Wirtschaft

Unverbindliche Gebote abgegebenBHF-Verkauf kommt voran

16.08.2010, 18:26 Uhr

Die Deutsche Bank bekommt zahlreiche unverbindliche Gebote für die zum Verkauf stehende BHF-Bank. Bis das Institut einen neuen Besitzer hat, wird wohl noch viel Zeit vergehen.

zentrale-03
(Foto: BHF-BANK Aktiengesellschaft)

Die Frankfurter BHF-Bank stößt bei möglichen Käufern auf wenig Begeisterung. Das seit Jahresbeginn zur Deutschen Bank gehörende Institut müsse von einem neuen Eigentümer gründlich umgebaut werden, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters mehrere Investmentbanker und Berater. Viele Bieter seien nur an Teilen der BHF-Bank interessiert.

Die Deutsche Bank, die die BHF-Bank als Ganzes verkaufen will, zog intern eine positive Zwischenbilanz: "Die Bank ist mit dem Verlauf der ersten Runde sehr zufrieden, sowohl was die Zahl der Offerten als auch das damit verbundene Konzept betrifft", heißt es.

Am Montag waren die ersten Gebote fällig gewesen. Zu den Banken, die eine unverbindliche Offerte abgegeben haben, gehört die liechtensteinische LGT, wie in Kreisen des Instituts verlautete.

Die Deutsche Bank versucht eine Zerschlagung - auch unter einem neuen Eigentümer - zu vermeiden, weil das ein schlechtes Licht auf sie werfen könnte. "Es wird keinen Teilverkauf geben", sagte ein mit dem Prozess vertrauter Banker.

Die Deutsche Bank erhofft sich einen Preis von mehr als 650 Mio. Euro - so hoch ist der Buchwert der BHF-Bank. Mit dem Geld könnte sie einen Großteil des Preises für Sal. Oppenheim refinanzieren. Die BHF-Bank gehörte seit 2004 zu der Kölner Privatbank, die im vergangenen Jahr von der Deutschen Bank aufgefangen werden musste. Der Verkaufsprozess dürfte aber nicht vor dem Jahresende abgeschlossen sein.

"Das ist keine einfache Geschichte", sagte ein Frankfurter Banker, der die Verkaufsunterlagen geprüft hat. Am eifrigsten hatte die LGT den Finger gehoben, die dem liechtensteinischen Fürstenhaus gehört. Sie könnte die BHF-Bank als Stützpunkt in Deutschland nutzen. Ihr altes Geschäftsmodell, reiche Kunden nach Liechtenstein zu locken, ist angesichts der Debatte um Steuerhinterziehung ins Zwielicht geraten. Deshalb könnte sie auch den weniger belasteten Namen BHF beibehalten. Die LGT wollte sich zum Thema BHF nicht äußern.

Zu den möglichen Bietern waren - aus ähnlichen Gründen - auch Schweizer Groß- und Privatbanken wie Julius Bär, Vontobel und UBS gezählt worden. Einige von ihnen haben bereits abgewinkt. Die französische BNP Paribas könnte mit Hilfe der BHF in Deutschland ins Geschäft mit vermögenden Privatkunden einsteigen. Auch die Düsseldorfer HSBC Trinkaus wäre nur am Privatkundengeschäft interessiert. Finanzinvestoren wie Permira sieht die Deutsche Bank als Bieter Kreisen zufolge aber kritisch.

Die von der Deutschen Bank versandten Unterlagen sorgten bei vielen Bankern für Stirnrunzeln. "Ein Kauf würde nur für eine ausländische Bank Sinn machen, die in Deutschland noch nicht in der ganzen Breite aufgestellt ist", sagte ein Investmentbanker. Die BHF beschäftigt 2000 Mitarbeiter. "Das ist eine kleine Universalbank." Das erschwere eine Zerschlagung. Andererseits könnten nur Großbanken Einspareffekte realisieren, mit denen sich ein Kauf der BHF-Bank lohnen würde. "Das ist ein Sammelsurium. Da stellt sich die Frage, ob das zu uns passen würde", meinte ein Vertreter einer ausländischen Privatbank.

Das Institut sei über Jahre vernachlässigt worden. "Da sieht es immer noch aus wie vor zehn Jahren", sagte ein Banker. Auch die IT sei Stückwerk, in sie müsste viel investiert werden, wenn die BHF-Bank nicht in ein bestehendes Institut integriert werden könnte.

Die Aussichten, die die Deutsche Bank skizziere, seien wenig verlockend, sagten Banker. Es sei kaum absehbar, wann die BHF-Bank wenigstens die Kapitalkosten verdienen könne. Die Bank habe geringe Margen, was den Wert des verwalteten Vermögens in Zweifel ziehe. Ende 2009 hatte die BHF-Bank ein Kundenvermögen von 43 Mrd. Euro ausgewiesen. Der Vorstand selbst hatte im Geschäftsbericht auf die verschlechterten Ertragsperspektiven hingewiesen. Kostensenkungen stünden im Vordergrund. Der Gewinn war 2009 auf 13 Mio. Euro gesunken, im Kerngeschäft schrieb die BHF-Bank sogar Verlust.

Quelle: rts