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WM-Stadien ein Problem für Südafrika: Eine Herde "Weißer Elefanten"

Südafrika hat ein Problem: Nach der WM werden einige der prachtvollen neuen Stadien ungenutzt in der Landschaft herumstehen und viel Geld kosten – eine Herde "Weißer Elefanten". Fifa-Chef Joseph Blatter stört das nicht weiter. Er findet die Bauten schön.

Soccer City: ein Fußballtempel.
Soccer City: ein Fußballtempel.(Foto: AP)

Geht es nach Joseph Blatter, dann sind die zehn Stadien, in denen die 19. Fußball-Weltmeisterschaft gespielt wurde, architektonisch betrachtet Juwelen. Das ist eine Frage des Geschmacks, und über den lässt sich ja nicht streiten. Blatter, der Präsident des Weltverbandes Fifa, hat zudem gesagt: "Kein einziges Land in Europa verfügt über solch gute Arenen wie Südafrika - kein einziges." Darüber ließe sich streiten, doch wie auch immer: Seine zehn tollen Stadien drohen für Südafrika ein Problemfall zu werden.

In Südafrika haben sie längst Angst vor einer Herde "Weißer Elefanten". Ein "Weißer Elefant" ist ein überflüssiges Bauwerk. Für die WM wurden sechs Stadien neu gebaut, vier bereits bestehende zum Teil generalüberholt. An die 1,4 Milliarden Euro hat das gekostet - zumindest offiziell. Doch für fast jedes der zehn WM-Stadien fehlt ein Konzept, das eine tragbare Nachnutzung garantiert. Zumindest in drei Arenen, in Pretoria, Bloemfontein und im Johannesburger Ellis Park wird wenigstens regelmäßig Rugby gespielt.

Fußball ist der Sport der armen Leute

Ausgerechnet der weiße Sport Rugby soll dem schwarzen Fußball zu Hilfe eilen. "Ich denke, es muss eine Balance zwischen Fußball und Rugby gefunden werden, um die geeignete Nachnutzung der Stadien zu gewährleisten", sagt WM-OK-Chef Danny Jordaan. Zugleich fordert er die 16 Vereine umfassenden Profi-Fußball-Liga auf, die Premier Soccer League (PSL) zu mehr Entschlossenheit auf: "Die PSL muss sich das Profil der Mannschaften genau ansehen und sie für mehr Bevölkerungsgruppen attraktiv machen."

Leicht gesagt: Fußball ist der Sport der armen Leute. Der Eintritt zu einem Länderspiel zwischen Südafrika und Kolumbien vor der WM kostete im Schnitt 40 Rand, das sind etwa vier Euro. Dagegen lagen die Preise für ein Spiel der Rugby-Nationalmannschaft gegen Frankreich im Juni zwischen 100 und 400 Rand. Fußball generiert an der Kasse weniger Umsatz als Rugby - schlecht für Stadionbetreiber. Darüber hinaus fühlen sich auch die Sponsoren zum Rugby hingezogen - dort sitzt die zahlungskräftigere Kundschaft.

Lokale Vereine haben kein Geld

Was wird, wenn die WM vorbei ist? Soccer City in der Nähe von Johannesburg.
Was wird, wenn die WM vorbei ist? Soccer City in der Nähe von Johannesburg.(Foto: AP)

Wirtschaftsfachleute gehen davon aus, dass der jährliche Unterhalt der zehn WM-Stadien zwischen 40 und 50 Millionen Euro kosten wird - die südafrikanische Regierung kalkuliert sogar mit 150 Millionen Euro. "Für einige Städte wird es leichter sein, für andere schwerer", sagt Jordaan. Die zwei kleinen WM-Spielorte Polokwane und Nelspruit etwa haben weder eine Fußball-, noch eine Rugby-Mannschaft am Ort. In Kapstadt und Durban wollen die ortsansässigen Rugby-Klubs nicht von den eigenen Stadien in die WM-Arenen wechseln.

Die lokalen Fußball-Vereine wiederum sind finanziell kaum in der Lage, dauerhaft in den WM-Stadien zu spielen - selbst wenn sie es gerne möchten. "Es wird schwierig sein, die Stadien permanent zu nutzen", betont PSL-Generaldirektor Kjetil Siem, "wenn wir sie für Pokalspiele und für Spiele zwischen großen Klubs nutzen und sie hin und wieder etwa zur Hälfte füllen können, dann sollten wir mehr als glücklich sein." Der Zuschauerschnitt der PSL lag in der vergangenen Saison gerade mal bei 7500 Besuchern pro Begegnung.

Pirates und Chiefs fallen als Dauermieter aus

Sehr kurios ist die Situation in Johannesburg: Während der WM wurde im Ellis Park und im neuen Stadion Soccer City gespielt. Die Orlando Pirates und die Kaizer Chiefs, die populärsten Fußball-Klubs des Landes, aber fallen als Dauer-Mieter aus. Die Pirates haben im November 2008 das für 28 Millionen Euro renovierte Orlando-Stadium übernommen. Die Chiefs ziehen demnächst in das Amakoshi-Stadium 40 Kilometer westlich von Johannesburg: Die 55.000-Zuschauer-Arena hat sich der Klub 120 Millionen Euro kosten lassen.

Jedes Stadion, haben die Experten ausgerechnet, braucht im Schnitt 12 bis 16 ausverkaufte Veranstaltungen pro Jahr, damit der Unterhalt gewährleistet werden kann. In Soccer City, wo am Sonntag das Endspiel der Fußball-WM stattfinden, sollen die 94.000 Plätze schon am 21. August wieder gefüllt sein. Dann findet dort ein Länderspiel zwischen Südafrika und Neuseeland statt. Im Rugby.

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Quelle: n-tv.de