Reise
Donnerstag, 10. März 2011

Arabische Länder in Aufruhr: Reisebranche boomt

Die Touristikbranche ist in Hochstimmung - nur die Unruhen in Nordafrika und vielen arabischen Ländern trüben die Euphorie. Sogar Libyen wirbt auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin um Gäste, obwohl das Land derzeit im blutigen Chaos versinkt.

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen, die Branche ist in Hochstimmung.
Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen, die Branche ist in Hochstimmung.(Foto: dpa)

Die arabische Welt ist in Aufruhr: Tote und Terror in Libyen, Despoten in Nordafrika vertrieben und vielerorts gehen die Menschen mit dem Ruf nach Freiheit und Demokratie auf die Straßen. Unter dem Eindruck der sich ausbreitenden Unruhen begann am Mittwoch die Internationale Reisemesse ITB in Berlin.

Die europäische Reisebranche geht davon aus, dass es noch Monate dauern wird, bis sich die Region als Reiseziel wieder erholen wird. Ungeachtet dessen und trotz steigender Ölpreise sehen die Touristiker einem Spitzenjahr entgegen. "Das Geschäft brummt", heißt es allerorten. In Deutschland erwartet die Branche, dass sie den Rekordumsatz aus dem Jahr 2008 übertreffen wird.

"Kommen Sie zu uns zurück"

Ägypten und Tunesien wollen möglichst schnell wieder bei den Urlaubsplanungen dabei sein und werben auf der ITB eindringlich um Gäste. "Wir brauchen ein Zeichen Ihrer Freundschaft, kommen Sie zu uns zurück", sagte der neue Tourismusminister Mehdi Houas. Er versicherte zugleich, eine Reise nach Tunesien sei nicht mit Gefahren verbunden. "Wir haben einen Rechtsstaat geschaffen."

Am Stand von Libyen auf der ITB.
Am Stand von Libyen auf der ITB.(Foto: dpa)

Nordafrika und der nahe Osten sind voller touristischer Highlights und der Tourismus ist oft enorm wichtig als Einkommensquelle für die einheimische Bevölkerung. Hotels, Reiseführer und Ausflugsagenturen warten sehnsüchtig auf die Rückkehr der Gäste. Selbst Libyen müht sich auf der ITB, die Vorzüge des Landes ins beste Licht zu setzen - obwohl Strände und kulturelle Sehenswürdigkeiten inzwischen zumeist Schauplatz blutiger Kämpfe sind.

Die meisten Experten gehen zwar nicht davon aus, dass die Freiheitsbewegung die gesamte Region ins Chaos stürzen wird. Aber die Rufe der Demonstranten werden auch nicht ungehört verhallen, meint der Manager Peter Eschweiler vom Studienreiseveranstalter Gebeco. "Das schlechte Vorbild Libyen wird den Regierungen zu denken geben." Die fortschrittlicheren Kräfte würden gestärkt, sich gegen Widerstände im eigenen Land duchzusetzen. Die Proteste in vielen Ländern dürften weitergehen.

Wichtige Devisen fehlen

Die arabischen Staaten sind als Ferienländer für die europäische Reisewirtschaft nicht ganz so bedeutend wie etwa Ägypten - das wichtigste Ziel in der Region. In Marokko, Syrien und Jordanien, dem Oman oder den Emiraten sind oft eher kleinere Reisegruppen unterwegs. Aber auch die bleiben jetzt vielfach weg und mit ihnen die so wichtigen Devisen. Auch Israel sieht sich durch den Aufruhr bei den arabischen Nachbarn beeinträchtigt. Die seit langem steigenden Besucherzahlen seien im Februar um 2 Prozent zurückgegangen, sagt Israels Tourismusminister Stas Misezhnikov.

Reiseländer wie Israel, Ägypten, Jordanien, aber auch die Palästinensergebiete, litten gemeinsam unter der Entwicklung. Und der Deutschland-Chef von Thomas Cook, Peter Fankhauser, meint, solange sich Libyen nicht beruhige, werde das große Comeback in Nordafrika noch auf sich warten lassen. Noch sind Ägypten und Tunesien nicht über den Berg. Vor allem Tunesien muss zusätzlich noch den wachsenden Flüchtlingsstrom aus dem Libyen verkraften.

Feriengäste geben Gefühl der Stabilisierung

Entscheidend ist das Geld, das die Feriengäste dalassen, auch zur Stabilisierung der Lage nach den dramatischen Umstürzen, sagen Experten. Jeder achte Ägypter etwa lebt vom Tourismus. Fiele der weg, könnte auf die Vertreibung des Diktators leicht eine Wirtschaftskrise folgen, die die gesamte Region in Mitleidenschaft zöge.

Die wichtigste Rolle der europäische Reisewirtschaft sieht Eschweiler darin, den Gästen zu ermöglichen, sich selbst ein Bild zu machen. "Wir können die politischen Verhältnisse in den Ländern nicht ändern. Aber wir können helfen, die Sichtweise und die Meinungen der Menschen über die arabischen Länder zu verändern." Die Tui kündigte zudem an, sie wolle prüfen, wie Demokratisierungsprozesse auch durch die Reisewirtschaft unterstützt werden könnten. Man spreche bereits mit der Entwicklungsorganisation des Bundes GIZ.

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Quelle: n-tv.de

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