Montag, 26. April 2010
Stichwort: Bisherige Staatspleiten und ihre Ursachen
Währungsturbulenzen, Ölpreisverfall, Naturkatastrophen: Staatspleiten können durch höchst unterschiedliche Ereignisse ausgelöst werden, wie die Beispiele Argentinien, Russland, Grenada und Pakistan zeigen.Argentinien
Mit einem Plakat mit der Aufschrift "Ich habe Dollar eingezahlt, ich will Dollar wiederhaben"
protestiert eine Frau im Februar 2002 vor der Citibank in Buenos Aires.
(Foto: REUTERS)
Die Ursache der Argentinien-Krise reicht in das Jahr 1989 zurück. Der damalige Präsident Carlos Menem koppelte den Wechselkurs des heimischen Peso im Verhältnis 1:1 an den Dollar. Das ging lange gut, bis Brasilien 1999 seinen Real abwertete. Die Folge: Investoren bekamen im Nachbarland für ihre Dollar fortan mehr zu kaufen als in Argentinien. Die ausländischen Investitionen und die Exporte trockneten aus.
Die Menem-Regierung verschuldete sich im In- und Ausland stark. Dadurch stiegen die heimischen Zinsen. Die Unternehmen konnten Investitionen nicht mehr finanzieren, eine Pleitewelle setzte ein, die Arbeitslosigkeit stieg.
Als der IWF sich weigerte, einen bereits vereinbarten Kredit vorzuziehen, folgte Ende 2001 ein Ansturm auf die Banken. Die Kunden wollten ihre Einlagen 1:1 in Dollar tauschen. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen.
Russland
Ein russischer Börsenhändler blickt frustriert auf seinen Bildschirm.
(Foto: REUTERS)
Der Verfall des Ölpreises Ende 1997 brachte Russland in die Bredouille. Die Staatseinnahmen brachen wegen der sinkenden Exporterlöse drastisch ein. Um die Lücke zu schließen, erleichterte Russland ausländischen Investoren den Kauf von Staatsanleihen. Weil sich auch die ostasiatischen Länder in der Krise befanden, zogen Investoren ihr Geld aus Schwellenländern ab. Aus Russland wurden zeitweise eine Milliarde Dollar pro Woche abgezogen. Ein IWF-Kredit stellte nur vorübergehend das Vertrauen wieder her. 1998 kam Russland seinen Verpflichtungen nicht mehr nach.
Grenada
Hurrikan Ivan verwüstete Grenada im September 2004.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Eine Naturkatastrophe brachte den karibischen Inselstaat in die Klemme. Der Hurrikan Ivan richtete im September 2004 schlimme Schäden an. Sie übertrafen die jährliche Wirtschaftsleistung um etwa das Doppelte. Im Oktober musste die Regierung einräumen, dass die Finanzlage sich dramatisch verschlechtert hat. Im Dezember konnten die Zahlungen für zwei internationale Anleihen nicht beglichen werden.
Pakistan
Atomwaffentests lösten 1998 die Schuldenkrise in Pakistan aus. Die anschließenden internationalen Sanktionen gegen das ohnehin schon klamme Land brachten die Zahlungsbilanz durcheinander.
René Wagner, rts
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