Schwere Schlappe für EADSBoeing darf den Tanker bauen
Sieg in der dritten Runde: Der "Jahrhundert-Auftrag" zum Bau neuer Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe geht knapp zehn Jahre nach der ersten Ausschreibung an Boeing. Doch die Boeing-Mitarbeiter feiern möglicherweise zu früh: Der europäische Erzrivale EADS hat zehn Tage Zeit, Widerspruch einzulegen.
Der US-Konzern Boeing hat den Zuschlag für den milliardenschweren Großauftrag zur Modernisierung der Tankflugzeugflotte bekommen und sich damit gegen seinen europäischen Erzrivalen EADS durchgesetzt.
Der "Jahrhundertauftrag" für insgesamt 179 Tankflugzeuge hat ein Volumen von mehr als 30 Mrd. Dollar, wie die US-Luftwaffe mitteilte. Ihre Entscheidung über die Auftragsvergabe gaben Offizielle nach US-Börsenschluss bei einer Pressekonferenz im Pentagon bekannt.
Die deutsche Seite zweifelt
Die Bundesregierung hat nach der US-Entscheidung, den Milliarden-Tankflugzeugauftrag an Boeing und damit nicht an EADS zu vergeben, Zweifel an der Fairness des Verfahrens geäußert.
"Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich bei der dritten Ausschreibung ein faires Verfahren gegeben hat", sagte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze. Natürlich sei es Sache der US-Regierung, an wen sie einen so großen Rüstungsauftrag vergibt.
"Auf der anderen Seite war ein faires Wettbewerbsverfahren angekündigt", sagte Hintze. "Und ich hoffe, dass die gründliche Analyse ergibt, dass es tatsächlich ein faires Verfahren gewesen ist."
Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS habe ein ausgezeichnetes Flugzeug für diesen Auftrag angeboten, sagte er weiter. Das werde dadurch belegt, dass es ja im zweiten Bieterverfahren, dessen Ergebnis später revidiert wurde, eine Entscheidung für EADS gegeben hatte.
Boeing siegt in Runde 3
Mit der Vergabe an Boeing endet bereits der dritte Versuch seit 2001, die alten Tankflugzeuge vom Typ KC-135 "Stratotanker" aus der Eisenhower-Ära zu ersetzen. Zunächst schien Boeing siegreich, in der zweiten Runde EADS. Die Verfahren wurden jedoch gestoppt und jeweils neu aufgerollt.
Das Verteidigungsministerium bezeichnete das Bieterverfahren nun als fair und transparent. Keines der beiden Unternehmen sei begünstigt worden, betonte Verteidigungsstaatssekretär William Lynn.
Der Verlierer EADS habe zwar das Recht, Protest einzulegen. Das Ministerium sei aber davon überzeugt, dass es keine Gründe dafür gebe. Boeing sei als klarer Sieger hervorgegangen. Nach Angaben der Luftwaffe erfüllten beide Gebote die Vorgaben.
EADS bleiben noch zehn Tage
Das unterlegene Unternehmen hat nach der Bekanntgabe zehn Tage Zeit, um gegen die Entscheidung Beschwerde einzulegen. Unterstützer im Kongress können aber auch versuchen, die Vergabe im Parlament zu stoppen. Die Maschinen sollen die Flugzeuge vom Typ KC-135 ersetzen, die seit vielen Jahrzehnten im Dienst sind.
Die Tanker spielen bei Kriegen wie im Irak oder in Afghanistan eine wichtige Rolle. Kampfflugzeuge müssen während des Einsatzes zum Auftanken nicht mehr landen. Der Treibstoff wird während des Fluges in den Tank der Maschinen gepumpt.
Warum überhaupt in der Luft betanken?
Auf diese Weise erhöht sich die Reichweite der Maschinen um ein Vielfaches. Für die Truppen am Boden steht so ständig Luftunterstützung zur Verfügung. Zudem lassen sich Kampfjets, Bomber und Beobachter so problemlos über weite Strecken zu neuen Einsatzgebieten oder zurück in die Heimat überführen. Die US-Airforce hat derzeit rund 400 Stratotanker im Einsatz. 179 davon sollen so bald wie möglich ausgetauscht werden. Bei alten Maschinen steigen nicht nur die Kosten für die Instandhaltung, auch die Wartungsintervalle müssen immer weiter verkürzt werden.
EADS zeigte sich von der Entscheidung enttäuscht. Der Tankerauftrag sei eine Geschäftschance von vielen in den USA gewesen, teilte der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern mit. Die Boeing-Aktie zog nachbörslich um fast 4 Prozent an. In Europa reagierte die EADS-Aktie am Morgen danach zunächst mit Abschlägen von etwas mehr als 3 Prozent.