Wirtschaft
"Ein Privatgläubiger, der fremdes Geld verwaltet, pocht immer auf eine Lösung, die einen wirtschaftlich besseren Zustand herbeiführt."
"Ein Privatgläubiger, der fremdes Geld verwaltet, pocht immer auf eine Lösung, die einen wirtschaftlich besseren Zustand herbeiführt."(Foto: REUTERS)

Anreize bei Athen-Deal würden helfen: Banken denken ans Geschäft

Eine Hand wäscht bekanntlich die andere. Deshalb lassen die deutschen Privatbanken auch nicht locker, wenn es um ihre Beteiligung an den neuen Hilfen für Griechenland geht. Das Finanzministerium stellt sich zwar stur. Aber die Finanzinstitute wissen um ihre Macht. In Frankreich ist man schon einen Schritt weiter. Hier steht bereits ein Kompromiss.

Die deutschen Banken hoffen weiter auf Anreize für eine freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. "Anreize würden eine Lösung sicherlich erleichtern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, in Berlin.

Linke Tasche, rechte Tasche ist für BdB-Manager Michael Kemmer nicht genug.
Linke Tasche, rechte Tasche ist für BdB-Manager Michael Kemmer nicht genug.(Foto: picture alliance / dpa)

"Das liegt doch auf der Hand." Ein Privatgläubiger, der fremdes Geld verwalte, poche immer auf eine Lösung, die einen wirtschaftlich besseren Zustand herbeiführe als davor. "Da gibt es viele Dinge, die man sich da denken kann", sagte der BdB-Manager.

Andere Interessen

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt Anreize und zusätzliche Staatsgarantien für Beiträge der Privatwirtschaft ab. Eine Stabilisierung der Lage in Griechenland liege im "allereigensten Interesse aller Investoren". Deshalb seien keine zusätzlichen Anreize für den Privatsektor nötig. Bis zur Sondersitzung der Euro-Gruppe am 3. Juli soll es eine Lösung geben.

Das Finanzministerium verhandelt seit Tagen mit deutschen Banken und Versicherern über eine Beteiligung der Privatgläubiger an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. Es geht um eine freiwillige Laufzeitverlängerung griechischer Anleihen.

Frankreich ist so weit

Im Mittelpunkt stehen griechische Staatsanleihen, die bis Mitte 2014 fällig werden. Diese könnten gegen neue Schuldtitel mit fünfjähriger Laufzeit getauscht werden. Kemmer sprach von konstruktiven Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und Finanzministerium. "Jeder weiß um den Ernst der Lage. Jeder möchte auch, dass es eine Lösung gibt". Zum weiteren Zeitplan der Gespräche machte er keine näheren Angaben.

Präsident Nicolas Sarkozy hält Frankreichs Banken bei Laune. Er ist bereit, sie zur  Beteiligung zu ermuntern.
Präsident Nicolas Sarkozy hält Frankreichs Banken bei Laune. Er ist bereit, sie zur Beteiligung zu ermuntern.(Foto: REUTERS)

In Frankreich hat derweil bereits einen entsprechenden Kompromiss erreicht. Die französischen Banken und das Finanzministerium arbeiteten einen neuen Plan aus, mit dem private Gläubiger zur Beteiligung an der Griechenland-Hilfe ermuntert werden sollen. Präsident Nicolas Sarkozy bestätigte einen entsprechenden Zeitungsbericht. Laut der regierungsnahen Zeitung "Le Figaro" sollen Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen beim Auslaufen einer Griechenland-Anleihe nur 70 Prozent dem Land wieder zur Verfügung stellen.

Luft zum Atmen für Athen

50 Prozent sollen in neue Anleihen fließen, die diesmal aber 30 Jahre laufen sollen. Die lange Laufzeit verschafft Griechenland Luft beim Zurückzahlen. Die restlichen 20 Prozent sollen in sogenannte Zero-Bonds fließen, also Anleihen ohne laufende Zinszahlungen. Sie sollen durch einen Fonds mit hochwertigen Wertpapieren abgesichert werden, der eine ähnliche Funktion haben könnte wie öffentliche Garantien, berichtete der "Figaro" weiter.

Der Plan, den eine Gruppe unter Leitung der Großbank BNP Paribas ausarbeitete, soll noch heute bei einem Treffen der Banken-Lobbygruppe IIF in Rom diskutiert werden. Französische und deutsche Banken halten den größten Teil der griechischen Staatsschuld.

Die Bundesregierung bewertete den französischen Vorstoß positiv. Sie begrüße es generell, wenn vom Privatsektor Vorschläge kommen wie jetzt aus Frankreich, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Auch die Bundesregierung sei mit mit Privatbanken und großen Versicherungen im Gespräch über eine Beteiligung an den neuen Hilfen für Griechenland.

 

 

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Quelle: n-tv.de

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