Wirtschaft

Die Rücklagen verfünffachtBayer erwartet Turbulenzen

05.11.2011, 15:30 Uhr
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Nicht nur die Fassade: Auch das Vertrauen nimmt Schaden. (Foto: REUTERS)

Die Schuldenkrise macht sich immer stärker auch in der deutschen Wirtschaft bemerkbar: Weil es sich nicht länger verbergen lässt, geht der Dax-Konzern Bayer nun mit seinen Bedenken an die Öffentlichkeit. Die schlechte Zahlungsmoral staatlicher Stellen in Südeuropa zwingt den Hersteller von Pharma- und Chemie-Produkten zu umfangreichen Vorsichtmaßnahmen. "Unsere Sorge ist, dass sich das Problem verschärft."

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat sein Liquiditätspolster vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise massiv aufgestockt.

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Kümmert sich bei Bayer um die Finanzen: Werner Baumann (Archivbild). (Foto: picture alliance / dpa)

"Zurzeit haben wie eine Liquiditätsposition von etwa 3,8 Mrd. Euro", sagte Finanzchef Werner Baumann in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung". Damit sei der Liquiditätspuffer etwa fünfmal so hoch wie in Nichtkrisenzeiten. "Diesen Betrag werden wir erst im April nächsten Jahres über die Ablösung einer Anleihe um zwei Milliarden Euro abschmelzen."

Der Finanzchef beklagte eine schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand, besonders in den hoch verschuldeten Euro-Ländern Portugal, Italien und Spanien. "Wenn sie Außenstände haben, die in erheblichem Umfang über zwei Jahre reichen, dann ist das inakzeptabel", sagte Baumann. In Südeuropa habe Bayer Außenstände "im signifikanten dreistelligen Millionen-Euro-Bereich".

Übernahmen kein Problem

Die Zahlungsmoral sei dort ein strukturelles Problem, das bereits seit einigen Jahren bestehe. "Unsere Sorge ist, dass sich das Problem verschärft." Betroffen sei vor allem die Pharmasparte. Der Konzern treffe für die Außenstände aber bilanziell Vorsorge: Bei Forderungen, die über die normalen Zahlungsziele hinausgingen, würden Abschreibungen auf den entsprechenden Zeitwert vorgenommen, sagte der Finanzchef.

Auf die Frage, wie viel Geld Bayer kurzfristig für eine größere Übernahme mobilisieren könnte, sagte Baumann, eine feste Größenordnung gebe es dafür nicht. Bayer könne aber in "sehr erheblichem Maße" finanzieren. Großakquisitionen wie die von Schering seien auch im derzeitigen Umfeld möglich. "Ich bin sicher, dass Unternehmen unserer Qualität so etwas heute finanzieren könnten", sagte der Manager.

Quelle: rts