Mehr Tai Chi?Chinas Geldmarkt bleibt nervös

Chinas politische Elite verliert den Glauben an die Stärke der eigenen Wirtschaft und steuert gegen. Niedrigere Mindestreserven sollen es den Banken erlauben, den Unternehmen mehr Kredite zur Verfügung zu stellen. Bisher ist das Vorgehen noch ohne Erfolg, die Märkte sind nervös. Ab Freitag soll sich das ändern.
Am chinesischen Geldmarkt bleibt die Lage auch nach der Lockerung durch die Zentralbank angespannt. Händler sagten, das Umfeld werde sich nicht wesentlich verbessern, bevor am Freitag die abgemilderten Anforderungen an die Mindestreserven der Geschäftsbanken in Kraft treten. "Die Atmosphäre ist weiter geprägt von Nervosität und Knappheit", sagte ein Händler einer großer Bank in Shanghai. Marktteilnehmer sagten, sie rechneten erst zum Wochenschluss mit einem deutlichen Absinken der Geldmarktzinsen über alle Laufzeiten hinweg. Vergangene Woche war ein akuter Liquiditätsengpass am Markt offenbar geworden.
Am Samstag kündigte die Zentralbank die neuen Mindestreserve-Vorschriften an: Mit der Absenkung um 50 Basispunkte auf 20,5 Prozent haben die Geldhäuser bis zu umgerechnet knapp 50 Mrd. Euro mehr Geld zur Vergabe von Krediten zur Verfügung. Angesichts der deswegen erwarteten Zinsrückgänge können sie sich zudem günstiger refinanzieren.
Schritt längst erwartet
Die Zentralbank sah sich zu dem Schritt veranlasst, weil das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft zuletzt an Dampf verloren hatte. Bereits im November senkte die Bank die Mindestreserve-Anforderungen. Zuvor hatte sie aus Angst vor einer Überhitzung der Wirtschaft die Kreditvergabe gedrosselt.
Analysten und Marktteilnehmer warten schon seit rund vier Wochen darauf, dass die Zentralbank reagiert. Viele waren überrascht, dass der Schritt nicht viel früher kam. An den Aktienmärkten wurde die geldpolitische Lockerung zum Wochenbeginn positiv aufgenommen: Sowohl in Asien als auch in Europa nahmen Anleger die Nachricht zum Anlass, Aktien zu kaufen.