Geschäftsbetrieb in der InsolvenzArcandor braucht schnell Geld
Der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor braucht aller Voraussicht nach rasch einen Überbrückungskredit, um den Geschäftsbetrieb in der Insolvenz aufrechtzuerhalten. Arcandor komme höchstwahrscheinlich nicht ohne dieses bei Insolvenzen übliche Massedarlehen aus, verlautete aus Unternehmenskreisen.
Der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor braucht aller Voraussicht nach rasch einen Überbrückungskredit, um den Geschäftsbetrieb in der Insolvenz aufrechtzuerhalten. Arcandor komme höchstwahrscheinlich nicht ohne dieses bei Insolvenzen übliche Massedarlehen aus, verlautete aus Unternehmenskreisen. Ein Arcandor-Sprecher sagte, eine Entscheidung über einen Massekredit, seine Höhe und die kreditgebenden Banken werde in Kürze fallen.
Mit einem Massekredit wird der Geschäftsbetrieb insolventer Unternehmen am Laufen gehalten. Möglich wäre grundsätzlich, dass sich Arcandor dafür um eine Staatsbürgschaft bemüht. Meist ist dies nicht nötig, weil der Massekredit aus der Insolvenzmasse vorrangig vor allen anderen Forderungen bedient wird und daher das Risiko für die Banken relativ gering ist. Ein solcher Kredit muss in der Regel binnen weniger Tage zur Verfügung stehen.
Nach einem "Spiegel"-Bericht ist die Bundesregierung bereit, eine Unterstützung wohlwollend und schnell zu prüfen. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums hatte gesagt, die Möglichkeit eines vom Staat verbürgten Massekredits bestehe grundsätzlich.
Eick will das Ganze erhalten
Arcandor hatte am vergangenen Dienstag Insolvenzantrag gestellt, nachdem die Bundesregierung öffentliche Bürgschaften und Kredite verweigert hatte. Die Aktie hatte mit der sich abzeichnenden Insolvenz in den vergangenen Wochen enorm an Wert verloren. Nun schwankt das Papier bei positiven wie negativen Nachrichten stark.
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick will den Konzern trotz der Insolvenz mit seinen drei Säulen Warenhaus, Versandhandel und Touristik als Ganzes erhalten. Grundlage der Rettungsbemühungen ist der im April vorgelegte Sanierungsplan, den das Management nun mit dem Insolvenz-Experten Horst Piepenburg überarbeitet. Piepenburg, den der Vorstand zum Generalbevollmächtigten bestellt hat, sagte, alle Beteiligten seien eingeladen, an dem Konzept mitzuwirken.
Mit dem Insolvenzantrag sei Arcandor nun nicht mehr unter Zeitdruck, Bankverbindlichkeiten abzulösen, und erhalte durch das Insolvenzgeld bis einschließlich August zusätzliche Zeit, bekräftigte der Experte im WDR. Alle Maßnahmen umzusetzen könne bis weit ins nächste Jahr dauern.