Montag, 21. Dezember 2009
Chefwechsel bei Sal Oppenheim: BaFin macht Druck
Die Führung der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim muss Kreisen zufolge auch auf Druck der Finanzaufsicht BaFin abtreten. Im Sog der Finanzkrise schreibt Sal. Oppenheim erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg rote Zahlen.Noch in dieser Woche werde Bankchef Matthias Graf von Krockow seinen Posten räumen, zitieren Zeitungen wie das "Handelsblatt" und "Die Welt" aus Bankenkreisen. Die drei anderen Geschäftsführer Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim und Dieter Pfundt würden dann Anfang nächsten Jahres zurücktreten. "Die neue Führungsmannschaft steht bereits fest.", sagte einer der Insider. Neuer Bankchef werde Wilhelm von Haller, den die Deutsche Bank vor Kurzem als Generalbevollmächtigten zu ihrer baldigen Luxemburger Tochter geschickt hatte.
Gescheitert an Arcandor & Co
Sal Oppenheim hatte sich vor allem mit seinen Beteiligungen an Krisenunternehmen wie dem mittlerweile insolventen Arcandor-Konzern verhoben. Allein im ersten Halbjahr 2009 soll sich der Verlust auf mehr als 300 Mio. Euro summieren.
Angesichts der Schieflage äußerte die BaFin Finanzkreisen zufolge Zweifel an der Befähigung der Geschäftsleitung, eine Bank führen zu können. Die Untersuchungen der Aufsichtsbehörde beziehen sich unter anderem auf eine von den Beamten als "fragwürdig" kritisierte Kreditvergabe-Politik des Geldhauses. "Den vier Top-Bankern droht der Entzug der Lizenz", sagte eine mit den Prüfungen vertraute Person. Sal. Oppenheim, die Deutsche Bank und die BaFin lehnten eine Stellungnahme ab.
Ursprünglich sollte der Führungswechsel bei Sal. Oppenheim erst mit dem Abschluss der Übernahme des Instituts durch die Deutsche Bank im ersten Quartal über die Bühne gehen. "Die BaFin-Zweifel haben hier aber für Tempo gesorgt", sagte ein Insider. Die Deutsche Bank erwirbt die gut 220 Jahre alte Traditionsbank für mehr als eine Milliarde Euro. Einige Bereiche, wie das Investmentbanking der Luxemburger, sollen verkauft werden. Die Deutsche Bank interessiert sich nur für das Geschäft mit reichen Privatkunden. Der neue Sal.-Oppenheim-Chef von Haller gilt als sehr gut verdrahtet im Kreis der mittelständischen Firmenkunden und deren jeweiligen Eigentümer-Familien.
rts
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