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ComputerFacebook stürmt an die Börse

18.05.2012, 19:34 Uhr

New York (dpa) - Facebook schreibt Geschichte: Das Online-Netzwerk hat am Freitag den größten Börsengang eines Internet-Unternehmens aller Zeiten geschafft.

New York (dpa) - Facebook schreibt Geschichte: Das Online-Netzwerk hat am Freitag den größten Börsengang eines Internet-Unternehmens aller Zeiten geschafft.

Doch eine ganze Serie an Pannen vermiesten den Börsianern und sicherlich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Feierlaune. Dabei hatte der Tag so gut angefangen.

Die Aktie machte mit dem ersten Kurs einen Sprung von 10,5 Prozent auf 42 Dollar - doch dann gab es eine Schrecksekunde: Nach etwa 20 Minuten auf dem Markt rutschte die Aktie bis auf den Ausgabekurs von glatt 38 Dollar ab. Tiefer ging es jedoch nicht. Ein Eingreifen der Banken dürfte eine Blamage verhindert haben und der Kurs tippelte Schritt um Schritt wieder nach oben.

Zum Startkurs war das Unternehmen mit seinen 900 Millionen Mitgliedern sagenhafte 115 Milliarden Dollar wert. Gründer Mark Zuckerberg läutete die Glocke zum Handelsstart der Technologiebörse Nasdaq vom Firmengelände in Kalifornien aus, gekleidet in seinen bekannten dunklen Kapuzenpullover und umgeben von jubelnden Mitarbeitern.

Acht Jahre nach der Gründung in einer Studentenbude ist Facebook damit endgültig zu einem Weltkonzern geworden. Schon der Ausgabepreis von 38 Dollar je Aktie ergab rund 104 Milliarden Dollar Börsenwert - die umgerechnet 80 Milliarden Euro sind mehr als die deutschen Traditionsunternehmen BMW, Deutsche Bank und Adidas zusammen kosten.

Die Freude hielt aber nicht lange an. Bereits der Beginn des Handels mit der Aktie verzögerte sich um eine halbe Stunde - in der schnelllebigen Börsenwelt ist das eine Ewigkeit. Die schiere Zahl der Kauf- und Verkaufsaufträge überforderte die Nasdaq und sorgte für einen Imageschaden. Das Papier des Börsenbetreibers selbst fiel kurzzeitig.

Vermutlich sorgten die überlasteten Börsensysteme auch dafür, dass die Facebook-Aktie einknickte. Der Fernsehsender CNBC berichtete, dass Wertpapier-Händler wegen der Pannenserie keine neuen Aufträge mehr erteilt hätten - damit blieb die Nachfrage nach den Aktien aus und der Kurs brach ein. Nach einer Stunde normalisierte sich die Lage und das Facebook-Papier pendelte sich bei 41 Dollar ein.

Weniger Glück hatte der wichtigste Facebook-Geschäftspartner Zynga: Die Aktie des Spieleentwicklers («Farmville») brach am Morgen zeitgleich zu den Facebook-Problemen um 14 Prozent ein, bevor der Handel gestoppt wurde. Später erholte sich das Papier wieder, lag gegen Mittag New Yorker Zeit aber immer noch 6 Prozent im Minus. Zynga und Facebook hängen fast symbiotisch zusammen.

Für Facebook-Gründer und -Chef geht es auch persönlich um viel Geld. Sein Vermögen schwankt mit jeder Dollar-Marke beim Aktienkurs gleich um 500 Millionen Dollar. Zum ersten Kurs von 42 Dollar war der 28-Jährige 21,1 Milliarden Dollar schwer.

Insgesamt nahmen das Unternehmen und seine Alteigentümer 16 Milliarden Dollar durch den Börsengang ein. Auch Zuckerberg hat einen Teil seiner Aktien verkauft, aber nur, um fällige Steuern zu begleichen. Der Gründer behält die Kontrolle über Facebook, weil er Aktien mit besonders vielen Stimmrechten besitzt.

Der Börsengang des Sozialen Netzwerks ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr dürfte die Milliardenmarke geknackt werden.

Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei vergleichsweise schmalen 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1 Milliarde Dollar.

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob die Mega-Milliarden-Wette aufgeht. So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil man die Nutzer damit kaum erreiche. Überdies nutzen immer mehr Menschen Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen fehlen.

Ein drastischer Kurssprung, den einige Beobachter zum Börsenstart erwartet hatten, blieb am Ende aus. Dabei standen die Vorzeichen gut: Die Nachfrage nach den Anteilsscheinen war in den vergangenen Wochen derart stark, dass Facebook seinen Börsengang mehrfach ausweitete. Deswegen war auch damit gerechnet worden, dass Anleger im Handel entsprechend beherzt zugreifen.

Quelle: ntv.de, dpa

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