Wirtschaft
Funkt die CME noch dazwischen?
Funkt die CME noch dazwischen?(Foto: dpa)

Feindliches Übernahmeangebot?: CME will Nyse auch

Die Fusion zwischen Deutscher Börse und Nyse Euronext nimmt gerade Form an, da mischt sich überraschend eine dritte Partei ein: Offenbar denkt der US-Handelsplatz CME über ein feindliches Übernahmeangebot für die Nyse nach.

Der US-Handelsplatz CME will vielleicht in den Fusionspoker von Deutscher Börse und Nyse Euronext eingreifen. Die CME erwäge ein feindliches Übernahmeangebot für die Nyse, berichteten die Internetseite flyonthewall.com sowie der Fernsehsender Fox Business. Laut der Website könnte sich CME für eine Offerte mit der US-Börse Nasdaq OMX Group zusammentun. Die CME Group, Betreiberin der Derivatebörsen Chicago Mercantile Exchange und Chicago Board of Trade, war zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das Störfeuer käme ungelegen, denn die Deutsche Börse und Nyse sind sich im Grundsatz über die Fusion bereits einig. Die Unternehmen hätten sich auf den groben Zuschnitt ihrer geplanten Milliardenfusion verständigt, sagten zwei mit dem Vorhaben vertraute Personen. Allerdings wurden einige umstrittene Punkte ausgeklammert. Während wichtige Personalien schon festgeklopft seien, hätten die Parteien andere Punkte, etwa den neuen Namen und die Rechtsform, noch offen gelassen. Daran werde ein Deal aber wohl nicht mehr scheitern, hieß es, bevor die Absichten der CME durchsickerten. Bis zum Jahresende sollte die komplizierte Transaktion, durch die der weltgrößte Börsenbetreiber entstehen soll, abgeschlossen sein.

Am Dienstag wollten sich die Aufsichtsräte beider Konzerne mit dem Zusammenschluss befassen. Sollten die Kontrollgremien grünes Licht für eine Rahmenvereinbarung geben, könnten Börse-Chef Reto Francioni und Nyse-Chef Duncan Niederauer ihre Pläne noch am selben Tag präsentieren. Offenbar sind weitere Personalfragen bereits geklärt: Kreisen zufolge soll Nyse Euronext den Chef der Rechtsabteilung, den für das Tagesgeschäft zuständigen Chief Operating Officer und den Technikchef stellen. Der Vizechef der Deutsche Börse, Andreas Preuss, soll diesen Posten auch im neuen Konzern bekleiden. Leiten soll den neuen Konzern Nyse-Chef Niederauer, Deutsche-Börse-Chef Francioni soll Verwaltungsratschef werden.

Das Kind braucht einen Namen

Andere Details sorgen noch für Misstöne: Der einflussreiche US-Senator Charles Schumer, der im Bankenausschuss des Senats sitzt, pochte darauf, dass die Nyse im neuen Unternehmensnamen zuerst genannt wird. Der Name werde ein "kritischer Faktor" sein, wenn es darum gehe, den Zusammenschluss zu unterstützen, sagte Schumer vor Journalisten. Kreisen zufolge wird jedoch in den Verhandlungen "DB NYSE Group" als Name favorisiert.

Schumer sagte weiter, ihm sei versichert worden, dass die Amerikaner die Management-Kontrolle in dem neuen Unternehmen erhalten würden. Diese Kommentare sollten nach Meinung des Arbeitnehmervertreters im Aufsichtsrat der Deutschen Börse, Johannes Witt, bei den Frankfurtern die Alarmglocken schrillen lassen. "Das klingt so, als ob das genau wie bei Euronext laufen soll, als damals die Amerikaner in Kürze die Kontrolle übernahmen. Warum machen wir uns etwas vor?", sagte Witt. "Wann wird man dann die Reißleine ziehen - wahrscheinlich erst, wenn es zu spät ist."

Schumers Sprecher versicherte später, der Senator habe mit seinen Äußerungen keineswegs den Eindruck erwecken wollen, mehr über das Arrangement zu wissen, als dass Nyse-Chef Niederauer Chef des Konzerns werden solle. Mit der Fusion entstünde der weltweit größte Handelsplatz für Aktien und Derivate - zusammen wären Deutsche Börse und die Nyse über 25 Mrd. Dollar wert. Mit dem Schulterschluss reagieren die Konzerne auf steigenden Kostendruck und zunehmende Konkurrenz von alternativen Handelsplattformen, die ihnen mit günstigen Preisen die Butter vom Brot nehmen.

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Quelle: n-tv.de

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