"Mitarbeiter fühlen sich verarscht"Attacken gegen Görg
Mitarbeiter und Lieferanten von Quelle haben Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg für den Umgang mit dem ehemals größten Versandhändler Europas kritisiert.
Das abrupte Aus für Quelle vor drei Wochen habe die Belegschaft völlig überrascht, nachdem Görg Hoffnungen auf einen Investor geschürt habe, sagten Betriebsräte auf der Gläubigerversammlung in Essen.
"Die Mitarbeiter fühlen sich von ihnen verarscht", sagte ein Redner. Betriebsratschef Ernst Sindel warf Görg vor, bei vielen Entlassungen "menschenunwürdig" agiert zu haben. Es gehe um die "Aufarbeitung einer Katastrophe".
Mehrere Lieferanten forderten die Einsetzung eines Sonder- Insolvenzverwalters, um Görgs Vorgehen unter die Lupe zu nehmen. Die meisten, die Quelle nach der Insolvenzeröffnung im September noch beliefert hatten, werden leer ausgehen oder müssen lang auf die Bezahlung ihrer Ware warten, weil Görg Masseunzulänglichkeit angemeldet hatte. Normalerweise werden Rechnungen aus der Zeit der Insolvenz vorrangig beglichen. Nun müssen sie sich in die Reihe der übrigen Lieferanten einreihen.
Görgs Mitarbeiter Hans-Gerd Jauch rechtfertigte den Schritt. Andernfalls hätte sich Quelle nicht einmal den Ausverkauf mehr leisten können. Dann hätten alle 3400 Mitarbeiter sofort freigesetzt und das Warenlager sich selbst überlassen werden müssen. Die Abwicklung des Schlussverkaufs verschlinge im Monat 30 Millionen Euro, sagte ein Sprecher Görgs. Die Jagd auf die Waren laufe auf Hochtouren. Im Logistikzentrum in Leipzig würden bis zu 250.000 Teile pro Tag ausgeliefert. Die Kunden haben im Schlussverkauf 14 Tage Zeit zu zahlen.
Nur zwei Stunden Schlaf
Görg selbst wies den Vorwurf mangelnden Einsatzes für Quelle zurück. "Ich bin in den vier Wochen nach dem Insolvenzantrag im Dauereinsatz allein für die Quelle gewesen." Er habe nur zwei Stunden am Tag geschlafen, sagte der 68-Jährige.
Nachdem eine geordnete Sanierung des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor gescheitert war, habe er überlegt, sein Mandat niederzulegen. Jauch sagte: "Wir haben alles völlig richtig gemacht, es hat nur nicht geklappt." Der milliardenhohe Bedarf an frischem Kapital für die Finanzierung des laufenden Geschäfts habe die Investoren abgeschreckt. Von vieren hatte keiner ein Gebot eingereicht.
HSE 24 an Finanzinvestor
Die 10.000 Quelle-Gläubiger, die Forderungen von rund 1,6 Mrd. Euro angemeldet haben, müssen auf die Zahlungsmoral der letzten Quelle-Kunden hoffen. Die 270 Mio. Euro, die die Factoring-Bank Valovis als Sicherheit einbehalten hat, seien der größte Vermögenswert in der Insolvenzmasse. Erst wenn - voraussichtlich 2012 - die Ansprüche der Bank befriedigt seien, fließe der Rest an die Gläubiger, sagte Jauch.
Die restlichen Teile der Versandhandels-Holding Primondo werden nun einzeln verkauft. Für die "Quelle"-Markenrechte und das Russlandgeschäft hat der Hamburger Rivale Otto 65 Mio. Euro bezahlt, für den Einkaufssender HSE 24 legt ein Finanzinvestor 180 Mio. Euro hin. Der Verkauf von "Küchen Quelle" sei angelaufen, sagte Betriebsrat Sindel, der auch in den Gläubigerausschuss gewählt wurde. Für die Österreich-Tochter hat sich dagegen noch kein Käufer gefunden. Sie steht nach eigenen Angaben ebenfalls vor dem Konkurs.