Mittwoch, 17. Juni 2009
British Airways in Not: Aufruf zu Gehaltsverzicht
British Airways bittet die Mitarbeiter um Verzicht auf ihr Gehalt.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Der Stolz der britischen Luftfahrtindustrie, British Airways (BA), steckt in gewaltigen Finanzproblemen. Ein "Kampf ums Überleben" stehe der Fluggesellschaft bevor, schreibt BA-Chef Willie Walsh in einer E-Mail an die mehr als 30.000 Mitarbeiter in Großbritannien. Wie mehrere Medien aus dem Appell zitierten, ruft Walsh die Mitarbeiter auf, eine Woche bis einen Monat entweder umsonst oder gar nicht zu arbeiten. Er selbst verzichte im Juli auf sein Gehalt - umgerechnet 75.000 Euro im Monat.
"Ich ersuche jede einzelne Firmenabteilung, ihren Beitrag in irgendeiner Form bei dieser kosteneffektiven Maßnahme zu leisten, um beim Überlebensplan der Firma zu helfen", schreibt Walsh. "Es zählt wirklich." Walsh hatte in den vergangenen Wochen schon mit den Gewerkschaften über geringeren Lohn und Gehalt gesprochen. Am Mittwoch will die Gesellschaft Details über umfassende Pläne zu Einschnitten bei Gehalts und Steigerung der Rentabilität vorlegen.
Freiwilliger Gehaltsverzicht
BA-Chef Willie Walsh: British Airways kämpft ums Überleben.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Ein BA-Sprecher bestätigte den Versand der E-Mail Ende vergangener Woche. Das Unternehmen habe sich kein Sparziel mit dem freiwilligen Gehaltsverzicht gesetzt. Es hoffe, dass so viele der mehr als 30.000 angeschriebenen Mitarbeiter wie möglich daran teilnehmen. Für etliche Beschäftigte sei es aber ein Bonus, weil sie so extra Sommerurlaub bekommen.
Die rot-blaue Airline mit dem Funkrufzeichen "Speedbird" steht vor einem Berg von Problemen. Umsatz, Passagierzahlen und Ansehen sind auf einem Tiefstand. "Aggressive" Gegenmaßnahmen wie der Gehaltsverzicht seien vor einem Monat gestartet worden, sagte der Sprecher.
Ramponiertes Image
Die Aktie befindet sich seit Monaten auf Sinkflug. Die Aktionäre zeigten sich am Dienstag leicht erfreut über die mögliche Einsparung. Der Wert der Aktie stieg minimal auf 137 Pence - jedoch halb so viel wie im vergangenen August.
British Airways hatte für das abgelaufene Geschäftsjahr (31. März) einen Rekordverlust vor Steuern von umgerechnet 470 Millionen Euro verbucht. Im Mai brachen die Passagierzahlen um 7,3 Prozent ein; vor allem die First- und Business-Class, die hohe Einnahmen versprechen, hatte es in der Rezession getroffen.
Auch das Image ist ramponiert: Erst attackierten Umweltschützer die Fluggesellschaft, Jumbos mit geringster Auslastung über den Atlantik zu schicken. Dann war die Eröffnung des neuen Terminals am Londoner Flughafen Heathrow, den BA exklusiv nutzt, ein Desaster.
Sebastian Döring, dpa
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