Sonntag, 20. Dezember 2009
Telecinco fusioniert mit Cuatro: Berlusconi expandiert
Silvio Berlusconi gewinnt an Einfluss auf dem spanischen Fernsehmarkt. Der vom italienischen Ministerpräsidenten kontrollierte spanische TV-Sender Telecinco schließt sich mit dem Konkurrenten Cuatro zusammen.Der aus der Fusion hervorgehende Sender wird der größte Anbieter in Spanien im offen zugänglichen Fernsehen sein. Sein Anteil an den Einschaltquoten wird nach spanischen Presseberichten bei 25,2 Prozent liegen. Die gesetzlich zugelassene Höchstgrenze beträgt 27 Prozent.
Der Zusammenschluss ist die erste Fusion von zwei großen privaten Fernsehanstalten in Spanien. Berlusconis Mediengruppe Mediaset wird an dem neuen Sender einen Kapitalanteil von 41 Prozent halten. Die spanische Gruppe Prisa um die Zeitung "El País" wird mit 18 Prozent zweitgrößter Kapitaleigner sein. Die mit fünf Milliarden Euro verschuldete Prisa-Gruppe verkauft zudem an Telecinco 22 Prozent ihres Pay-TV-Anbieters Digital +. Der Preis wurde auf 0,5 Milliarden Euro beziffert.
Die Fusion von Telecinco und Cuatro wurde in Branchenkreisen als ein "merkwürdiger" Zusammenschluss bezeichnet, weil beide Seiten entgegengesetzte politische Richtungen vertreten. Berlusconis Mediengruppe gehört dem konservativen Lager an, dagegen ist Prisa linksliberal ausgerichtet.
Spaniens TV-Markt wird neu geordnet
Mit der Fusion kamen die beiden Sender ihren Konkurrenten zuvor. Es gilt als praktisch sicher, dass die anderen beiden großen spanischen Privatsender Antena 3 und La Sexta sich demnächst ebenfalls zusammenschließen werden. Beide Unternehmen hatten bereits Fusionsverhandlungen geführt und sich in wichtigen Punkten grundsätzlich geeinigt. Antena 3 und La Sexta verfügen zusammen über Einschaltquoten von 22,6 Prozent.
Die Fusionen bedeuten eine komplette Neuordnung auf dem spanischen TV-Markt. Die Sender reagieren damit auf die Wirtschaftskrise und den rapiden Rückgang ihrer Einnahmen. Die Werbeeinnahmen des spanischen Fernsehens waren im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gesunken.
dpa
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