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"Collinas Erben" zur Schiri-Attacke: VfL Osnabrück droht Partie ohne Zuschauer

Von Alex Feuerherdt

Das Skandalspiel im DFB-Pokal, bei dem der Schiedsrichter von einem Feuerzeug getroffen und am Kopf verletzt wurde, hat ein Nachspiel. Dem VfL Osnabrück droht neben der Spielwertung für RB Leipzig auch eine empfindliche Strafe.

Es waren bestürzende Szenen, die sich nach 70 Minuten in der Erstrundenpartie des DFB-Pokals zwischen dem Drittligisten VfL Osnabrück und dem Zweitligavertreter RB Leipzig abspielten: Als Schiedsrichter Martin Petersen neben dem Tor der Gastgeber in einer Unterbrechung einen Konflikt zwischen dem Osnabrücker Ersatzspieler Michael Hohnstedt und dem Leipziger Davie Selke schlichten wollte, traf ihn ein Feuerzeug in der Nähe der Schläfe. Der Unparteiische zuckte zusammen und hielt sich benommen den Kopf, bevor er mit seinen Assistenten und beiden Mannschaften in die Kabine ging. Dort blieb er auch, nach dieser Attacke brach er die Partie beim Stand von 1:0 für die Hausherren ab.

Das war "die logische und notwendige Konsequenz", wie Herbert Fandel, der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission des DFB, erklärte. Schließlich habe sich "um einen tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter" gehandelt, und für einen solchen Fall sehen die Fußballregeln die vorzeitige Beendigung der Partie vor. Anders als bei einer Verletzung des Referees, die ohne Verschulden eines Dritten zustande kommt, kam deshalb auch keine Fortsetzung des Spiels durch einen Assistenten oder den Vierten Offiziellen in Betracht. Petersen wurde noch am Abend zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht.

Spielwiederholung eigentlich kein Thema

Der Kontrollausschuss des DFB hat nun die Ermittlungen aufgenommen. Da das Feuerzeug aus dem Osnabrücker Fanblock auf den Schiedsrichter geworfen wurde, dürfte es wahrscheinlich sein, dass der VfL die Konsequenzen zu tragen hat. In vergleichbaren Fällen wurde jedenfalls der Verein in Haftung genommen, beispielsweise nach dem Becherwurf eines Fans des FC St. Pauli auf einen Schiedsrichter-Assistenten im Bundesligaspiel der Hamburger gegen Schalke 04 im April 2011. Die daraufhin abgebrochene Partie wurde seinerzeit für die Gäste gewertet, außerdem musste St. Pauli sein erstes Heimspiel in der folgenden Saison auf neutralem Platz in Lübeck austragen.

Auch den Osnabrückern droht neben der Spielwertung für den Gegner am "grünen Tisch" eine empfindliche Strafe, die auch einen (Teil-)Ausschluss der Zuschauer bei einem Heimspiel umfassen könnte. Dass es zu einem Wiederholungsspiel kommen wird, dürfte trotz eines entsprechenden Angebots durch Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick zweifelhaft sein. Denn in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB heißt es in Paragraf 18 unmissverständlich: "Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2 Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0 Toren für gewonnen zu werten. Hat der Unschuldige im Zeitpunkt des Abbruchs ein günstigeres Ergebnis erzielt, so wird dieses Ergebnis gewertet."

Diese Formulierungen lassen eigentlich keinen Spielraum, zumal nicht RB Leipzig der Geschädigte ist, sondern der Unparteiische. Beide Klubs haben nun bis Donnerstag Zeit, um sich zu den Geschehnissen zu äußern, eine Entscheidung durch das zuständige DFB-Sportgericht dürfte somit nicht vor Freitag getroffen werden. An diesem Tag wird auch die zweite Pokalrunde ausgelost.

Quelle: n-tv.de

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