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Auftakt zu Überraschungen?: Bayer lässt Anleger träumen

Beflügelt von der Gesundheitssparte legt der Chemie- und Pharmakonzern Bayer einen fulminanten Jahrestart hin. Selbst der starke Euro bremst den Gewinnsprung nicht. Anleger trauen nun auch Anderen Unerwartetes zu.

Der Chemie- und Pharmakonzern lässt sich von einem überraschend erfreulichen Jahresstart nicht aus der Reserve locken. Im ersten Quartal legten Umsatz und Gewinn trotz ungünstiger Wechselkurse weiter zu und übertrafen die Analystenprognosen. Dennoch zeigte sich das Unternehmen mit Blick auf das Gesamtjahr konservativ. Die Bayer-Aktie kletterte kurz nach Handelsbeginn um vier Prozent.

Der Konzern profitierte zwischen Januar und Ende März vor allem von Pharmaprodukten. Mit dem Gerinnungshemmer Xarelto traut Bayer inzwischen Umsatzpotenzial von rund 3,5 Milliarden Euro zu. Auch im Agrargeschäft, das angesichts des milden Winters von einem frühen Saisonstart in Europa profitierte, liefen die Geschäfte solide. Die Kunststoffsparte Material Science hat ihr Ergebnis im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal vor allem Dank niedrigerer Rohstoffpreise klar verbessert.

Gewinn steigt um ein Viertel

Dennoch bestätigte der Konzern seine Jahresziele lediglich. Währungsbereinigt und ohne die Berücksichtigung von Zu- und Verkäufen erwarten die Leverkusener weiterhin einen Erlösanstieg von etwa fünf Prozent auf 41 Milliarden bis 42 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis soll im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Im ersten Jahresviertel kletterten die Erlöse um 2,8 Prozent auf knapp 10,6 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte lag der Zuwachs bei 8,4 Prozent. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen (Ebitda) legte um 11,6 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 1,4 Milliarden Euro fast ein Viertel mehr als im Vorjahr.

Marktteilnehmer zeigten sich angetan von den Zahlen: Peter Spengler, Analyst der DZ Bank, verwies auf die gute Performance in allen Segmenten. Und Heino Ruland von Ruland Research bezeichnete die Daten als "durchweg sehr gut". Fast sämtliche Erwartungen seien übertroffen worden.

Kunststoffsparte fasst Tritt

Im Gesundheitsgeschäft (HealthCare) verbesserte sich der Umsatz im Quartal um knapp drei Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Überdurchschnittlich hätten sich die Erlöse in den Wachstumsmärkten entwickelt, hieß es. Das Ebitda legte trotz erheblicher negativer Wechselkurseffekte noch um knapp zwei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Treiber war das Pharmageschäft. Das Ergebnis im Consumer-Health-Geschäft war leicht rückläufig. Höhere Kosten für Marketing, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung schlugen hier zu Buche.

Im Agrargeschäft (CropScience) kletterten die Erlöse um knapp fünf Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Neben dem witterungsbedingt frühen Saisonstart in Europa machte sich ein starkes Geschäft in Lateinamerika positiv bemerkbar. Das Ebitda legte um 1,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu.

Bergauf geht es bei Bayer auch in der zuletzt schwächelnden Kunststoffsparte Material Science. Die Erlöse kletterten um ein Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Das Ebitda legte um knapp 80 Prozent auf 366 Millionen Euro zu. Geholfen haben dabei neben den gesunkenen Rohstoffpreisen höhere Absatzmengen und Sparmaßnahmen.

Verkaufsgerüchte reißen nicht ab

Berichten zufolge erwägt Bayer, die Sparte zu verkaufen, um sich auf das wachsende Gesundheitsgeschäft zu konzentrieren. Ein Bayer-Sprecher sagte, ein Verkauf der Sparte Material Science stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung. Bereits seit Jahren wird über eine mögliche Trennung von der Sparte spekuliert.

Die Gerüchte haben jetzt wieder Fahrt aufgenommen, weil Bayer neu aufgeflammten Spekulationen zufolge ein Auge auf eine Sparte mit verschreibungsfreien Medikamenten des US-Pharmakonzerns Merck & Co geworfen hat, die dieser ins Schaufenster gestellt hat. Dabei sollen die Leverkusener mit dem britischen Konsumgüterhersteller Reckitt Benckiser um den Zuschlag wetteifern. Im Geschäft mit frei verkäuflichen Mitteln ist Bayer heute bereits die Nummer 2 in der Welt hinter Johnson & Johnson, strebt aber mittelfristig das Ziel an, die Nummer 1 zu werden.

"Da ist alles so gut, dass man sich fragt, warum sie die Prognose für 2014 nur bestätigt und nicht gleich mit erhöht haben", sagt ein Händler. Allerdings schaffe sich Bayer damit Spielraum für eine Erhöhung im laufenden Jahr, "was ja auch nicht schlecht ist". Auch die Sparte Material Science stehe sehr gut dar, so dass bei einem möglichen Verkauf auch keine schlechten Preise zu befürchten seien.

Heino Ruland von Ruland Research sagte, fast sämtliche Erwartungen seien übertroffen worden. Die bestätigte Prognose hält er für "eher tief gegriffen". Auffallend sei, dass Bayer auch im Vergleich zum Vorjahresquartal sehr gut abgeschnitten habe. "Eventuell ist das ein Vorbote, dass Analysten das erste Quartal bei deutschen Unternehmen unterschätzt haben", sagt Ruland.

Quelle: n-tv.de

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