Wirtschaft
Der designierte Co-Chef der Deutschen Bank Anshu Shain kann zufrieden sein. Der gebürtige Inder verdient gut doppelt so viel wie Deutschlandchef Jürgen Fitschen, der als sein Sparringpartner an die Spitze der größten deutschen Bank rücken soll.
Der designierte Co-Chef der Deutschen Bank Anshu Shain kann zufrieden sein. Der gebürtige Inder verdient gut doppelt so viel wie Deutschlandchef Jürgen Fitschen, der als sein Sparringpartner an die Spitze der größten deutschen Bank rücken soll.(Foto: REUTERS)

Ackermann geht mit Gehaltsplus: Anshu Jains Bezüge sinken

Wasser auf die Mühlen der Kritiker von Spitzengehältern: Noch-Bank-Chef Ackermann kassiert auch in seinem letzten vollständigen Jahr auf dem Chefsessel ein hohes Millionengehalt. Nachfolger Jain kann zwar nicht klagen, muss sich wegen des schwachen Investmentbankings aber mit weniger zufrieden geben als im Jahr zuvor.

Ackermanns Gesamtverdienst bleibt mit rund 6,3 Mio. Euro praktisch stabil.
Ackermanns Gesamtverdienst bleibt mit rund 6,3 Mio. Euro praktisch stabil.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Gewinneinbruch im Investmentbanking spiegelt sich auf dem Gehaltszettel des künftigen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain wider. Der bisherige Chef-Investmentbanker musste 2011 Einbußen hinnehmen: Insgesamt verdiente er 9,77 Mio. Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 11,9 Mio. gewesen, wie die Deutsche Bank in ihrem Geschäftsbericht mitteilte.

Der scheidende Bankchef Josef Ackermann konnte dagegen mit 9,35 Mio. Euro etwas mehr kassieren als 2010 (8,98 Mio.). Mit VW-Chef Martin Winterkorn können allerdings weder Ackermann noch Jain mithalten: Winterkorn verdiente 2011 mehr als 17,4 Mio. Euro und dürfte damit der Spitzenreiter unter den Dax-Vorständen sein.

Die Vergütungen von Jain und Ackermann enthalten auch Bonus-Ansprüche in bar, die die Manager in diesem Jahr erworben haben, die aber erst in den nächsten Jahren - gekoppelt an den langfristigen Erfolg des Unternehmens - ausbezahlt werden.

Neben Jain müssen auch die übrigen Vorstandsmitglieder zurückstecken: Insgesamt zahlt die Deutsche Bank 2011 ihrem Vorstand 26,4 Mio. Euro Gehalt. Das ist weniger als 2010. Im Jahr zuvor flossen noch rund 6 Mio. Euro mehr in die Taschen der Vorstände. Hinzu kommt eine zeitverzögerte, aktienbasierte Vergütung, die sich auf insgesamt 15,1 Mio. Euro beläuft. "Dies ist eine hinausgeschobene, verfallbare Cash-Komponente, die mit einer zusätzlichen Haltefrist versehen ist", erläuterte ein Sprecher.

2011 hatten die Verwerfungen an den Kapitalmärkten im Zuge der Euro-Schuldenkrise der Deutschen Bank arg zugesetzt. Wegen schwacher Geschäfte im Investmentbanking lag der Vorsteuergewinn im Konzern nur bei 5,4 Mrd. Euro - etwa die Hälfte dessen, was sich Ackermann in seinem letzten Amtsjahr eigentlich vorgenommen hatte. Ackermann hatte im Februar betont, "zehn Milliarden Euro plus" sei weiter eine realistische Größenordnung für Deutschlands größtes Geldhaus. 2012 sei es dafür aber noch zu früh.

Die Spitzengehälter der Dax-Chefs sind in der Öffentlichkeit zunehmend umstritten. Umfragen ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen die Millionengehälter selbst dann nicht für gerechtfertigt hält, wenn die Unternehmen einen satten Profit erwirtschaften. Insgesamt liegen die Vorstandsgehälter laut einer Towers Watson-Studie 14 Prozent höher als im Vorjahr.

Keine Gewinnprognose für 2012

Eine konkrete Gewinnprognose scheute die Bank für 2012. Das Geschäft der Banken wird auch in den nächsten zwei Jahren stark durch makroökonomische Entwicklungen sowie regulatorische Veränderungen beeinflusst werden", hieß es lediglich.

