. Seit 1990 wurden bereits mehr als 70 Millionen Euro in die Sanierung des Schweriner Schlosses gesteckt.
Tebben kann die Forderung des Museums über 20 Räume nicht nachvollziehen, "zumal wir erst vor wenigen Wochen vier Räume zu musealen Zwecken übergeben haben". Einer davon, der mit Terrakotten geschmückte Gewölbesaal "Hofdornitz" mit Elementen aus dem 16. Jahrhundert, sei aber nur für die Ausstellung des Museums zum Schlossjubiläum zur Verfügung gestellt worden. "Wie die Hofdornitz danach öffentlich genutzt wird, wird man sehen", sagt er.
Von Seiten des Landtags scheint auch immer wieder Kritik an der bisherigen Führung und vor allem Vermarktung des Schlossmuseums durch. Mehr als 500.000 Besucher hatte das Haus 1990, heißt es, heute sind es unter 200.000. "Das Schweriner Schloss ist ein Juwel, das noch viele Potenziale hat", meint Tebben. Auch die wissenschaftliche Bearbeitung lasse Wünsche offen. Seit Anfang der 1990er Jahre sei kaum etwas publiziert worden.
Ganz aktuell erhitzt ein Galadinner für Sponsoren und internationale Gäste des Jubiläums die Gemüter, das der Landtag anlässlich des Schlossjubiläums in Museumsräumen gibt. Aus konservatorischer Sicht mehr als bedenklich, heißt es aus dem Museum. Eine Ausnahme anlässlich dieses herausragenden Ereignisses, sagt der Staatssekretär im Kultusministerium, Udo Michallik (CDU). Im Streit zwischen Landtag und Schlossmuseum um die 20 Räume will er vermittelnd eingreifen. Eine Arbeitsgruppe, die zwischenzeitlich eingeschlafen war, will Michallik - seit Herbst 2006 im Amt - wieder beleben.
Iris Leithold, dpa
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