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"Unser Gold ist physisch vorhanden", betont Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.
"Unser Gold ist physisch vorhanden", betont Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.(Foto: picture alliance / dpa)

"Holt unser Gold heim!": Bundesbank reagiert auf Kritik

Die Bundesbank verfügt über den zweitgrößten Goldschatz aller Zentralbanken der Welt. Allerdings liegt der Großteil davon nicht in heimischen Tresoren. Die Kritik daran - von Politik und Bürgern gleichermaßen - zeigt nun Wirkung. Hunderte Tonnen sollen "nach Hause" geholt werden.

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"Holt unser Gold heim!" Es scheint, als habe die Bundesbank den Ruf besorgter Bürger und kritischer Politiker erhört. Fast 700 Tonnen ihres Milliardenschatzes wollen Deutschlands Währungshüter bis 2020 aus New York und Paris nach Frankfurt holen. Zu groß war das öffentliche Misstrauen - auch wenn das so recht in der Bundesbank niemand zugeben will: Sind die Barren im Ausland überhaupt vorhanden? Ist das Gold dort sicher? Kann man im Krisenfall darauf zugreifen?

"Unser Gold ist physisch vorhanden", betont Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. "Ich habe im vergangenen Jahr alle Lagerstätten besucht und ich habe gesehen, was ich sehen wollte." Den Kollegen bei der US-Notenbank Fed in New York, wo derzeit fast die Hälfte der 3391 Tonnen deutschen Goldes verwahrt werden, brachte Thiele aber auch gleich ein paar Zeitungsartikel mit: Sie sollten verstehen, wie groß die deutschen Sorge um den Milliardenschatz sind.

Wie ein schweres Kohlebrikett

Vor laufenden Kameras präsentiert die Bundesbank Gold zum Anfassen - und demonstriert zugleich, dass die Barren wirklich echt sind. Was an verstaubte Experimente aus dem Physikunterricht erinnert, ist nach Angaben der Notenbank neuester Stand der Technik: Aus einem unscheinbaren grauen Kasten werden Ultraschallwellen durch den Barren geschickt. An den grünen Ausschlägen auf dem kleinen Bildschirm erkennen die Experten, ob der Barren aus Gold ist oder nur eine goldene Hülle ein minderwertiges Metall umschließt.

Per Röntgenspektrometer wird zudem die Reinheit gemessen. Helmut Rittgen, Bundesbank-Zentralbereichsleiter Bargeld, erklärt den Vorteil dieses zweistufigen Verfahrens: Die Barren müssen weder eingeschmolzen noch angebohrt werden, um ihre Echtheit zu prüfen.

So sehr sie alle glänzen: Die 82.857 Bundesbank-Barren, die schon in Regalen in heimischen Tresoren gestapelt oder in Containern gelagert werden, sind sehr unterschiedlich. Ein australischer Royal Mint bringt bei der Stichprobe 12,45 Kilogramm auf die Waage, ein Degussa-Barren kommt auf 12,49 Kilo, ein Royal Canadian Mint auf 12,69 Kilo, ein US-Mint wiegt gar 13,28 Kilo. Manches Format erinnert eher an ein Kohlebrikett - wäre da nicht das enorme Gewicht.

"Verlagerung ist kein Verkauf"

Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 50er und 60er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

Während des Kalten Krieges war es durchaus gewollt, deutsches Gold "westlich des Rheins" und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen aufzubewahren. Der Ost-West-Konflikt ist lange Geschichte. Seit 1999 rechnet Europa zudem in einer gemeinsamen Währung, dem Euro. Seither ist zumindest für den Standort Paris auch das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen.

Die Kosten und Risiken des Transports halten die Bundesbank nicht von der Aktion ab. Thiele stellt aber klar: "Verlagerung hat für uns überhaupt nichts mit Verkauf zu tun." Immer wieder gab es Forderungen, das Gold zu «versilbern» - etwa um Renten oder Hilfen für Opfer der Elbeflut 2002 zu finanzieren. 1997 wollte Deutschlands oberster Kassenwart Theo Waigel (CSU) eine höhere Bewertung der Goldreserven durchsetzen und für den Bund die Gewinne einstreichen.

Vergeblich. Seit 1973 habe die Bundesbank weder Gold gekauft noch verkauft, betont Thiele. Einzige Ausnahme: Etwas Gold geht zum Marktpreis an das Bundesfinanzministerium für Gold-Sondermünzen. Ansonsten wachen die Bundesbanker über den zweitgrößten Goldschatz der Zentralbanken der Welt wie über ihren Augapfel. Künftig wollen sie die Hälfte davon auch selbst in Augenschein nehmen.

Quelle: n-tv.de

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