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Zentralbanker beim Plausch: EZB-Chef Trichet (l.) und Fed-Chef Bernanke.
Zentralbanker beim Plausch: EZB-Chef Trichet (l.) und Fed-Chef Bernanke.(Foto: AP)

Trotz schwacher Konjunkturdaten: Bernanke vertagt Konjunkturhilfen

Die ersehnte Überraschung bleibt aus: US-Notenbankchef Bernanke plant kurzfristig keine Neuauflage geldpolitischer Stützungsmaßnahmen für die Konjunktur. Vom Tisch ist ein neues Hilfsprogramm jedoch nicht. Auf der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses im September wollen die Notenbanker intensiv über Maßnahmen beraten. An den Finanzmärkten sorgt die Entscheidung nur kurzzeitig für Kursverluste.

Die US-Notenbank verschiebt ihre Entscheidung über ein neues Stützungsprogramm für die US-Konjunktur. In seiner mit großer Spannung erwarteten Rede beim jährlichen Zentralbankertreffen in Jackson Hole kündigte US-Notenbankchef Ben Bernanke an, beim kommenden Treffen des Offenmarktausschusses am 20. September über mögliche Hilfen zur Stützung der US-Konjunktur zu beraten.

Konkrete Maßnahmen, insbesondere die erhoffte dritte Runde der geldpolitischen Lockerung (Quantitative Easing oder kurz QE3), stellte Bernanke jedoch vorerst nicht in Aussicht. Damit sorgte er an den Aktienmärkten weltweit für kurzfristige Enttäuschung und steigende Kursverluste. Schon nach kurzer Zeit beruhigten sich die Börsen jedoch wieder.

Das Treffen der Notenbanker im September wird von einem auf zwei Tage verlängert, um mehr Zeit für eine intensive Prüfung der diversen Instrumente zu haben. Die Fed sei "bereit" zu handeln, um die Konjunktur zu stärken, sagte Bernanke. Ihr stünden dafür zahlreiche Instrumente zur Verfügung.

Wirtschaft lahmt

Bernanke zeigte sich bei seiner Rede vor zahlreichen anderen Notenbankern und Wissenschaftlern aus aller Welt enttäuscht, dass die US-Konjunktur trotz Milliarden Dollars der Fed und mehrerer Konjunkturprogramme nicht anspringt. "Es ist klar, dass die Erholung viel schwächer ausgefallen ist als erhofft." Die US-Wirtschaft ist nach aktuellen Daten im zweiten Quartal nur um magere ein Prozent gewachsen, die Arbeitslosenquote liegt bei gut neun Prozent. Die Fed werde über weitere konjunkturstimulierende Maßnahmen beraten, sagte Bernanke. Ziel sei es dabei, vor allem die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und langfristig das Wachstum wieder anzukurbeln.            

Die Fed hatte bereits Anfang August angekündigt, den Leitzins - der seit Ende 2008 bei quasi null Prozent liegt - noch bis "mindestens" Mitte 2013 dort zu lassen. Sie hat seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 in der sich anschließenden Rezession massiv die Gelddruckmaschinen angeworfen - Fachleute sprechen von einer quantitativen Lockerung (quantitative easing). Das zweite, bis dato letzte Anleihekaufprogramm über 600 Mrd. Dollar ging Ende Juni zu Ende.

Hält nichts von QE3: Der Chef der Philadelphia Fed, Charles Plosser
Hält nichts von QE3: Der Chef der Philadelphia Fed, Charles Plosser(Foto: REUTERS)

Ob ein weiteres folgen soll ist höchst umstritten - außerhalb, aber auch innerhalb der Notenbank. Nur gut zwei Stunden vor der Rede Bernankes hatte etwa der Chef der regionalen Fed von Philadelphia, Charles Plosser, den Nutzen eines dritten Programms (QE3) bezweifelt. Er sagte dem Fernsehsender CNBC in Jackson Hole: "Ich bin mir nicht sicher, ob mehr quantitative easing angesichts der Probleme, die wir haben, hilfreich wäre."

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

Analysten und Ökonomen zeigten sich in ersten Reaktionen wenig überrascht davon, dass Bernanke dem Druck der Märkte vorerst Stand hielt. Viele erwarten allerdings nun, dass er in gut einem Monat nachlegen wird. "Ich denke, nun ist die Tür offen, dass die Fed viel mehr machen kann als bisher. Aber in der Rede findet sich nichts, was darauf hindeutet, dass sie sofort handeln", sagte Scott Brown, Chefökonom vom Brokerhaus Raymond James. Enttäuschend sei, dass Bernanke nicht konkret über die Möglichkeiten der Fed gesprochen habe, sondern nur im Allgemeinen geblieben sei.

An den jährlichen Notenbankertreffen in der idyllischen Einsamkeit der Rocky Mountains nehmen unter anderem auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann teil. Überraschend nicht dabei sind die Chinesen und Trichets baldiger Nachfolger, der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi.

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Quelle: n-tv.de

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