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Zeitenwende im Einzelhandel?: Aldi drängt in die Innenstadt

Die Konkurrenz riesiger Verbrauchermärkte auf der grünen Wiese brauchen alteingesessene Ladenbetreiber wohl nicht mehr lange fürchten. Der Wettbewerb kehrt zurück in die Fußgängerzonen. Der Discounter-Riese Aldi kündigt einen Strategiewechsel an.

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Der Discounter Aldi drängt mit seinen Filialen künftig auch in die Innenstädte. Der Einzelhandelsriese wolle damit auch eine Rolle bei der Nahversorgung in den Städten übernehmen, sagte Jan Riemann von der Aldi Süd Regionalgesellschaft Langenfeld.

Die neue Strategie spielt aus der Sicht des Einzelhändlers offensichtlich eine übergeordnete Rolle. Für die Nahversorgung will Aldi laut Rieman auch höhere Ausgaben in Kauf nehmen, wenn etwa für Warenanlieferungen in Innenstadtlagen nur kleinere LKW eingesetzt werden könnten. Der Schritt wäre für Aldi ungewöhnlich: Branchenkennern zufolge ist der Discounter ansonsten für strikte Kostendisziplin bekannt.

In den neuen Innenstadtfilialen sollen den Angaben Riemanns zufolge bei der Warenpräsentation auch Lebensmittel für den schnellen Verzehr wie Snacks, Fertigsalate oder gekühlte Fruchtsäfte besonders herausgestellt werden.

Deutschlands teuerste Ladenzeile

Von der Ausgestaltung des neuen Aldi-Filialkonzepts können sich Kunden und Wettbewerber schon bald mit eigenen Augen ein Bild machen: Zu Beginn kommender Woche will der Discounter eine neue Filiale an der Düsseldorfer Königsallee ("Kö") eröffnen. Unter Immobilienexperten zählt die Ladenzeile in der Düsseldorfer Innenstadt zu den teuersten und prestigeträchtigsten Einzelhandelsstandorten Deutschlands.

Bei manchem Beobachter kommen die Pläne des Discounter offenbar gar nicht gut an: In lokalen Medienberichten ist von einem Niedergang der Kö die Rede. Zuvor bereits hätten sich der Elektromarkt-Kette Saturn und der schwedische Textileinzelhändler H&M auf "Deutschlands teuerster Einkaufsstraße" breitgemacht. "Manche kritisieren, diese Filialisten nehmen der Kö ihren Charme", heißt es zum Beispiel in einem Beitrag von "Der Westen".

In der neuen Aldi-Filiale mit der noblen Adresse "Königsallee 106" werde künftig das Standardsortiment aus rund 1020 Artikeln "ohne Abweichung" angeboten, versichert Aldi Süd auf Anfrage. Neben dem Champagner für 12,99 Euro soll es an der Nobelmeile ab Frühsommer künftig also auch Salz für 19 Cent und Margarine für 39 Cent geben - ganz wie in jeder Filiale von Aldi Süd.

"Sie finden bei Aldi alle""

Wer mitten im Herzen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt auf ein trendiges Gourmet-Bistro oder auf eine schicke Sushi-Bar hofft, wird wohl enttäuscht. Immerhin ließ bereits die Baustelle Beobachtern zufolge erahnen, dass die Kunden statt eines düsteren Einkaufsbunkers ein heller Laden mit Glasfassade erwartet. Damit dürfte mit dem Luxus aber auch schon wieder Schluss sein.

Große Sorgen um die Kundschaft muss sich der Discounter nach Einschätzung von Konsumforscher Bernd Lochschmidt nicht machen: "Bei Aldi wird gekauft, egal in welcher Einkommensklasse. Sie finden bei Aldi alle", sagt der Experte der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die noble Adresse sei dabei für die Leute wohl nicht entscheidend.

Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg macht die auf möglichst geringe Kosten ausgerichtete Strategie des Discounters für das Festhalten am Einheitssortiment verantwortlich: "Die können nicht anders, als ihr Konzept beizubehalten", sagt er. Änderungen an seinem Standardsortiment seien für den Discounter viel zu teuer.

Luxus auf der anderen Straßenseite

Wenig wahrscheinlich seien auch weitere Expansionspläne in die Innenstädte. Vermutlich handele es sich bei der neuen Filiale um eine Art Flaggschiff, meint er. "Es geht darum, auch in Premium-Lagen das klassische Aldi-Sortiment zu präsentieren", sagt er.

Der zuständige Düsseldorfer Bezirksvorsteher Walter Schmidt meint, bei dem neuen Laden gehe es mehr um die Versorgung der Einwohner und der Beschäftigten in den Büros des angrenzenden Stadtteils Friedrichstadt. "Ich sehe das nicht als Einkaufsmekka für die Kö-Kunden", sagt er. Immerhin ist der neue Laden durch eine vierspurige Straße von der berühmten Kö-Promenade getrennt.

Quelle: n-tv.de

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