Wirtschaft
Montag, 02. Mai 2011

Das Leben wird immer teurer: Aldi hebt den Milchpreis an

Nach Sprit, Tabak, Heizöl und Kaffee werden nun auch Milch und viele Milchprodukte teurer. Die Supermarktkette Aldi macht den Anfang und verlangt künftig für Trinkmilch aus dem Kühlregal 4 Cent je Liter mehr. Experten sind sich sicher: Weitere Handelsriesen dürften folgen.

Der Anfang ist gemacht: Die Konkurrenz wird nachziehen. Die Erzeuger sehen von den neuen Preisen wenig.
Der Anfang ist gemacht: Die Konkurrenz wird nachziehen. Die Erzeuger sehen von den neuen Preisen wenig.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Milch wird nach einem Jahr weitgehend stabiler Preise spürbar teurer. Der führende deutsche Discounter Aldi hob nach Informationen aus Branchenkreisen zu Wochenbeginn die Preise für Trinkmilch um 4 Cent je Liter an. Das sind bis zu 8 Prozent mehr. In der jüngsten Verhandlungsrunde zwischen den einzelnen Handelskonzernen und Molkereien über Halbjahresverträge geht Aldi am Kühlregal voran. Auch bei einigen Milchprodukten wie Sahne, Magerquark und Kondensmilch erhöhte Aldi laut Marktbeobachtern Preise. Bei Aldi Süd wollte man sich zunächst nicht zu dem Thema äußern.

Der Schritt bei Aldi hat große Signalwirkung für den gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel. An der Preisgestaltung der großen Discounter orientieren sich vor allem auch Supermärkte in der untersten Preislage. Ebenso wie Aldi hielt sich auch der größte Lebensmittelhändler in Deutschland, Edeka, mit einer Stellungnahme zum Thema Milchpreis zurück, ebenso der Aldi-Rivale Lidl.

Milchprodukte gehören zu den Artikeln, die häufig gekauft werden und damit im Fokus der Verbraucher stehen. Beobachter gehen davon aus, dass auch andere große Lebensmittelhändler in den nächsten Tagen Preisanhebungen vornehmen werden. "Milch ist knapper geworden. Damit steigen die Einkaufspreise", sagte ein Rewe-Sprecher. Konkrete Angaben, ob und wann bei Rewe die Preise für Milchprodukte am Regal steigen, machte er nicht.

Ist der Weltmarkt wirklich schuld?

Ursprünglich waren zumindest einzelne Molkereien nach Information der "Lebensmittel Zeitung" mit der Forderung nach fast 20 Prozent Plus in die Verhandlungen gegangen. So sei bei der Trinkmilch anfangs von bis zu 8 Cent mehr pro Liter die Rede gewesen sein. Bis zur letzten Minute hätten Molkereien und Handel um neue Kontrakte für das Milchbasis-Sortiment gerungen. Bis Mitte vergangenen Woche seien erst wenige Verträge für Lieferungen ab 1. Mai zu neuen Konditionen unter Dach und Fach gewesen.

Das Vorgehen der Branche lenkt Licht auf interessante Details der Preisgestaltung: Weil die Konkurrenz Sorge habe, dass Aldi die höheren Einkaufspreise nicht vollständig weitergebe, wollte sie laut Zeitung am liebsten warten, bis der neue Aldi-Preis am Regal steht. Als Hintergrund für die aktuellen Preiserhöhungen wird unter anderem eine hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt angeführt. Aufgrund der hohen Transortkosten und der Anforderungen an Frische, Qualität und Haltbarkeit zählt Milch allerdings nicht zu den klassischen Exportprodukten.

Der Preisanstieg im Supermarkt weckt auch unter deutschen Bauern neue Hoffnung: Die Milcherzeuger hoffen nun auf weiter steigende Auszahlungen für ihre Rohmilch. "Wenn das ein Cent mehr wird, können wir froh sein", sagte Gerd Krewer, Vize-Geschäftsführer der Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW. Nur 30 Prozent der Rohmilch werde in Deutschland zu Trinkmilch verarbeitet.

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Quelle: n-tv.de

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