Wirtschaft
Gibt es bald nur noch die Sendeanstalten Nord, Ost, Süd und West?
Gibt es bald nur noch die Sendeanstalten Nord, Ost, Süd und West?(Foto: picture alliance / dpa)

Aus neun mach vier?: ARD dementiert Senderzusammenlegung

Der Betrieb ihrer Landesrundfunkanstalten kostet die ARD jährlich Milliarden - Tendenz steigend. Einem Bericht zufolge plant die Senderspitze das "größte Reformprogramm" der Geschichte, um Kosten zu senken. Jetzt ist die Rede von "blankem Unsinn".

Die ARD dementiert einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach sie einen tiefgreifenden Umbau und die Zusammenlegung mehrerer Rundfunkanstalten plant. "Das ist blanker Unsinn und frei erfunden. Wir sind erstaunt, dass Sie diesen Quatsch ungeprüft publizieren", twitterte das Presseteam der ARD. "Die Spekulationen von 'Bild' und anderen über Fusionen von ARD-Landesrundfunkanstalten entbehren jeder Grundlage."

In einer Stellungnahme schreibt die Sendeanstalt weiter, die ARD-Intendantinnen und Intendanten hätten auf ihrer Sitzung in München beschlossen, einen Reformprozess einzuleiten, der in den Bereichen Produktion, Verwaltung, Technik und Programmerstellung Prozesse und Strukturen im Senderverbund optimiere. "Ziel ist, die Vielfalt der ARD zu erhalten und zu stärken, um weiter der verlässliche Qualitätsanbieter in der Gesellschaft zu sein."

ARD Süd, Nord, Ost und West?

Die "Bild"-Zeitung hatte vorher berichtet, eine von den Ministerpräsidenten eingesetzte Arbeitsgruppe befürworte eine Bündelung der bisherigen ARD-Sender zu vier größeren Anstalten. Den Plänen zufolge könnte es dann jeweils eine Sendeanstalt Süd, Nord, West und Ost geben.

Wer mit wem im Einzelnen fusioniere, sei noch offen, berichtete "Bild". Sicher sei nur, dass Radio Bremen mit dem NDR eine ARD Nord bilden würde; der RBB aus Berlin und Brandenburg würde Teil einer ARD Ost mit dem MDR werden.

"Wir stehen vor einem tiefgreifenden Reformprozess", sagte ARD-Chefin Karola Wille der Zeitung. "Wir müssen sehen, wie der ARD-Verbund weiter zusammen wachsen kann." Wille sprach vom "größten Reformprogramm" in der Geschichte der ARD. Die Sendergruppe werde sich verändern, weil sie sich verändern müsse.

Der RBB als Vorbild?

In einem ersten Reformschritt sollen laut "Bild"-Informationen vor allem Kosten gespart werden, weil die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - mit zurzeit mehr als acht Milliarden Euro jährlich - immer teurer werde. Experten sähen vor allem in den Bereichen Technik und Verwaltung großes Einsparpotenzial.

Nach Informationen des Blattes beschloss die ARD-Hauptversammlung in München, den "Fusionsexperten" Reinhard Binder als Leiter einer Projektgruppe "Strukturen und Prozesse" einzusetzen. Binder hatte vor 13 Jahren die Fusion der beiden Sender ORB und SFB zum Rundfunk Berlin Brandenburg gemanagt. Die ersten Ergebnisse der Projektgruppe sollen spätestens im September 2017 vorgestellt werden.

Das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Deutschlandradio wird über den Rundfunkbeitrag finanziert. Zurzeit zahlt jeder Haushalt 17,50 pro Monat. Langfristig dürften die Kosten aber deutlich steigen - voraussichtlich ab 2021 auf 19,40 Euro pro Haushalt und Monat.

Quelle: n-tv.de

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