"Dementsprechend ist in Europa bei einer andauernden europäischen Staatsschuldenkrise für die Branche insgesamt mit einem Rückgang der Erträge und Ergebnisse zu rechnen, während in den USA ein Wachstumsrückgang die Profitabilität beeinflussen dürfte." Vor allem im Investmentbanking dürfte die Volatilität hoch bleiben.

Die Börse zeigte sich von den Molltönen unbeeindruckt: Die Deutsche-Bank-Aktie notierte im frühen Handel wie der Gesamtmarkt knapp ein Prozent im Minus.

Jain übernimmt das Ruder an der Konzernspitze zusammen mit dem bisherigen Deutschland-Chef Jürgen Fitschen zur Hauptversammlung am 31. Mai. Den Vorstand haben die beiden Manager bereits nach ihren Vorstellungen umgebaut, er wird ab Juni jünger und internationaler.

Um das Haus besenrein zu übergeben, räumt Ackermann derzeit noch in mehreren Rechtsstreitigkeiten auf und handelt Vergleiche aus. Der Rechtsstreit mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch geht allerdings weiter. Hier lehnte der Bankvorstand einen fertig ausgehandelten Vergleich über gut 800 Mio. Euro unlängst als zu teuer ab.

Ackermann schafft sattes Kapitalpolster

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In seinem letzten Amtsjahr sorgte Ackermann auch dafür, dass die Deutsche Bank für die anhaltend schwierigen Zeiten in der Wirtschaft ein bequemes Kapitalpolster hat. "Unsere Kapitalquoten waren zum Jahresende 2011 so hoch wie noch nie", schrieb der Ende Mai scheidende Vorstandschef in seinem Brief an die Aktionäre. Damit sei Deutschlands größte Bank besser als jemals zuvor für Zeiten knapper Liquidität gerüstet.

Die Kernkapitalquote stieg im Jahresverlauf 2011 von 8,7 Prozent auf 9,5 Prozent und lag damit über den Anforderungen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Die Liquiditätsreserven legten um 69 Mrd. Euro auf 219 Mrd. Euro zu und erreichten ebenfalls einen neuen Rekordstand.

Die Banken stünden in den nächsten zwei Jahren vor gewaltigen Herausforderungen, heißt es im Geschäftsbericht weiter. Sie müssten höhere Kapitalpuffer aufbauen und sich auf ein deutlich strengeres regulatorisches Umfeld einstellen, das ihnen in einigen Fällen eine Umstellung der Geschäftsmodelle abverlangt und sie zwingt, sich an ein dauerhaft geringeres Profitabilitätsniveau anzupassen.

In diesem schwierigen Umfeld will die Deutsche Bank im Jahr 2012 und darüber hinaus von ihrer Aufstellung als Investmentbank und Marktführer im Heimatmarkt durch stabilere Erträge und einen ausgeglicheneren Ergebnismix weiter profitieren.

Zudem wird die Deutsche Bank eine ausgewogene Dividendenpolitik beibehalten, kündigte das Finanzhaus an. Für 2011 will die Bank eine Dividende von 75 Cents zahlen.

Ermittlungen wegen Libor-Manipulation

Wie ebenfalls aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, wird gegen die Deutsche Bank wegen möglicher Manipulationen von Interbanken-Zinssätzen ermittelt.

Mögliche illegale Absprachen des Libor- und des Euribor-Zinssatzes durch große Banken sind seit dem vergangenen Jahr weltweit Gegenstand von Ermittlungen. Bei einer Razzia der EU-Kommission war im Herbst auch die Deutsche Bank in London durchsucht worden.

"Die Deutsche Bank kooperiert mit den Behörden hinsichtlich dieser Untersuchungen", hieß es im Geschäftsbericht. Neben den Strafverfahren hätten angeblich Geschädigte eine ganze Reihe von zivilrechtlichen Einzel- und Sammelklagen in den USA gegen die Bank eingereicht. Sie hätten mit Derivaten gehandelt, die auf dem - angeblich manipulierten - Libor beruhten. Die Verfahren seien aber noch in einem frühen Stadium, betonte die Bank.

 

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Quelle: n-tv.de

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