Grassierende US-ZeitungskriseAderlass bei "Washington Times"
Die dramatische US-Zeitungskrise zwingt die konservative "Washington Times" zu drastischen Einschnitten: Das seit lange angeschlagene Hauptstadt-Blatt entlässt Dutzende Reporter, Redakteure und Fotografen, wie die konkurrierende "Washington Post" berichtet.
Die Sport- und Lokalteile würden als eigenständige Teile der 27 Jahre alten Zeitung aufgegeben, die in der Redaktion 170 Menschen beschäftigt. Die genaue Zahl der Entlassungen sei unklar. Bereits Anfang Dezember hatte das Management der Belegschaft eröffnet, dass rund 40 Prozent der Mitarbeiter gehen müssten.
Unterdessen verschärft sich die US-Zeitungskrise zusehends: Die Auflagen der Zeitungen sanken zwischen April und September 2009 um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Gesamtauflage der 379 größten US-Zeitungen habe Ende September wochentags nur noch 30,4 Millionen betragen, berichtete das Fachinstitut des US-Zeitungsverlegerverbands, "Audit Bureau of Circulations" (ABC), Ende Oktober. Im Halbjahr zwischen Oktober 2008 und März 2009 waren die Auflagen demnach lediglich um 7,1 Prozent gefallen.
Das "Wall Street Journal", (WSJ) das einen Schwerpunkt in der Wirtschafts-Berichterstattung hat, ist eine der wenigen Zeitungen, die zulegen konnten. Andere große Zeitungen mussten herbe Rückschläge hinnehmen: Die "New York Times" büßte bis September 2009 im Vergleich zum Vorjahr 7,3 Prozent ein. Auch die "Los Angeles Times" und die "Washington Post" verloren Leser. Die "Post" hatte unlängst die Schließung mehrerer Außenbüros in den USA angekündigt.
Die Zeitungen in den USA befinden sich schon seit mehreren Jahren in einer schweren Krise. Die Rezession hat sie noch verschärft. Zwölf US-Zeitungen sind laut dem Blog "Newspaper Death Watch" seit März 2007 vom Markt verschwunden. Seit mehr als zwei Jahren gehen auch die Werbeeinnahmen der Zeitungshäuser zurück. Als Folge der Zeitungskrise wurden seit 2007 nach Schätzungen weit über 10 000 Redakteure entlassen.