Dell-Gewinnsprung nur RundnotizAngst vor Lieferengpässen
Was Hewlett-Packard kann, kann Dell schon lange. Nach diesem Motto meldet auch der drittgrößte Computerkonzern der Welt einen über den Markterwartungen liegenden Gewinnschub im abgelaufenen Quartal. Es gibt dennoch ein Problem.
Der US-Hardwarehersteller Dell hat im ersten Quartal dank eines starken Geschäfts mit Servern, Speichern und Dienstleistungen für Unternehmenskunden Umsatz und Gewinn erhöht. Für den Berichtszeitraum per Ende April wies der Konzern ein Nettoergebnis von 441 (290) Mio. Dollar oder 0,22 (0,15) Dollar je Anteilsschein aus.
Der Umsatz kletterte auf 14,9 (12,3) Mrd. Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,30 Dollar. Analysten hatten lediglich mit einem Gewinn je Aktie von bereinigt 0,26 USD und einem Umsatz von 14,3 Mrd. Dollar gerechnet. Enttäuscht zeigte sich der Markt allerdings über die fallende Bruttogewinnmarge von Dell. Die Aktie ermäßigte sich nachbörslich um 2,9 Prozent auf 13,90 Dollar.
BRIC-Länder überzeugen
Gut liefen für Dell die Geschäfte im ersten Quartal in den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China). Der Umsatz in diesen Regionen kletterte um 60 Prozent. In Indien berichtete Dell ein Umsatzwachstum von 90 Prozent, in Brasilien von 81 Prozent und in China von 44 Prozent. Brian Gladden, Finanzvorstand von Dell sagte, im ersten Quartal habe man das verbesserte wirtschaftliche Umfeld gespürt.
Der weltgrößte Technologiekonzern und Dell-Konkurrent Hewlett-Packard (HP) hatte am Dienstag ebenfalls ein überraschend gutes Quartalsergebnis vorgelegt. Unter dem Strich verdiente HP im zweiten Vierteljahr 2,2 Mrd. Dollar - ein Plus von gut 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit zahlte sich für Hewlett-Packard die breite Aufstellung in der Konjunkturerholung kräftig aus.
Dell optimistisch, aber ...
Zur erwarteten weiteren Geschäftsentwicklung hieß es von Dell, man sei optimistisch, dass der Wachstumstrend auch für den Rest des Jahres anhält. Es gebe erste Anzeichen, dass in der IT-Branche eine Erneuerungsphase beginne. Einen konkreten Umsatz- und Gewinnausblick gab der Konzern aus dem texanischen Round Rock nicht.
In der Sparte Geschäftskunden berichtete der weltweit drittgrößte Computerhersteller nach Hewlett-Packard und Acer ein Umsatzwachstum von 25 Prozent auf 4,2 Mrd. Dollar. In diesem Segment kletterte der Server-Umsatz um 15% und der Umsatz mit Dienstleistungen um 44 Prozent. Während der Finanzkrise hatten viele Unternehmen auf Investitionen verzichtet und entsprechend groß ist jetzt der Nachholbedarf. Im Geschäft mit den Privatkunden wuchs der Umsatz um 16 Prozent auf 3,2 Mrd. Dollar.
Margendruck
Einen Schatten auf die Bilanz wirft nach Einschätzung von Beobachtern allerdings, dass die Bruttogewinnmarge auf 16,9 Prozent von 17,6 Prozent gesunken ist und damit deutlicher als am Markt erwartet zurückging. Gladden erklärte, es habe Lieferengpässe bei Komponenten gegeben und man habe auf teure Teil zurückgreifen müssen. Er verwies auch auf einen größeren Anteil an weniger profitablen Produkten. In den ersten drei Monaten seien dünne, leichte Laptops mit mobilen Internetlösungen nachgefragt worden, deren Preise im Schnitt allerdings gesunken seien. Das habe die Profitabilität in diesem Segment reduziert.
Nach Einschätzung von Branchenkennern sind auch die Kosten bei Dell höher als bei den Wettbewerbern, denn der Konzern baut weiterhin seine Computer in eigenen Werken. In den ersten drei Monaten lagen die operativen Kosten bei 1,9 Mrd. Dollar. Die Produktpalette von Dell umfasst unter anderem PCs, Notebooks, Speichersysteme, Monitore, Server, Drucker sowie Unterhaltungselektronik. Dell vertreibt seine Produkte vorwiegend direkt. Die Produkte werden dabei erst gebaut, nachdem der Kunde seine Bestellung aufgegeben hat.