Güterverkehr auf dem PrüfstandBahn nimmt Fahrt auf
Die Deutsche Bahn nimmt sich für das kommende Jahr viel vor. Der bundeseigene Konzern einen Konzerngewinn einfahren. Den größten Gewinn soll das subventionierte Schienennetz machen. Der dahindümpelnde Güterverkehr wird einer intensiven Prüfung unterzogen.
Trotz Rezessionsgefahren und der Krise im deutschen Güterverkehr will die Deutsche Bahn im kommenden Jahr einen Rekordgewinn einfahren. Das Betriebsergebnis soll internen Unterlagen zufolge rund 2,75 Milliarden Euro betragen und damit um rund ein Fünftel im Vergleich zu 2011 steigen. Der Umsatz soll erstmals die 40-Milliarden-Euro-Grenze knacken, wie aus internen Bahnzahlen hervorgeht.
Wichtigste Sparten werden demnach das staatlich subventionierte Schienennetz mit rund einer Milliarde Euro Gewinn sein sowie der ebenfalls mit Steuergeldern gestützte Nahverkehr mit ähnlichem Ergebnis. Bis 2016 soll es weiter aufwärtsgehen: Der Umsatz soll an der 50-Milliarden-Grenze kratzen und der Gewinn noch schneller auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Der Konzern wollte sich nicht zu den Angaben äußern.
In diesem Jahr wird das bundeseigene Unternehmen den Planungen zufolge ihr Gewinnziel mit einem Betriebsgewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,3 Milliarden Euro leicht verfehlen, was vor allem auf die Güterbahn zurückzuführen ist. Der Umsatz des Konzerns soll 38,4 Milliarden Euro betragen. Ab 2012 soll auch die Rendite auf das eingesetzte Kapital wieder die Marke von acht Prozent überschreiten. Dies gilt als eine Schwelle, um einen Börsengang möglich zu machen. Bis 2014 soll die Marke von zehn Prozent erreicht werden. In dieser Wahlperiode ist ein Börsengang vom Bund allerdings nicht mehr geplant.
Angesichts der massiven Probleme des Schienengüterverkehrs in Deutschland sind die Planungen für die Güterbahn zusammengestrichen worden: Sie soll 2012 noch 160 Millionen Euro Gewinn liefern, nachdem eigentlich über 200 Millionen geplant waren. In diesem Jahr fährt die Güterbahn zwar wieder in die schwarzen Zahlen, aber vor allem in Deutschland verfehlt sie ihr Ergebnisziel deutlich.
IC und ICE sollen Gewinn rasant steigern
Weit optimistischer zeigt sich das Unternehmen dagegen für den Fernverkehr: IC und ICE sollen im kommenden Jahr ihre Gewinne um über 60 Prozent steigern. Bereits 2011 wird der Fernverkehr deutlich über den Planungen liegen, wobei allerdings auch Zahlungen der Versicherung für einen bei einem Zusammenprall mit einem Müllwagen völlig demolierten ICE zu Buche schlagen. Aber den Unterlagen zufolge sollen die Gewinne bis 2016 im rasanten Tempo auf über 600 Millionen Euro weiter wachsen. Dies ist allerdings auch eine Folge der geringen Investitionen der vergangenen Jahre, so dass den Konzern hier kaum Abschreibungen belasten. Erst 2016 werden die neuen ICx-Züge erwartet, die zunächst die alten IC ersetzen sollen.
Weit mehr Gewinn als die Fernzüge soll allerdings die Netzsparte erwirtschaften: 2012 soll sie den Nahverkehr als wichtigsten Gewinnlieferanten ablösen. Zusammen mit Bahnhöfen und der Energietochter soll die Netzsparte gut ein Drittel des Konzerngewinns erzielen. Umsetzen soll dies auch in den kommenden Jahren Infrastrukturvorstand Volker Kefer. Dessen Vertrag, der 2012 auslaufen würde, soll angeblich in der kommenden Woche verlängert werden.