Sanders rasselt mit dem Säbel"Ich haue Klitschko weg"
Für Vitali Klitschko steht bei seinem Kampf gegen Corrie Sanders viel auf dem Spiel. Es geht nicht nur um den WBC-Weltmeistertitel, sondern auch um das Familienunternehmen Klitschko und seine Zukunft als Boxer. Sanders beeindruckt das wenig.
"It's Showtime", sagt der Amerikaner, wenn bei Sportveranstaltungen die finale Entscheidung unmittelbar bevorsteht. Vitali Klitschko bringt dieses Szenario am Samstag die endgültige Gewissheit über seine Zukunft.
Gewinnt der 32-jährige Ukrainer im Staples Center von Los Angeles gegen den Südafrikaner Corrie Sanders den vakanten WBC-Weltmeistertitel, ist er der neue starke Mann im Schwergewicht. Bei einer Niederlage droht "Dr. Eisenfaust" im Boxmekka USA das Schicksal seines Bruders Wladimir, der nach der verheerenden Vorstellung gegen Lamon Brewster nur noch zur zweiten Garnitur der Königsklasse zählt. Der Traum von der historischen Doppel-Weltmeisterschaft zweier Brüder ist bereits geplatzt, jetzt kämpft der "große" Klitschko um die sportlichen und geschäftlichen Perspektiven des Familienunternehmens.
Der "Spuk aus Kiew"
"Leute, ich bin angereist, um Weltmeister zu werden. Der Kampf gegen Sanders ist schwer genug", sagte er: "Meine Konzentration gilt deshalb nur diesem Samstag." Doch es ist schwer genug, sich allein auf den Fight mit dem 38 Jahre alten Linkshänder aus Südafrika zu konzentrieren. Mit stoischer Miene, kerzengrade und ohne ein Lächeln ließ der Ex-Europameister die letzte Pressekonferenz über sich ergehen, während sein Kontrahent fröhlich mit einer Wasserflasche spielte und mit Blick auf seinen K.o.-Sieg gegen Wladimir Klitschko vor rund einem Jahr verkündete: "Vitali wird das Gleiche passieren, dann ist der Spuk aus Kiew zu Ende."
Zu allem Überfluss haben nun auch noch einige Casinos in Las Vegas die Wetten auf den Fight gestoppt - die Buchmacher haben nach den Vorkommnissen um Wladimir Angst vor erneuten Unregelmäßigkeiten. Verschwörungs-Theorien um gepanschtes Eiswasser und manipulierte Getränkeflaschen machen die Runde. Gerüchte um rapide gefallene Wettquoten des Außenseiters Brewster vor dem Kampf sowie die Warterei auf das Laborergebnis von Wladimirs Blutprobe zerren an den Nerven.
Entscheidung über Klitschkos Zukunft
"In Los Angeles versiegele ich alle Wasserflaschen selbst", kündigte Trainer Fritz Sdunek deshalb an. Er hat Vitali Klitschko in den vergangenen Wochen in der LaBrea Boxing Academy in dessen zweiter Wahlheimat Los Angeles vorbereitet. "Vitali ist auf die Minute topfit. Alles andere als ein Sieg wäre eine Überraschung", sagte der 57-Jährige vor dem wichtigsten Kampf seines Schützlings. Gegen den Linksausleger, der erstmals seit 13 Monaten wieder in den Ring steigt, soll der 8 Zentimeter längere Klitschko vor allem konsequent die Vorteile in der Reichweite ausnutzen.
Angesichts des fortgeschrittenen Alters (38) seines Gegners will Klitschko in den ersten drei Runden betont vorsichtig boxen, seine Führungshand arbeiten lassen und die Entscheidung gegen Ende des Kampfes suchen. Sanders hat andere Pläne. "Rein in den Ring, raus aus dem Ring, den WM-Gürtel mitnehmen. Wer sich mir in den Weg stellt, wird weggehauen", erläuterte er unter dem Gelächter der Zuschauer seine Kampftaktik. Schließlich sei er nicht mehr der Jüngste und ihm fehle schon auf dem Golfplatz - dank Handicap 2 liebäugelt Sanders mit einer Einladung der Professional Golf Association (PGA) - nach dem neunten Loch der Atem.
Während Sanders im Falle einer Niederlage bereits seinen Rücktritt ankündigte, hängt Klitschkos Zukunft nach Meinung der meisten Experten von der Qualität seines Auftrittes ab. "Wenn er sich gut verkauft, sollte man ihn nicht ganz abschreiben", sagte der berühmte amerikanische Boxjournalist Larry Merchant, der im übrigen wie die meisten seiner Kollegen nicht an die Verschwörungstheorie beim Klitschko-Brewster-Kampf glaubt.
Frank Hoffmann, sid