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Deniz Aytekin - starke Leistung und Leitung, bis auf die erste Minute der Nachspielzeit.
Deniz Aytekin - starke Leistung und Leitung, bis auf die erste Minute der Nachspielzeit.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 09. März 2017

"Collinas Erben" zu Barça-Gala: Aytekin überzeugt und lässt doch zweifeln

Von Alex Feuerherdt

Deniz Aytekin wird die irre Aufholjagd des FC Barcelona gegen Paris St. Germain nicht so bald vergessen. Der Referee zeigt in einem schwierigen Spiel lange einen starken Auftritt - doch dann trifft er eine höchst fragwürdige Entscheidung.

Ehrenvoller Auftrag für Schiedsrichter Deniz Aytekin: Seit 2012 darf er Spiele in der Champions League pfeifen, doch ein Kaliber wie das Achtelfinal-Rückspiel zwischen dem FC Barcelona und Paris St. Germain am gestrigen Abend war bislang nicht darunter. Dass ihm die Leitung dieser Partie überantwortet wurde, war deshalb ein Zeichen der gestiegenen Wertschätzung der Uefa für den 38-jährigen Franken – auch wenn das Duell zwischen dem spanischen und dem französischen Meister nach dem 4:0 für PSG im Hinspiel bereits entschieden schien.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Fußball-Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Wohlgemerkt: schien. Denn es kam bekanntlich anders als erwartet: Barcelona gelang im Camp Nou mit einem 6:1 das nahezu Unmögliche, drei Tore erzielten die Katalanen dabei nach der 88. Minute. Aytekin hatte während der gesamten Spielzeit absolute Schwerstarbeit zu verrichten, wovon bereits die zehn (!) Gelben Karten, die zwei Elfmeter und eine Fülle äußerst kniffliger Strafraumsituationen zeugen. Für Gesprächsstoff sorgten vor allem die beiden Strafstöße für die Gastgeber.

Den ersten gab es kurz nach dem Seitenwechsel: Der Pariser Verteidiger Thomas Meunier geriet beim Versuch, einen überraschenden Pass von Andres Iniesta auf Neymar abzufangen, ins Straucheln, verlor das Gleichgewicht und ging im eigenen Strafraum zu Boden. Neymar fiel schließlich über Meuniers Körper. Der gut postierte Aytekin erkannte zunächst auf Weiterspielen, ließ sich dann aber von seinem Strafraumassistenten Benjamin Brand – der einen noch besseren Blickwinkel hatte – umstimmen und zeigte auf den Elfmeterpunkt.

Und das zu Recht. Denn auch wenn Meunier unglücklich stolperte: Er hatte eine Regelwidrigkeit begangen, die genauso zu bewerten war wie ein Beinstellen. Ahndungswürdig war hier die Fahrlässigkeit, die sich aus der Unachtsamkeit des Belgiers ergab. Absicht muss den Regeln zufolge für ein Foul nicht vorliegen. Lionel Messi verwandelte den Strafstoß zum 3:0.

Höchst zweifelhafter zweiter Elfmeter

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Noch mehr Aufregung rief der zweite Elfmeter beim Stand von 4:1 in der 90. Minute hervor. Nach einem langen Ball in den Strafraum der Gäste kam es zu einem Zweikampf zwischen Marquinhos und Barcelonas durchgestartetem Stürmer Luis Suárez. Marquinhos traf Suárez leicht mit dem Ellenbogen am Hals, der Uruguayer fiel. Diesmal entschied sich Aytekin ohne jedes Zögern. Auch Neymar verwandelte eiskalt vom Punkt, Barça fehlte dadurch nur noch ein Tor, um ins Viertelfinale einzuziehen.

Wenn man sich die Szene in der Realgeschwindigkeit betrachtet, scheint der Elfmeterpfiff keineswegs abwegig. Denn Suárez war mit einem Tempo unterwegs, bei dem schon ein geringer Kontakt durch den Gegner genügen kann, um zu Fall zu kommen. Die Zeitlupe – die dem Referee nun mal nicht zur Verfügung steht – lässt die Entscheidung allerdings zweifelhaft erscheinen, schon wegen Suárez‘ Theatralik. Ob der Kontakt durch Marquinhos ursächlich für den Sturz des Angreifers war, darf man jedenfalls hinterfragen.

Es gehört zum Los der Unparteiischen, dass die emotionalen Debatten über einen solchen Pfiff ihre sonstige Leistung in den Hintergrund treten lassen. Das ist in diesem Fall ganz besonders schade, denn Deniz Aytekin machte bei höchster Beanspruchung in diesem irren Spiel vor fast 100.000 Zuschauern sehr viel richtig und überzeugte durch ein entschlossenes, cooles und selbstsicheres Auftreten. Zudem entschied er in weiteren strittigen Situationen völlig korrekt.

Starke Gesamtleistung in sehr schwierigem Spiel

So ließ er beispielsweise bei gleich drei Handspielen in der ersten Hälfte – zwei davon im Strafraum der Gäste, eines im Sechzehner der Hausherren – berechtigterweise weiterspielen, weil das entscheidende Kriterium der Absicht jeweils nicht erfüllt war. Sehr gut erkannte Aytekin auch Suárez‘ dreiste Schwalbe in der 67. Minute, die er konsequent und folgerichtig mit einer Verwarnung bestrafte. Glück hatte PSG allerdings in der 34. Minute, als Meunier den entwischenden Neymar im Strafraum kurz festhielt. Hier wäre ein Elfmeter zumindest denk- und vertretbar gewesen, doch Neymar brachte sich durch sein arg theatralisch wirkendes Fallen wohl selbst um diese Möglichkeit.

Positiv hervorzuheben ist dagegen wiederum das vorzügliche Auge von Aytekins Assistenten Markus Häcker beim finalen Treffer zum 6:1 in der letzten Minute der Nachspielzeit (die mit fünf Minuten vollkommen angemessen und für Spiele in der Champions League ohnehin nicht ungewöhnlich üppig ausfiel): Dass sich der Torschütze Sergi Roberto um Haaresbreite nicht im Abseits befand, war überaus schwer zu sehen. Und selbst wenn man Häcker nicht den leisesten Vorwurf hätte machen können, wenn hier eine falsche Entscheidung getroffen worden wäre: Dass er in diesem alles entscheidenden Moment richtig lag, war Gold wert.

Insgesamt hat Deniz Aytekin im Verbund mit seinen Assistenten seine ausgesprochen komplizierte Aufgabe mit Ruhe und Umsicht gemeistert, sich von der teilweise großen Hektik auf dem Platz nie anstecken lassen und etliche kritische Situationen ausgezeichnet bewältigt. Als umso bedauerlicher wird er es selbst empfinden, dass hinter seiner zweiten Strafstoßentscheidung zumindest ein großes Fragezeichen steht. Doch statt das in den Mittelpunkt zu rücken, sollte man die Aufmerksamkeit besser auf die Frage lenken, wie eine Mannschaft einen Vier-Tore-Vorsprung verspielen kann, wenn sie in der 88. Minute insgesamt noch komfortabel vorne liegt.

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Quelle: n-tv.de

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