ArbeitNach dem Gehalt fragt man nicht
Essen (dpa/tmn) - Über Geld spricht man nicht - das gilt besonders beim Gehalt. Beim Smalltalk mit Geschäftspartnern ist das Thema tabu, sagt der Etikette-Experte Hans-Michael Klein aus Essen.
Essen (dpa/tmn) - Über Geld spricht man nicht - das gilt besonders beim Gehalt. Beim Smalltalk mit Geschäftspartnern ist das Thema tabu, sagt der Etikette-Experte Hans-Michael Klein aus Essen.
Es wäre ein Etikette-Verstoß, den Vorgesetzten zu fragen, was er verdient. Auch Kollegen könnten das leicht als indiskret empfinden. In Westeuropa und gerade in Deutschland sei das Gehalt schlicht kein geeignetes Gesprächsthema, warnt der Vorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft.
«Das liegt daran, dass wir in einer Neidgesellschaft leben», erklärt Klein. «Wir empfinden es als ungerecht, wenn unser Nachbar mehr verdient als wir.» Das sei in anderen Ländern nicht so: «In China zum Beispiel wird man sehr schnell danach gefragt, wie viel man verdient. Und man reagiert auch nicht mit Neid darauf, sondern mit Anerkennung.»
Wenn in Deutschland ein Arbeitnehmer erfährt, dass ein anderer mehr verdient, verlange er oft, genauso viel zu bekommen. «Deshalb sind die Arbeitgeber in der Regel interessiert daran, dass das Gehalt kein Thema ist.» Zum Teil werde im Arbeitsvertrag bei außertariflichen Gehältern ausdrücklich Vertraulichkeit vereinbart.
Erfährt ein Mitarbeiter zufällig, wie viel ein anderer verdient, etwa weil er aus Versehen die Gehaltsabrechnung durchliest, sollte Vertraulichkeit selbstverständlich sein. «Es ist tabu, das weiterzuerzählen», sagt Klein. «Aber natürlich juckt es manchen dann in den Fingern.» Es lohne sich deshalb, ihn in einem Vier-Augen-Gespräch darum zu bitten, sein Wissen für sich zu behalten, erklärt Klein. «Es sei denn, man weiß, dass es schon die Runde gemacht hat.»