Penny für PennyBritische Banken obenauf
Über der Londoner City scheinen sich die dunklen Wolken der Krise zu verziehen. Die großen Banken schreiben wieder schwarze Zahlen, weisen gar Milliardengewinne aus. Doch der Erfolg ist teuer erkauft.
Die erste Augustwoche ist im Londoner Bankenviertel nach langer Durststrecke die Woche der knallenden Champagnerkorken. Nach der Reihe treten die Vorstandschefs der großen Bankhäuser vor Presse und Analysten. HSBC machte mit zweistelligen Milliardengewinnen den Anfang, nun legte Lloyds mit Halbjahreserträgen über der Milliardengrenze nach. Dazwischen überraschte sogar die mit Giftpapieren vollgestopfte "Bad Bank" von Northern Rock mit satten schwarzen Zahlen. Von Barclays und der Royal Bank of Scotland erwarten die Analysten Ende der Woche ebenfalls Resultate in der Gewinnzone.
Krise? Angesichts der präsentierten Ergebnisse und auch der von den Briten überdurchschnittlich gut absolvierten EU-Stresstests im Juli könnte man meinen, die war gestern. Doch ein etwas tieferer Blick zeigt, dass keineswegs alles Gold ist, was in den Bilanzen glänzt. Die neuen Gewinne sind zu großen Teilen teuer erkauft - mit Massenentlassungen und Teilverkäufen an die ausländische Konkurrenz.
Jobkiller Krise
Zehntausende Jobs sind gestrichen, ganze Filialketten abgestoßen. Die britische Kreditwirtschaft ist schlicht geschrumpft. Und das wiegt schwer - denn der Finanzsektor ist von großer Bedeutung für die gesamte Wirtschaft des Landes. Und noch immer stehen die Banken beim Steuerzahler mächtig in der Kreide. Lloyds ist zu 41 Prozent, RBS gar zu mehr als 80 Prozent in Staatsbesitz.
Kein Wunder dass die britische Regierung zumindest nach außen hin auf den Tisch haut. Wenn der Staat schon mit milliardenschweren Hilfen aus der Steuerkasse geklotzt hat, dann sollen die Banken jetzt bitteschön auch bei der Kreditvergabe an Kleinunternehmer nicht kleckern, mahnte - mit taktisch klugem Timing noch vor Beginn des Berichtsmarathons - die Downing Street.
Dort fährt die neue Regierung von David Cameron wegen der desolaten Staatsfinanzen einen strikten Sparkurs und kann deshalb beim Generieren des sehnlich erhofften Wirtschaftswachstums nicht viel helfen. "Es gibt kaum einen Betrieb, der nicht Ärger mit seiner Bank hat", skizzierte Schatzkanzler George Osborne erst vor Tagen die Situation. "Times"-Kommentator Anatole Kaletsky schrieb am Mittwoch: "Wir können gerne alle auf die Banken und die Banker schimpfen. Aber wir brauchen dringendst mehr Kredite, um der Wirtschaft wieder Leben einzuhauchen."
Skepsis bleibt
Auch der Finanzchef der erfolgreichen HSBC, Douglas Flint, warnt: "Wenn wir in die Rezession zurückfallen, kann alles schnell wieder anders aussehen." Warum noch Skepsis angebracht ist, zeigt das Beispiel der Royal Bank of Scotland. 2008 nur mit einer Milliardenspritze des Staates über Wasser gehalten, muss die Bank nun 318 Filialen in England, Wales und Schottland samt Kundengeschäft und weit über 20 Mrd. Pfund Einlagen an den spanischen Konkurrenten Santander abgeben. Wenn die blauen RBS-Firmenschilder abmontiert und die roten Santander-Logos angeschraubt sind, werden bis Ende 2011 rund 1,65 Mrd. Pfund in die RBS-Kasse geflossen sein.
Die Bank tut das nicht freiwillig. Die Verkäufe hat die EU vorgeschrieben und damit den Weg für die massiven Staatshilfen zur Bankenrettung überhaupt erst frei gemacht. In den nächsten vier Jahren muss allein die RBS noch ihre Versicherungsaktivitäten, ihr Zahlungssystem WorldPay und weitere Geschäftsfelder abstoßen. Bei Lloyds steht das gesamte Privatkundengeschäft zum Verkauf. Die Krise mag vorüber sein, ihre Folgen scheinen längst nicht bewältigt. zwischenzeitlich getrennt.